Wegen „diskriminierender“ Äußerungen fing der Nachwuchstrainer von Union Berlin sich eine Sperre ein. Er legte seinen Posten nieder. Inzwischen wurde bekannt, wegen welchem Satz er anonym angeschwärzt und daraufhin sanktioniert wurde: „Ist das hier der afrikanische Tisch?“
Jens Härtel (57) musste seinen Posten als U19-Trainer bei Union Berlin räumen: Wegen „diskriminierender“ Äußerungen wurde er anonym mit einem sechsseitigen (!) Beschwerdeschreiben bei Union Berlin, DFB, Berliner Senat, Landessportbund und weiteren Stellen gemeldet.
Sein Vergehen? Offenbar lief eine Teambuilding-Maßnahme nicht so, wie Härtel es sich gewünscht hätte: Eigentlich hatten bei den Spielern in einem Sommertrainingslager neue Sitzgruppen gebildet werden sollen, doch zwei Kameruner und ein Guineer setzten sich trotzdem wieder zusammen an einen Tisch. Im Vorbeigehen soll Härtel daher gefragt haben: „Ist das hier der afrikanische Tisch?“
Die wertfreie Beschreibung „afrikanisch“ ist neuerdings diskriminierend? Das sorgt online für einige Verwunderung. Diskriminiert fühlte sich den Berichten nach auch niemand. Bei der Befragung zur internen Aufarbeitung meldeten sich weder Spieler noch Mitarbeiter, die ein Problem mit Härtels Aussagen hatten.
Der Ex-Trainer gab sich trotzdem geständig: „Ich habe Fehler gemacht und bin meiner Vorbildfunktion im Nachwuchsbereich nicht gerecht geworden, dafür habe ich meine Mannschaft sowie das Trainer- und Betreuerteam um Entschuldigung gebeten und möchte das hiermit auch beim gesamten Verein tun. Es war nie meine Absicht, jemanden verbal zu verletzen oder gar zu diskriminieren.“
Am 11. Oktober legte er sein Amt als U19-Trainier nieder, nachdem er vom DFB mit einem zwölfwöchigen Betätigungsverbot belegt worden war.
Drei böse Äußerungen
Der DFB sanktionierte Härtel für insgesamt drei verbale Grenzübertretungen. Der zweite Vorwurf: Nach einer 2:3-Pokalpleite gegen den Berliner AK soll Härtel, der in der Vergangenheit selbst Trainer bei diesem Verein gewesen war, diesen als „Ausländerverein“ bezeichnet haben. Schon zu seiner Trainerzeit sei der Verein mit seinen vielfältig zusammengesetzten Mannschaften gelegentlich so bezeichnet worden, gab Härtel in einem Statement an: Er habe das nicht als diskriminierend wahrgenommen.
Der dritte Vorwurf dreht sich um einen angeblichen „homophoben“ Kommentar nach einer misslungenen Aktion eines Spielers: Härtel soll „Schieß und spiel nicht wie ein Schwuler“ gesagt haben. „Nach Rücksprache mit dem Trainerteam fiel (…) die Äußerung ‚Spiel nicht so einen Schwuchtelball’“, heißt es in einer Stellungnahme. Der Spruch sei „unangemessen und fehlplatziert“ gewesen, habe sich aber nicht auf die sexuelle Identität eines Spielers bezogen. Härtel entschuldigte sich dennoch. An der Sanktion durch den DFB änderten die Entschuldigungen aber nichts.