„Billigster Strom“ hängt am Tropf: Solarlobby fordert Milliardenunterstützung

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Solarstrom soll inzwischen so günstig sein, dass Kohle, Gas und Kernkraft wirtschaftlich kaum noch mithalten können. Kaum laufen jedoch die staatlichen Steuergutschriften aus, warnen Lobbyverbände vor gestrichenen Investitionen, verlorenen Arbeitsplätzen und dem Niedergang der Branche. Das US-Kongressbudgetamt veranschlagte die Wind- und Solarförderung zuletzt auf 308 Milliarden Dollar innerhalb von zehn Jahren – ziemlich viel Starthilfe für eine angeblich längst konkurrenzfähige Technik.

Donald Trumps „One Big Beautiful Bill Act“ setzte der unter Joe Biden nochmals ausgeweiteten Dauerförderung von Wind- und Solarprojekten erstmals eine klare Frist. Anlagen, deren Bau spätestens am 4. Juli 2026 begonnen wurde, können weiterhin von den bisherigen Regeln profitieren. Später gestartete Projekte müssen bis Ende 2027 in Betrieb gehen, um noch an die Steuergelder zu kommen. Unter Bidens „Inflation Reduction Act“ wären die Förderungen bis mindestens 2032 weitergelaufen und erst danach schrittweise ausgelaufen. Trump drehte also den Geldhahn nicht sofort zu. Er kündigte lediglich an, ihn schrittweise tatsächlich zuzudrehen.

Wie großzügig Washington bisher war, zeigt der sogenannte Clean Electricity Investment Credit. Der Staat übernimmt regulär bis zu 30 Prozent der Investitionskosten eines Projekts. Werden zusätzliche Vorgaben für heimische Bauteile oder bestimmte Standorte erfüllt, können daraus 40 oder sogar 50 Prozent werden. Alternativ steht der Produktionsbonus zur Verfügung, der 2025 bei bis zu drei Cent je erzeugter Kilowattstunde lag und über mehrere Jahre kassiert werden kann. Die Betreiber dürfen zwischen beiden Modellen wählen, lediglich doppelt zugreifen dürfen sie nicht. Das Congressional Budget Office bezifferte die Belastung durch die Investitions- und Produktionsgutschriften für Wind und Solar von 2026 bis 2035 auf 308 Milliarden Dollar. Allein 2025 sollten dafür bereits 28 Milliarden Dollar an Steuereinnahmen ausfallen.

Ohne Steuergeld droht plötzlich der Absturz

Prompt arbeiten Demokraten und Teile der Republikaner daran, Trumps Fristen wieder abzuräumen. 122 demokratische Abgeordnete brachten im März den „Energy Bills Relief Act“ ein, der gestrichene Förderprogramme und Steuergutschriften wiederbeleben sowie neue Zuschüsse verteilen soll. Im April folgte der Republikaner Brian Fitzpatrick mit dem „American Energy Dominance Act“, unterstützt unter anderem von Max Miller, Mike Carey und Mike Lawler. Das gemeinsam mit den nordamerikanischen Baugewerkschaften ausgearbeitete Gesetz soll die verkürzten Fristen für diverse Steuergutschriften wieder streichen. Demokraten, Solarunternehmer, Lobbyisten, Gewerkschaften und einige Republikaner haben offenbar dasselbe Problem: Ohne Washingtons Scheckbuch wird die angeblich günstigste Stromquelle plötzlich zum gefährdeten Investitionsmodell.

Wie widersinnig dieses Theater inzwischen wirkt, beschrieb ausgerechnet Drew Bond, Mitgründer der konservativen Organisation C3 Solutions und Chef des Solarunternehmens PowerField Energy. Die Solarbranche habe kein Subventionsproblem, schrieb er im April, sondern ein „Vertrauensproblem“. Nach jahrzehntelanger staatlicher Unterstützung sei der 4. Juli kein Begräbnis, sondern der Abschluss einer Ausbildung. Bond verwies auf 262 Gigawatt installierte Solarleistung in den Vereinigten Staaten und jährliche Wachstumsraten von durchschnittlich 28 Prozent. Seine Aufforderung lautet: Wenn Solar tatsächlich so günstig ist, soll die Branche ihre Anlagen bauen, ihren Strom verkaufen und Investoren überzeugen. Doch genau vor diesem Markttest versucht die übrige Lobby gerade davonzulaufen.

