Geldnot bei Englischer Kirche: Millionen für Netto-Null und Sklavenfonds – aber Gottesdienste im Kalten

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37 von 42 Diözesen der anglikanischen Kirche in England schreiben rote Zahlen. Gleichzeitig wuchs der kirchliche Verwaltungsapparat innerhalb von 20 Jahren um rund 80 Prozent. Für die grüne Agenda und einen Fonds zur Aufarbeitung der Sklaverei-Vergangenheit stellt die Kirchenführung insgesamt 290 Millionen Pfund in Aussicht. Zwei Wissenschaftler warnen nun vor einem finanziellen Desaster und fordern einen radikalen Sparkurs.

Von rund 1.300 auf mehr als 2.300 Mitarbeiter wuchs die Verwaltung der englischen Diözesen zwischen 2005 und 2025. Währenddessen sank die Zahl der bezahlten Pfarrgeistlichen deutlich. Immer mehr Kirchenbürokraten kümmern sich um eine schrumpfende Zahl von Geistlichen und Gemeinden. Der Theologe Robin Gill und der Wirtschaftswissenschaftler John Craven rechnen in ihrer Untersuchung „Wasted Money in a Diminishing Church“ mit dieser Entwicklung ab. Beide kennen den kirchlichen Machtapparat: Gill beriet zwei Erzbischöfe von Canterbury, Craven gehörte von 2006 bis 2013 dem Archbishops‘ Council an.

Die finanzielle Schieflage hat sich in den vergangenen Jahren erheblich verschärft. 2019 verzeichneten erst 18 Diözesen Defizite, mittlerweile sind es mehr als doppelt so viele. Trotzdem wächst die kirchliche Verwaltung weiter. Neben den klassischen Verwaltungsstellen gibt es inzwischen auch Klimabeauftragte und Verantwortliche für sogenannte Rassengerechtigkeit. Dazu kommen Mitarbeiter für den Schutz von Kindern und anderen gefährdeten Menschen. Letztere erfüllen angesichts der Missbrauchsskandale der Kirche eine notwendige Aufgabe. Doch die übrigen Verwaltungsstrukturen haben Dimensionen erreicht, die Gill und Craven für untragbar halten. In manchen Diözesen stehen mittlerweile ebenso viele Verwaltungsmitarbeiter wie Geistliche auf der Gehaltsliste.

Teurer Klimawahn

Für den Klimawahn findet sich unterdessen reichlich Geld. 190 Millionen Pfund hat die Kirchenleitung über mehrere Finanzierungsperioden für ihr Net-Zero-Programm vorgesehen. Bereits 2020 beschloss die Generalsynode, dass die Church of England bis 2030 „klimaneutral“ werden soll. Dafür sollen Kirchen, Pfarrhäuser und andere kirchliche Gebäude energetisch umgerüstet werden. Die Finanzierung des Programms will man sogar bis 2034 fortsetzen. Für eine Organisation, deren Gemeinden zunehmend unter finanziellem Druck stehen, ist das ein ziemlich kostspieliges politisches Prestigeprojekt.

Die grüne Regulierungswut bekommen die Gemeinden unmittelbar zu spüren. Seit 2022 erfordert selbst der Austausch einer alten Öl- oder Gasheizung durch eine gleichartige Anlage ein vollständiges kirchliches Genehmigungsverfahren. Elektrische Heizsysteme und Wärmepumpen werden hingegen bevorzugt. Dabei bereitet die Umrüstung der zahlreichen historischen Kirchengebäude erhebliche technische und finanzielle Schwierigkeiten. Der frühere anglikanische Pfarrer Julian Mann schildert, wie die Vorschriften notwendige Reparaturen verzögern und Gottesdienstbesucher deshalb in kalten Kirchen sitzen. Als er einen kirchlichen Energieberater auf die begrenzten Mittel seiner damaligen Gemeinde hinwies, bekam er zu hören, dass die Kosten nicht das Hauptproblem seien. Solche Ratschläge erteilen sich aus einem gut beheizten Verwaltungsbüro eben leichter.

