2015 wurden in Deutschland rund 890.000 Asylsuchende registriert. Sechs bis acht Jahre später explodierten die Einbürgerungszahlen, 2025 erreichten sie mit 332.524 neuen deutschen Staatsbürgern den nächsten Rekord. Allein seit 2021 erhielten rund 292.000 Syrer den deutschen Pass – die Migrationskrise verschwindet damit aus der Ausländerstatistik und wandert ins deutsche Wahlvolk.
Mehr als ein Jahrzehnt lang bewegten sich die Einbürgerungszahlen ohne größere Ausschläge zwischen 100.000 und 130.000 pro Jahr. Dann begann der steile Anstieg: von 131.595 Einbürgerungen im Jahr 2021 über 168.775 und 200.095 auf 292.020 im Jahr 2024. Im vergangenen Jahr folgte mit vorläufig 332.524 Einbürgerungen der nächste Rekord. Binnen fünf Jahren hat sich die jährliche Zahl damit mehr als verdreifacht. Zwischen 2021 und 2025 verteilte Deutschland insgesamt 1.125.009 Staatsbürgerschaften.
Der Ursprung eines erheblichen Teils dieser Passwelle liegt im Jahr 2015. Nach Abschluss der Nachregistrierungen bezifferte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die damalige Zahl der nach Deutschland gekommenen Asylforderer auf rund 890.000. Die häufig genannten 441.899 Erstanträge verschleiern die tatsächliche Größenordnung, weil die überlasteten Behörden Hunderttausende bereits eingereiste Asylforderer erst später formell erfassen konnten. Allein aus Syrien registrierte Deutschland 2015 rund 326.900 Zuzüge. Auch aus Afghanistan, dem Irak und Pakistan strömten deutlich mehr Menschen ins Land.
Nach dem damals geltenden Recht führte der Weg zum deutschen Pass im Regelfall über acht Jahre Aufenthalt. Ein bestandener Integrationskurs verkürzte die Frist auf sieben Jahre, besondere Integrationsleistungen auf sechs. Die Rechnung ist einfach: Aus der Migrationswelle der Jahre 2014 bis 2016 wurde ab 2021 eine Einbürgerungswelle. Die deutsche Politik gewährte nicht nur Schutz, Sozialleistungen und Aufenthalt – sie bereitete zugleich den Weg in die Staatsbürgerschaft.
Neuer Einbürgerungsrekord 2025 – eine drittel Million Menschen, vorwiegend aus muslimischen Ländern, bekamen den begehrten deutschen Pass pic.twitter.com/zW2FzRlkgO
— TheRealTom™ – Trusted Flagger (@tomdabassman) August 24, 2026
Vom Asylforderer zum deutschen Staatsbürger
Bei den Syrern lässt sich dieser Prozess Jahr für Jahr verfolgen. Im Jahr 2020 wurden lediglich 6.700 von ihnen eingebürgert, 2021 waren es bereits 19.100 und 2022 dann 48.300. Die 2022 eingebürgerten Syrer lebten im Durchschnitt erst 6,4 Jahre in Deutschland. Selbst das Statistische Bundesamt führte den sprunghaften Anstieg ausdrücklich auf die syrische Zuwanderung zwischen 2014 und 2016 zurück. Das Märchen vom vorübergehenden Schutz zerbricht an diesen Zahlen: Aus Asylforderern wurden innerhalb weniger Jahre deutsche Staatsbürger.
Im Jahr 2023 erhielten bereits rund 75.500 Syrer den deutschen Pass. Sie stellten damit mehr als ein Drittel sämtlicher Eingebürgerten, ihre durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug 6,8 Jahre. Wieder verwies Destatis auf die Massenzuwanderung zwischen 2014 und 2016. Berlin musste diesen Zusammenhang also nicht erst mühsam entdecken. Er war statistisch absehbar und politisch gewollt: Die Schutzgewährung mündete über Aufenthaltsrecht und Einbürgerung in eine dauerhafte Veränderung des Staatsvolkes.
Die Seite schreibt dazu:
— Anabel Schunke (@ainyrockstar) June 7, 2026
„Ein als „AK 47 Kamal" bekannter Social-Media-Nutzer hat die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten und präsentiert in Videos stolz seinen neuen Pass. Der Mann war zuvor illegal eingereist und ist für Inhalte bekannt, in denen er seine Vorliebe für… pic.twitter.com/4tJSJCGWSg
Im Jahr 2024 erreichte die syrische Passwelle mit 83.185 Einbürgerungen ihren bisherigen Höhepunkt. 2025 sank die Zahl auf vorläufig 65.574, doch Syrer blieben mit großem Abstand die stärkste einzelne Herkunftsgruppe. Seit 2021 erhielten damit rund 292.000 syrische Staatsangehörige den deutschen Pass. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der 2025 eingebürgerten Syrer lag bei 7,9 Jahren. Destatis hält selbst fest, dass sie die Einbürgerung häufig beantragen, sobald sie die formellen Voraussetzungen erfüllen. Vom Grenzübertritt zum deutschen Pass führte der Weg damit oft in weniger als acht Jahren.
