Bei der Deutschen Bahn kann man zukünftig nicht einmal mehr Pommes im Bordbistro bestellen. Nicht, weil die Nachfrage zurückgegangen wäre – sondern wegen einer neuen EU-Regelung. Selbst mit Speiseeis und Eiswürfeln ist daher bald Schluss.
Normalerweise passt die Deutsche Bahn die Speisekarten in ihren Bordbistros an die Nachfrage oder saisonale Gegebenheiten an. So wurde etwa jüngst die vegane Currywurst aus dem Sortiment genommen, weil die Nachfrage rückläufig gewesen sei.
Die Nachfrage nach der normalen Currywurst ist dafür enorm. Im Jahr werden in den Bordbistros rund 600.000 Portionen Currywurst mit Pommes oder Brötchen verkauft. Damit ist jetzt aber Schluss, denn die Fritten fliegen aus dem Sortiment.
Schuld ist die EU-F-Gase-Verordnung. Diese schränkt den Gebrauch bestimmter Kältemittel ein – wegen Treibhausgasen und Klima, Sie wissen schon. Für die Bahn bedeutet das, dass viele bislang verwendete Kältemittel an Bord der Züge nicht mehr oder nur eingeschränkt eingesetzt werden können. Heißt: Die Tiefkühlung im Bordbistro wird abgeschafft. Da die Fritten tiefgekühlt gelagert werden, kann man sie jetzt nicht mehr anbieten.
Man habe verschiedene Handlungsoptionen geprüft und sich dann bewusst gegen einen technisch aufwendigen sowie zeit- und kostenintensiven Umbau entschieden, zitiert die FAZ eine Bahnsprecherin. Die bestehenden Tiefkühlgeräte sollen zum Jahresende „in großen Teilen durch Normalkühlungsgeräte ersetzt werden“. Das verkauft man als Gewinn: Damit würden nämlich weitere Kapazitäten zur Kühlung besonders nachgefragter Getränke entstehen. Ein Sprecher bewarb den Schritt gegenüber dem Münchner Merkur: Durch Wegfall der Tiefkühlung solle „die Bordgastronomie zuverlässiger und weniger komplex“ gestaltet werden. „Mit einer neuen Speisekarte führen wir häufig neue Produkte ein, um unseren Gästen Abwechslung zu bieten und etwas Neues auszuprobieren“, betonte man weiter.
Der „Merkur“ berichtet, dass erst ein Servicemitarbeiter den wahren Grund offenlegte: Dass die EU-Verordnung einen Umbau erzwungen hätte, der schlichtweg zu teuer war, hatte im offiziellen PR-Sprech bezeichnenderweise keinen Platz.
Die Pommes verschwinden als erstes Produkt aus dem Sortiment, folgen sollen Eiscreme und irgendwann auch Eiswürfel. Zur Verfügung stehen dann zum Jahresende nur noch Produkte, die im Kühlschrank gekühlt werden können. So gibt es die beliebte Currywurst dann nur noch mit Wedges.
Der Merkur hat die Kartoffelecken gesichtet und beschreibt sie als „labbrig“. Die Pommes seien leichter zuzubereiten gewesen und knuspriger: „Jetzt hat sich der Aufwand verdreifacht, die Ecken bleiben lätschig.“ Na dann: Guten Appetit. Brauchen wir wirklich eine EU, die durch planwirtschaftliche Maßnahmen mit fragwürdiger Wirksamkeit Unternehmen solche Steine in den Weg legt?
