Unser CO2 war’s nicht: Schmelze des „Weltuntergangsgletschers“ geht auf 1940er Jahre zurück

(C) Report24/KI

Der Thwaites-Gletscher in der Westantarktis verliert selbst dann noch 150 Jahre lang Eis, wenn man die Schmelze durch das Meerwasser unter seinem Schelfeis vollständig ausschaltet. Das zeigen drei unabhängige Computermodelle. Verantwortlich dafür sind unter anderem Klimaveränderungen aus den 1940er-Jahren, deren Folgen bis heute nachwirken. Eine zweite Studie unterstreicht zudem die enorme Bedeutung von Windverhältnissen und Meeresströmungen.

Der Thwaites-Gletscher muss seit Jahren als „Doomsday Glacier“, also als „Weltuntergangsgletscher“, herhalten. Im Februar titelte Euronews sogar, ob eine 150 Meter hohe Mauer verhindern könne, dass dieser antarktische Gletscher die Erde überflutet. Tatsächlich arbeiten Wissenschaftler und Ingenieure an einem Konzept für eine rund 80 Kilometer lange Unterwasserbarriere, die warmes Meerwasser fernhalten soll. Bisher befindet sich das Projekt in der Forschungs- und Entwicklungsphase. Der vollständige Eisverlust von Thwaites könnte den Meeresspiegel um rund 65 Zentimeter steigen lassen, so Schätzungen. Wann und über welche Zeiträume dies eintreten könnte, ist damit freilich noch lange nicht geklärt.

Unaufhaltsame Schmelze

Eine neue Untersuchung des British Antarctic Survey zeigt nun, dass die Geschichte des Gletschers wesentlich weiter zurückreicht als die gegenwärtige Erwärmungsdebatte. Die Glaziologin Rosie Williams und ihre Kollegen wollten wissen, welchen Einfluss frühere Klimaveränderungen auf den heutigen Eisverlust haben. Dafür setzten sie in drei unabhängigen Eisschildmodellen die Schmelze an der Unterseite der schwimmenden Schelfeise auf null. Ein theoretischer Extremfall, der in der Realität nicht vorkommen kann. Beim benachbarten Pine-Island-Gletscher änderte sich die Entwicklung innerhalb weniger Jahre. Er gewann wieder an Eismasse und begann, sich in Richtung seiner früheren Ausdehnung vorzuschieben. Thwaites reagierte völlig anders. In allen drei Modellen verlor er über die gesamten 150 Jahre weiter Eis. Der Massenverlust ging zwar allmählich zurück, hörte jedoch während des untersuchten Zeitraums nicht auf.

Die am 25. Juli 2026 in Geophysical Research Letters veröffentlichte Studie trägt den Titel „Mass Loss From Thwaites Glacier Continues Even Without Ocean Melting“. Die Wissenschaftler führen den anhaltenden Rückgang zumindest teilweise auf eine frühere Störung zurück. Bereits in den 1940er- und 1950er-Jahren hatten Thwaites und Pine Island wichtige Verankerungen am Meeresboden verloren. Dadurch konnten größere Eismassen ungehindert in Richtung Meer abfließen. Bei Pine Island lässt sich dieser frühere Zustand in den Modellen durch das Abschalten der Ozeanschmelze wieder annähern. Thwaites hat sich hingegen so weit verändert, dass er selbst unter diesen extremen Bedingungen über anderthalb Jahrhunderte weiter Eis verliert. Seine frühere Ausdehnung erreicht er dabei nicht mehr. Der einmal angestoßene Gletscherrückzug kann sich demnach über Generationen hinweg fortsetzen, auch wenn der ursprüngliche Antrieb verschwindet.

Historische Störung statt Klimawandel

In der medialen Klimaberichterstattung geht dieser zeitliche Zusammenhang gerne unter. Euronews führt das Schmelzen von Thwaites beispielsweise ausdrücklich auf den menschengemachten Klimawandel zurück. Die britischen Forscher zeigen dagegen, dass zumindest ein wesentlicher Teil des heutigen Eisverlusts von einer historischen Störung herrührt. Wie groß die einzelnen Anteile tatsächlich sind, lässt sich aus ihrer Untersuchung nicht beziffern. Für die großen Katastrophenschlagzeilen scheint diese Unterscheidung allerdings wenig interessant zu sein. Auch die Meeresströmungen vor der Westantarktis haben ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten. Wissenschaftler um Brendon Damini untersuchten, weshalb sich das zirkumpolare Tiefenwasser zwischen den 1990er- und den 2010er-Jahren regional erwärmte. Im westlichen Amundsenmeer registrierten sie einen durchschnittlichen Temperaturanstieg um rund 0,10 Grad Celsius. Andernorts kühlten sich Wassermassen hingegen ab.

Die im Journal of Geophysical Research: Oceans veröffentlichte Untersuchung führt rund 90 Prozent der analysierten Erwärmung des Tiefenwassers außerhalb des Kontinentalschelfs auf verstärkte seitliche Wärmetransporte zurück. Veränderte Westwinde, ein stärkerer Rosswirbel und der Austausch von Wassermassen im Antarktischen Zirkumpolarstrom beeinflussten die Wärmeverteilung erheblich. Die Verschiebung einer wichtigen Strömungsgrenze nach Süden machte dagegen lediglich rund zehn Prozent aus. Damit wird verständlicher, weshalb die Wassertemperaturen vor der Antarktis regional so unterschiedlich ausfallen. Die Winde treiben riesige Meeresströmungen an, und deren Verlauf entscheidet mit darüber, welche Wassermassen zu den Gletschern gelangen. Auch die Beschaffenheit des Meeresbodens spielt eine Rolle.

Auch hier haben wir wieder einmal multiple Faktoren, die eine Rolle spielen. Und trotzdem üben sich Mainstreammedien und Politiker in der üblichen Klimawahn-Propaganda. Die eigenen Narrative sind diesen Leuten offensichtlich wichtiger als die Realität. Wissenschaftliche Erkenntnisse spielen nämlich weniger eine Rolle als die Möglichkeit, eine natürliche Entwicklung für den Daueralarmismus in Sachen Klimawandel ausnutzen zu können.

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