Auch die übrigen Herkunftsstaaten zeigen, welche Bevölkerungsgruppen Deutschland derzeit einbürgert. Im Jahr 2024 erhielten 83.185 Syrer, 22.525 Türken, 13.545 Iraker, 10.095 Afghanen, 8.245 Iraner, 7.480 Kosovaren, 5.000 Pakistaner und 3.670 Ägypter die deutsche Staatsbürgerschaft. Allein diese acht moslemischen Mehrheitsstaaten kamen auf 153.745 Einbürgerungen – mehr als die Hälfte des gesamten Jahres. Marokko, Algerien, Tunesien, Somalia, der Libanon und weitere mehrheitlich moslemische Länder sind darin noch nicht einmal enthalten.
Im Jahr 2025 setzte sich diese Entwicklung fort. 65.574 Syrer, 34.092 Türken, 13.750 Iraker, 10.861 Afghanen, 10.093 Iraner, 9.695 Kosovaren und 4.840 Ägypter wurden eingebürgert. Diese sieben Herkunftsstaaten stehen bereits für 148.905 neue deutsche Staatsbürger. Gleichzeitig stiegen die türkischen Einbürgerungen binnen eines Jahres um mehr als die Hälfte. Die von der Ampel erleichterte Beibehaltung der bisherigen Staatsangehörigkeit beseitigte für viele Türken das letzte größere Hindernis: Sie mussten sich nicht mehr zwischen dem deutschen und dem türkischen Pass entscheiden.
Die Ampel drückte aufs Tempo
Die Einbürgerungswelle begann schon vor der Überarbeitung der Gesetze von SPD, Grünen und FDP. Die Ampel sorgte jedoch dafür, dass nachfolgende Migrationsjahrgänge noch schneller zum deutschen Pass gelangen. Seit dem 27. Juni 2024 reichten im Regelfall fünf statt acht Jahre Aufenthalt. Bei angeblich besonderen Integrationsleistungen waren sogar drei Jahre möglich. Gleichzeitig wurde die Mehrstaatigkeit grundsätzlich zugelassen. Der deutsche Pass wurde damit früher verteilt, während die alte Staatsangehörigkeit behalten werden konnte. Aus der Staatsbürgerschaft als Abschluss eines langen Integrationsprozesses machte die Ampel ein Instrument ihrer Einwanderungspolitik.
Die schwarz-rote Bundesregierung schaffte die dreijährige „Turboeinbürgerung“ zum 30. Oktober 2025 wieder ab. Viel geändert hat sie damit nicht. Weniger als ein Prozent der Einbürgerungen des Jahres 2025 liefen über diese Sonderregel. Die entscheidende Verkürzung von acht auf fünf Jahre blieb unangetastet, ebenso die generelle Zulassung mehrfacher Staatsangehörigkeiten. Die Union entfernte das auffälligste Preisschild aus dem Schaufenster – das Angebot selbst blieb bestehen. Eine neue Migrationswelle kann sich deshalb heute drei Jahre früher in der Einbürgerungsstatistik niederschlagen als unter dem Recht des Jahres 2015.
Ein Ende der Passwelle ist nicht absehbar. Im Jahr 2025 gingen 467.400 neue Einbürgerungsanträge ein, darunter 69.700 von Syrern, 53.300 von Türken und 24.100 von Russen. Die Behörden erledigten 371.100 Verfahren. Rund 90 Prozent endeten mit der Einbürgerung, lediglich etwa drei Prozent mit einer Ablehnung. Weitere Hunderttausende warten damit bereits in den Amtsstuben auf ihre Urkunde. Die Migrationspolitik verändert längst nicht mehr nur die Zahl der Ausländer in Deutschland. Sie verändert dauerhaft, wer Deutscher ist und wer als volljähriger Staatsbürger über die politische Zukunft des Landes abstimmt.
Die Migrationskrise von 2015 wird heute eingebürgert. Damals kamen Hunderttausende über die Grenzen, inzwischen besitzen große Teile dieser Zuwanderergeneration den deutschen Pass. Allein 292.000 Syrer wurden seit 2021 zu Staatsbürgern, während die nächsten Hunderttausend Anträge bereits gestellt sind. SPD, Grüne und FDP haben den Prozess beschleunigt, CDU und CSU ließen dessen wichtigste Grundlage bestehen. Die Folgen der Massenmigration verschwinden dadurch nicht. Sie werden nur umetikettiert: Aus Ausländern werden Deutsche, aus vorübergehendem Schutz wird ein dauerhafter Platz im Staatsvolk – und aus der Migrationskrise wird eine Einbürgerungskrise.
