Sie hören mit! „Bedienungen gegen rechts“ wollen Wiesn-Besucher erziehen

Symbolbild: KI

Beim Oktoberfest kann man nun guten Gewissens Trinkgeld einsparen: Ein Teil des Wiesn-Servicepersonals stört sich daran, dass „Dinge wieder sagbarer werden“. Die „Bedienungen gegen rechts“ wollen dagegen vorgehen.

Ein Kommentar von Vanessa Renner

Erkennbar sind sie an weißen Buttons, auf die in Regenbogenfarben „Bedienungen gegen rechts“ gedruckt ist. „Ich finde diese Buttons absolut klasse, da weiß ich gleich wer kein Trinkgeld bekommt“, schwärmt man bereits in den Kommentaren auf dem Instagram-Account der Gruppierung.

Was genau die Buntlinge tun, bleibt allerdings weitgehend offen. Sie behaupten, „für Vielfalt, Toleranz und Respekt und klar gegen Rassismus, Menschenfeindlichkeit, Queerfeindlichkeit und rechte Hetze“ zu stehen. „Seit Jahren beobachten wir, wie Dinge wieder sagbarer werden und plötzlich weniger Widerspruch bekommen“, klagt man auf Instagram: Menschen sagen Dinge! Ein Unding. Man stelle sich einmal vor, beim Bier mit Freunden könnten Menschen einfach frei (und unbelauscht von Gesinnungswächtern) miteinander sprechen. Wo kommen wir denn da hin?

Ob man sich bei unliebsamen Äußerungen im Bierzelt weinend auf den Boden werfen oder einen Antifa-Schlägertrupp hinzurufen will, bleibt unklar. Einem Video zufolge wolle man „Haltung zeigen“, sagen, man habe „keinen Bock auf Nazis“ und Leute aus den Zelten schicken – das könnten zweifelsfrei filmreife Situationen werden.

Da sich in den sozialen Netzen aber bislang keine Berichte oder Aufnahmen von mutig einschreitenden „Bedienungen gegen rechts“ finden lassen, gibt’s auf der Wiesn wohl entweder keine sogenannten Nazis oder das „Einschreiten“ gestaltet sich komplexer als das Hochladen woker Videos in den sozialen Netzen.

Ein Sprecher der Wiesn-Wirte schien den Sinn der Aktion ohnehin zu hinterfragen: Die „Wiesn-Familie“ habe schon immer „jede Art von Diskriminierung, Rassismus und Sexismus auf das Entschiedenste“ abgelehnt, konstatierte er. Wiesnchef Christian Scharpf sprach von einer friedlichen ersten Woche und ließ kein Problembewusstsein erkennen. Anscheinend kamen keine Nationalsozialisten aus ihren Gräbern gekrochen. Vielleicht hatten sie ja Angst vor den bunten Bedienungen mit ihren Buttons.

Insgesamt arbeiten übrigens rund 13.000 Menschen auf dem Münchner Oktoberfest. „Bedienungen gegen rechts“ soll etwas über 100 Mitglieder angesammelt haben. Die Wiesn endet am 4. Oktober.

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