Die US-Arzneimittelbehörde FDA ließ Todesfälle nach Corona-Impfungen bei Minderjährigen untersuchen. Ihre Sicherheitsexperten bewerteten sieben Fälle als möglicherweise oder wahrscheinlich impfbedingt und empfahlen im Dezember 2025 einen ausdrücklichen Warnhinweis vor tödlichen Herzmuskelentzündungen. Mehr als zehn Monate später fehlt dieser noch immer. Selbst unter Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. blieb die geforderte Ergänzung der Produktinformationen bislang aus.
Eine interne E-Mail vom 5. Dezember 2025 bringt die US-Arzneimittelbehörde FDA in Erklärungsnot. Dr. Meghna Alimchandani von der FDA-Abteilung für Arzneimittelsicherheit empfahl dem damaligen Impfstoff-Chef Vinay Prasad, die Warnhinweise der mRNA-Covid-Genspritzen um das Risiko einer Myokarditis mit tödlichem Ausgang zu ergänzen. Ihr Team wollte die Ergebnisse am 11. Dezember einem zuständigen FDA-Gremium präsentieren. Doch bis heute findet sich die geforderte Formulierung weder in den aktuellen Pfizer- noch in den Moderna-Fachinformationen. Die entsprechende E-Mail veröffentlichte US-Senator Ron Johnson bereits im Juni dieses Jahres.
Fast hundert tote Minderjährige
Der Empfehlung ging eine Untersuchung von 96 gemeldeten Todesfällen bei Minderjährigen voraus, die zwischen 2021 und 2024 nach einer Covid-Genspritze verstorben waren. Die FDA-Prüfer kamen zunächst auf zehn Fälle, bei denen sie einen möglichen oder wahrscheinlichen Zusammenhang mit der Impfung sahen. Nach einer weiteren Überprüfung blieben sieben Fälle übrig: Zwei stuften die Experten als wahrscheinlich und fünf als möglicherweise impfbedingt ein. Bei fünf dieser sieben Todesfälle spielte eine Herzmuskelentzündung eine Rolle. Ein zweifelsfreier Kausalnachweis gelang in keinem Fall, andere Todesursachen ließen sich nicht durchgehend ausschließen. Für die zuständigen Sicherheitsexperten reichten die Befunde dennoch aus, um eine zusätzliche Warnung zu empfehlen.
Dabei war das Myokarditis-Risiko den amerikanischen Behörden schon wesentlich früher bekannt. Report24 berichtete erst im September darüber, wie Israel bereits Anfang 2021 auffällige Herzmuskelentzündungen bei jüngeren Pfizer-Geimpften an internationale Gesundheitsbehörden meldete. Auch die FDA und die CDC erhielten entsprechende Informationen. Trotzdem erweiterte die FDA im Mai 2021 die Notfallzulassung des Pfizer-Präparats auf 12- bis 15-Jährige. Der offizielle Warnhinweis folgte erst Ende Juni.
Eine bekannte Gefahr
Im Juni 2025 verschärfte die FDA unter der neuen Trump-Regierung die Sicherheitswarnungen für Pfizer und Moderna. Die Behörde verwies auf Auswertungen, wonach bei männlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen zwölf und 24 Jahren innerhalb einer Woche nach einer Dosis der 2023/24er mRNA-Impfstoffe rund 27 Fälle von Myokarditis oder Perikarditis je einer Million verabreichter Dosen registriert wurden. Auch länger anhaltende Auffälligkeiten bei Herz-MRT-Untersuchungen mussten die Hersteller aufnehmen. Bei Nachuntersuchungen rund fünf Monate nach der Impfung fanden sich bei einem Teil der untersuchten Patienten weiterhin Auffälligkeiten am Herzmuskel. Für die meisten Betroffenen bedeutet dies, dass sie ihr Leben lang mit gesundheitlichen Einschränkungen leben müssen.
Ein Blick in die aktuellen Produktinformationen verdeutlicht das Problem in Sachen Kennzeichnung. Pfizer räumt bei Comirnaty ein erhöhtes Risiko für Myokarditis und Perikarditis ein und berichtet, dass manche Betroffene intensivmedizinisch behandelt werden mussten. Zugleich heißt es dort, die Beschwerden würden üblicherweise innerhalb weniger Tage unter konservativer Behandlung abklingen. Eine ausdrückliche Warnung vor tödlichen Verläufen fehlt in der Fassung vom August 2026. Bei Modernas Spikevax sieht es ähnlich aus. Beide Hersteller führen die Herzmuskelentzündung als anerkannte Nebenwirkung auf, doch die im Dezember geforderte Ergänzung blieb aus.
Das Schweigen im Walde
US-Senator Ron Johnson wollte deshalb wissen, was innerhalb der FDA geschehen war. In seinem Schreiben vom 16. Juni 2026 an Gesundheitsminister Kennedy und weitere Behördenvertreter verlangte er Auskunft darüber, ob die für den 11. Dezember geplante Beratung überhaupt stattgefunden hatte. Falls die Empfehlung abgelehnt worden sei, sollte die FDA dafür eine Begründung liefern. Auch Unterlagen über die behördeninterne Kommunikation zu den mutmaßlich impfbedingten Todesfällen forderte Johnson an. Wer die Warnung schließlich aufhielt und aus welchen Gründen, geht aus den bislang veröffentlichten Dokumenten nicht hervor.
Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. hatte eine gründliche Aufarbeitung der Corona-Impfpolitik und mehr Transparenz bei der Impfstoffsicherheit versprochen. Seine FDA ließ die Myokarditis-Warnungen bereits verschärfen und weitere Untersuchungen zu möglichen Impfschäden durchführen. Umso erklärungsbedürftiger ist die ausbleibende Ergänzung über mögliche tödliche Verläufe. Schließlich stammt die Empfehlung aus der eigenen Sicherheitsabteilung. Investigativjournalist Paul D. Thacker griff den Vorgang nun erneut auf und berichtete über die internen Auseinandersetzungen um die Impfstoffsicherheit. Eine öffentlich nachvollziehbare Begründung, warum die FDA die Warnung bislang nicht übernommen hat, fehlt weiterhin.
Die FDA verlangt von den Impfstoffherstellern ausführliche Angaben über bekannte Risiken und Nebenwirkungen. Nun schuldet sie selbst eine Erklärung: Warum schafft es die ausdrückliche Warnung vor einer möglicherweise tödlichen Herzmuskelentzündung seit mehr als zehn Monaten nicht in die Produktinformationen, obwohl die eigenen Sicherheitsexperten genau das empfohlen haben?