Deutschland hat mit der Energiewende an allen Fronten verloren. Der Strom ist rar und teuer, aber dafür reich an CO₂. Österreich will die gleichen Fehler mit 65 Milliarden Euro pro Jahr bis 2040 wiederholen. Eigentlich wären alle Fakten öffentlich. Die Politik will sie nicht sehen.
Von Chris Veber
Der deutsche Strompreis lag für einen Haushalt mit 3500 Kilowattstunden im Jahr 2000 bei rund 14 bis 15 Cent je Kilowattstunde. 2023 lag der Durchschnitt bei 47,01 Cent, 2025 bei 39,28 Cent, Anfang 2026 bei knapp 37 Cent. Parallel dazu brach die Bruttostromerzeugung vom Hoch im Jahr 2019 mit 610 Terawattstunden auf 511 TWh 2023, 503 im Jahr 2024 und 509 TWh im Jahr 2025 ein.
Seit 2023 ist die Bundesrepublik zusätzlich noch Strom-Nettoimporteur. Deutschland importiert französischen Atomstrom und polnischen Kohlestrom. Der CO₂-Ausstoß des produzierten deutschen Stroms lag 2025 laut Umweltbundesamt bei 344 Gramm je Kilowattstunde. Nur Polen stößt mit 589 Gramm noch mehr aus. Frankreich hingegen liegt bei 41 Gramm, Norwegen bei 28 Gramm.
Das ist das Ergebnis nach dem flächendeckenden Wind- und Solarausbau, der die deutsche Wirtschaft ruiniert und die Steuerzahler ausgeblutet hat. Mehr installierte Leistung, aber weniger gesicherte Leistung. Es wird weniger Strom produziert, der dafür teurer ist und den zweithöchsten CO₂-Ausstoß der EU hat.
Die genauen Gesamtkosten der Energiewende sind ebenso teuer wie in der Gesamtsumme unbekannt. 2016 schätzte das Düsseldorfer DICE-Institut die Kosten der Stromwende von 2000 bis 2025 auf mindestens 520 Milliarden Euro, vor allem für den Bau von Flatterstromkraftwerken plus der dafür erforderlichen Netze und Redispatchmaßnahmen. Ernst & Young kam auf Kosten von 1.214 Milliarden Euro. Ifo-Präsident Clemens Fuest sagte dazu der Bild, ein großer Teil der Kosten ersetze wegen der Klimapolitik stillzulegende Kapazitäten und sei „volkswirtschaftlich eine ziemliche Belastung“.
Sogar 4.8 bis 5.4 Billionen Euro Gesamtkosten?
Auf noch höhere Kosten kommt die DIHK-Studie von Frontier Economics. Sie schätzt die Gesamtkosten von 2025 bis 2049 auf unvorstellbare 4,8 bis 5,4 Billionen Euro, davon 2,0 bis 2,3 Billionen allein für notwendige Energieimporte, dazu Netzausbau und neue Flatterstromanlagen. Der ehemalige Hamburger Umweltsenator und Energiemanager Fritz Vahrenholt liefert folgenden Befund: Grundlastfähiger Strom wird durch wetterabhängigen Flatterstrom ersetzt, die Stromerzeugung sinkt, die Kosten steigen.
Und das selbst im Sinne der Klimajünger völlig sinnlos. Denn der Wirtschaftswissenschaftler Hans-Werner Sinn hat schon 2012 vorgerechnet, weil jede in Deutschland eingesparte Tonne CO₂ entsprechende Emissionsrechte freisetzt, die andernorts genutzt werden können. Dadurch wird der CO₂-Ausstoß im europäischen Gesamtsystem lediglich verlagert statt zusätzlich gesenkt. Der ganze Zauber ist also auch für bekennende Klimakultisten völlig sinnlos. Es geht nur um Symbolpolitik und einen CO₂-Ablasshandel. Und natürlich um das Eintreiben von Steuern, die dann verteilt werden können. Die Klimamafia will gefüttert werden.
Wien hat aus dem deutschen Desaster die Lehre gezogen, das Tempo zu erhöhen. War ja klar, angesichts des handelnden Personals. Das Regierungsziel ist jetzt die Klimaneutralität 2040. Das Umweltbundesamt hat dazu die Kosten ausgerechnet. Die Behörde selbst nennt für 2024 bis 2040 durchschnittliche jährliche Gesamtinvestitionen von 46,8 bis 64,5 Milliarden Euro.
Das Geld soll unter anderem für Wärmepumpen, Elektroautos, Wasserstoffkraftwerke, Batterien und CO₂-Speicher ausgegeben werden. Und natürlich noch viel mehr Flatterstromkraftwerke, die alle zusammen keine gesicherte Grundlast bringen können. Dass es weder Anbieter für Wasserstoff in den benötigten Mengen gibt, noch die Herstellung der Batterien in dieser Größenordnung möglich oder finanzierbar wäre, tut den Plänen keinen Abbruch. Keine dieser Ausgaben wird das Angebot an gesichertem Strom in Österreich erhöhen, den Strompreis senken oder Österreich konkurrenzfähiger machen.
Der gesamte Endenergieverbrauch Österreichs lag 2025 übrigens bei 1054 Petajoule. Strom deckt davon nur etwa ein Viertel. Der Erneuerbaren-Anteil am Bruttoendenergieverbrauch lag bei 44,2 Prozent, die Importabhängigkeit bei 55 Prozent. Die restlichen zwei Drittel des Gesamtenergieverbrauchs mit Wasserkraft zu ersetzen, wird angesichts der Berglosigkeit Wiens schwierig werden. Sonne und Wind können keine gesicherte Leistung liefern. Abgesehen davon sind Öl und Gas nicht nur Energielieferanten, sondern unverzichtbare Rohstoffe für Produktionsprozesse.
Auch die Produktionsemissionen verschwinden nicht von selbst. Zement ohne CO₂-Ausstoß gibt es nicht. Eine Landwirtschaft ohne CO₂ ist undenkbar. Laut Regierung sollen diese CO₂-Mengen in (nicht vorhandenen) Senken verschwinden oder über Kompensation (Ablasszahlungen) neutralisiert werden. Das ist die Buchhaltungsvariante der Klimaneutralität. Der Amtsschimmel schreibt ein Ziel vor, der Amtsschimmel kassiert, der Amtsschimmel schreibt was in Akten und ist glücklich. Vor allem, wenn er grün ist und seine Freunde mit Milliarden an Steuergeldern überschütten kann.
Was Österreich braucht, ist ein Ausbau der gesicherten Kraftwerksleistung, die den Strom billiger macht. Ein Heben der eigenen Energievorräte. Nehmen wir uns Amerika und China zum Vorbild. Dort wird aus allem Strom gemacht, dort werden alle Energieformen und ‑träger genutzt. Dort wird CO₂ nicht als Klimaschädling gesehen. Wenn die Regierung und die EU-Kommission weiter auf ihrem Sonderweg beharren, wird Europa wirtschaftlich vernichtet. Dem Klima wäre das übrigens absolut egal.