Vier Cent sind noch kein Stromsystem

Als Beleg für die behauptete Konkurrenzfähigkeit dient meist dieselbe Zahl. Nach Angaben der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien IRENA sanken die durchschnittlichen Stromgestehungskosten großer Solaranlagen zwischen 2010 und 2024 um 90 Prozent – von 41,7 auf 4,3 Cent je Kilowattstunde. Das mag auf den ersten Blick beeindruckend klingen und liegt unter anderem an den Preisrückgängen bei Modulen, Wechselrichtern, Bau und Finanzierung. Der sogenannte LCOE-Wert berechnet allerdings die Kosten einer einzelnen Anlage über ihre angenommene Lebensdauer. Er baut weder ein stabiles Netz noch liefert er automatisch Strom an einem bewölkten Winterabend. Leitungen, Speicher, Regelenergie, Reservekraftwerke und die Bereitstellung gesicherter Leistung landen in anderen Rechnungen. Aus einem günstigen Erzeuger wird dadurch noch lange kein günstiges Versorgungssystem.

Mit dem wachsendem Ausbau verliert jede zusätzliche Solarproduktion zudem ausgerechnet dann an Wert, wenn alle Anlagen gleichzeitig Strom liefern. Der kalifornische Netzbetreiber CAISO musste 2024 bereits 3,4 Terawattstunden Wind- und Solarstrom abregeln – 29 Prozent mehr als im Vorjahr. 93 Prozent der verworfenen Energie stammten aus Solaranlagen. Besonders häufig geschah dies im Frühjahr, wenn viel Sonne auf einen vergleichsweise niedrigen Verbrauch traf. Der in den Vereinigten Staaten verteilte Produktionsbonus verschärft solche Marktverzerrungen: Wer für jede verkaufte Kilowattstunde eine Steuergutschrift erhält, kann seinen Strom zeitweise unter dem eigentlichen Marktwert oder sogar zu negativen Preisen anbieten und trotzdem verdienen. Der Stromkunde sieht den negativen Börsenpreis. Der Steuerzahler bezahlt die Differenz.

Wenn es ernst wird, laufen die Gaskraftwerke

Wie wenig die von Medien und Solarlobbyisten ständig hervorgehobenen Durchschnittswerte mit dem Bedarf großer Stromverbraucher zu tun haben, zeigt der Boom der Rechenzentren. Amazon plant im texanischen Pecos County einen riesigen KI-Standort mit einem eigenen Gaskraftwerk. 35 Turbinen sollen bis zu 7,65 Gigawatt liefern – mehr Leistung als jedes andere derzeit betriebene Gaskraftwerk der Vereinigten Staaten. Amazon begründet die Lösung damit, dass das Projekt nicht jahrelang auf einen Netzanschluss warten kann und die Stromrechnungen texanischer Haushalte nicht belasten soll. Solarflächen und Batterien mögen später hinzukommen. Die rund um die Uhr verfügbare Leistung kommt vorerst aus Gas.

Die US-Energiebehörde EIA erwartet bereits für den Sommer 2027 einen neuen Rekord beim Gasverbrauch der Kraftwerke. In Texas soll die Stromerzeugung aus Erdgas zwischen den Sommern 2025 und 2027 um 22 Prozent steigen. Gleichzeitig werden 2026 voraussichtlich weitere 43,4 Gigawatt Großsolar installiert, begleitet von 24 Gigawatt Batteriespeichern. Solaranlagen können tagsüber Brennstoff sparen und Verbrauchsspitzen abfedern. Doch Unternehmen, die Milliarden in Rechenzentren investieren und jede Sekunde Strom benötigen, bestellen keine Wetterprognose. Sie bauen Gaskraftwerke.

Wer behauptet, Solarstrom sei die günstigste Energiequelle der Geschichte, kann schwerlich gleichzeitig verlangen, dass der Staat bis zur Hälfte der Baukosten übernimmt, jede erzeugte Kilowattstunde belohnt und bei drohendem Förderende sofort neue Rettungsgesetze beschließt. Report24 berichtete bereits über die große Kostenlüge in Sachen Stromerzeugung in den Vereinigten Staaten. Am Markt entscheidet sich jetzt, was von den berühmten 4,3 Cent übrig bleibt. Die Solarlobby scheint das Ergebnis bereits zu kennen.

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