Schuld und Sühne

Auch für die moralische Aufarbeitung der Vergangenheit hat die Kirchenführung große Pläne. Unter dem Namen „Project Spire“ wollen die Church Commissioners 100 Millionen Pfund in einen Fonds stecken, der historische Verbindungen kirchlicher Institutionen zum transatlantischen Sklavenhandel aufarbeiten soll, während die Moslems und Afrikaner bis heute keinen Gedanken an deren eigene Sklavengeschäfte verschwenden. Das Geld ist unter anderem für Investitionen und Förderprojekte zugunsten von Gemeinschaften vorgesehen, die nach Ansicht der Verantwortlichen unter den langfristigen Folgen der Sklaverei leiden. Hintergrund sind frühere finanzielle Beteiligungen kirchlicher Einrichtungen an Unternehmen wie der South Sea Company. Die Kirchenführung will damit Verantwortung für Geschäfte übernehmen, die vor Jahrhunderten stattfanden und damals weltweit normal waren. Bezahlt werden soll aus dem heutigen Kirchenvermögen.

Die 100 Millionen Pfund stammen aus dem zentral verwalteten Stiftungsvermögen der Church Commissioners. Der Fonds soll vielmehr Kapital investieren und mit den Erträgen diverse Projekte finanzieren. Allerdings unterstützt eben dieses Kirchenvermögen auch die Pfarrarbeit. Die Kirchenführung muss deshalb die Frage beantworten, weshalb sie ausgerechnet jetzt einen zusätzlichen dreistelligen Millionenbetrag für ein gesellschaftspolitisches Programm reserviert, während die meisten Diözesen ihre Haushalte nicht mehr ausgleichen können. Die Church Commissioners verweisen auf ihre weiterhin umfangreichen Finanzierungszusagen für die kirchliche Arbeit. An der Prioritätenfrage ändert das wenig.

Es regt sich auch Widerstand

Gegen Project Spire regt sich inzwischen auch juristischer Widerstand. Der anglikanische Pfarrer Jamie Franklin und der Jurist Bijan Omrani haben bei der britischen Charity Commission die Erlaubnis beantragt, das Vorhaben vor dem High Court anzufechten. Sie bezweifeln, dass die Church Commissioners berechtigt sind, das ihnen anvertraute Vermögen für derartige Zwecke einzusetzen. Der Fonds hätte ursprünglich bereits 2024 starten sollen, steckt wegen der Auseinandersetzungen aber weiterhin in der Planungsphase. Was die Kirchenführung als moralische Wiedergutmachung verkaufen will, könnte somit noch zu einem kostspieligen Rechtsstreit werden.

Die Kirchenleitung verweist auf geplante nationale Ausgaben von rund 1,6 Milliarden Pfund für die Jahre 2026 bis 2028, darunter erhebliche Mittel zur Unterstützung der Gemeinden. Auch bei den Gottesdienstbesuchern geht es nach den Einbrüchen während der Corona-Zeit wieder leicht aufwärts. Die Church of England zählte 2025 rund 1,02 Millionen regelmäßige Gottesdienstbesucher, 1,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Pro Woche nahmen im Durchschnitt allerdings nur rund 707.000 Menschen an Gottesdiensten teil. Beide Werte liegen weiterhin unter dem Vorkrisenniveau. An der finanziellen Misere vieler Diözesen ändert die leichte Erholung vorerst wenig

Gill und Craven verlangen deshalb einen radikalen Umbau. Statt 42 Diözesen sollen künftig etwa 30 ausreichen, die Zahl der Bischöfe und Verwaltungsmitarbeiter soll entsprechend sinken. Die nationalen Ausgaben für sogenannte strategische Investitionen wollen sie um mindestens drei Viertel zusammenstreichen. Außerdem fordern sie, den regionalen Dekanaten mehr Kontrolle über ihre Budgets einzuräumen und die verfügbaren Mittel stärker auf die Pfarrarbeit auszurichten. Für die gewachsene Kirchenbürokratie wäre das eine veritable Rosskur. Für die finanziell angeschlagenen Gemeinden könnte es eine dringend benötigte Entlastung bedeuten.

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