Der Milliardenapparat der amerikanischen Entwicklungshilfeagentur USAID wurde weitgehend abgewickelt. Doch die Aufarbeitung der alten Geldgeschäfte geht weiter. Neue Ermittlungsberichte vom Oktober enthüllen Schmiergelder, manipulierte Rechnungen und mutmaßlichen Lohnbetrug bei staatlich geförderten Projekten. Die Trump-Regierung kündigt an, die Verantwortlichen auch über Landesgrenzen hinweg zur Rechenschaft zu ziehen.
Am 14. Oktober veröffentlichte die unabhängige USAID-Kontrollbehörde zwei weitere Ermittlungsberichte. Einer davon führt nach Pakistan, wo zwei Geschäftemacher ein amerikanisch finanziertes Stromnetzprojekt für ihre privaten Geschäfte missbrauchten. Dabei war einem Mitarbeiter der Buchhaltung schon früh etwas aufgefallen. Die Rechnungen für Kran- und Gabelstaplerdienste waren verdächtig hoch. Doch sein Vorgesetzter Stephen Paul Edmund Sutton ließ die Zahlungen trotzdem durchgehen. Schließlich verdiente er selbst kräftig daran mit.
Selbstbereicherung an US-Steuergeldern
Gemeinsam mit dem Pakistaner Atif Hussain Gillani hatte Sutton zwei Firmen gegründet, über die sie die Dienstleistungen zu überhöhten Preisen abrechneten. Die eigentlichen Arbeiten erledigten lokale Unternehmen für wesentlich weniger Geld. Die Differenz steckten sich die beiden in die eigenen Taschen. Zwischen Mai und November 2015 zweigten sie so fast 100.000 Dollar ab. Sutton kassierte mindestens 21.000 Dollar an Schmiergeldern.
Dass die Buchhaltung des beauftragten Unternehmens bereits Verdacht geschöpft hatte, hielt Sutton nicht auf. Er sorgte weiterhin für die Bezahlung der Rechnungen. Erst umfangreiche Ermittlungen mit ausländischen Bankunterlagen und internationaler Zusammenarbeit brachten die Täter vor Gericht. Sutton wurde aus Großbritannien in die USA ausgeliefert. Beide Männer bekannten sich 2025 schuldig und erhielten dreijährige Sperren für weitere Geschäfte mit der amerikanischen Regierung. Gegen Gillani verhängte USAID die Sanktion erst am 12. August 2026 – mehr als zehn Jahre nach der Betrugsmasche.
Lohnbetrug in Mali
Auch in Mali geriet eine mit amerikanischen Steuergeldern finanzierte NGO ins Visier der Ermittler. Die Association Subaahi Gumo (ASG) erhielt Fördergelder für ein Programm zur Konfliktprävention. Doch Mitarbeiter beschwerten sich, weil sie ihre vorgesehenen Gehälter nicht erhielten. Bei den Untersuchungen stießen die Ermittler auf Hinweise auf gefälschte Arbeitsverträge, nachgemachte Unterschriften und Lohnbetrug.
USAID/Mali kündigte der Organisation nach einer Finanzprüfung die Förderung. Die NGO, ihr Generalsekretär und ihr Finanzmanager wurden für drei Jahre von Geschäften mit der US-Regierung ausgeschlossen. Die Ermittler sprechen von wahrscheinlichen Fälschungen und Lohnbetrug. Eine strafrechtliche Verurteilung nennt der Bericht nicht. Für die administrativen Sanktionen reichten die Untersuchungsergebnisse jedoch aus.
Korruption überall
Doch Pakistan und Mali sind längst nicht die einzigen Fälle, die amerikanische Ermittler derzeit beschäftigen. Bereits am 1. Oktober berichtete die Kontrollbehörde über Betrug bei einer geförderten Gesundheitsorganisation. Deren Geschäftsentwicklungsdirektor Abiodun Ogunwale ließ über eine Beraterin Rechnungen für Leistungen erstellen, die niemals erbracht worden waren. Anschließend genehmigte er selbst die Zahlungen und erhielt einen Teil des Geldes zurück. Ogunwale und seine Komplizin Abimbola Ajayi wurden wegen Betrugs- und Geldwäschedelikten verurteilt. Beide sowie das beteiligte Unternehmen wurden für drei Jahre von weiteren Regierungsaufträgen ausgeschlossen.
Ende September folgte ein weiterer Bericht über gestohlene medizinische Hilfsgüter aus Kenia. Der Geschäftsmann Davendra Rampersaud hatte zwischen 2015 und 2019 medizinische Produkte aus einem amerikanisch geförderten Versorgungsprogramm über seine Firma an die Regierung Guyanas weiterverkauft. Sogar HIV-Testkits aus einem anderen Hilfsprogramm gehörten zur Beute. Rampersaud wurde verurteilt; er und seine Firma erhielten ebenfalls dreijährige Sperren.
Steuergeldverschwendung ohne Ende
Amerikanische Steuerzahler finanzierten Infrastrukturprojekte, Konfliktprävention und Gesundheitsprogramme. Einzelne Auftragnehmer und NGO-Verantwortliche verwandelten diese Geldströme in private Einnahmequellen. Beim pakistanischen Stromnetzprojekt konnten selbst interne Warnsignale die manipulierten Zahlungen nicht stoppen. In Mali beklagten Mitarbeiter ausbleibende Gehaltszahlungen. Bei einer anderen Organisation kassierten Betrüger öffentliche Gelder für Leistungen, die niemand erbracht hatte.
Die Trump-Regierung kündigte nun an, die Aufarbeitung entschlossen fortzusetzen. Ein hochrangiger Regierungsvertreter erklärte gegenüber dem Nachrichtenportal Just the News, unter Präsident Trump werde man jene, die amerikanische Steuerzahler bestehlen, energisch verfolgen. Man werde nötigenfalls bis ans andere Ende der Welt reisen, um Betrüger zur Rechenschaft zu ziehen. Der Regierungsvertreter verwies dabei ausdrücklich auf die weiterlaufenden Ermittlungen der USAID-Kontrollbehörde.
DOGE und Musk starteten die Aufarbeitung
Die ursprüngliche Abwicklung des USAID-Apparats begann bereits 2025. Donald Trump ordnete nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus eine umfassende Überprüfung der amerikanischen Entwicklungshilfe an. Elon Musk und seine DOGE-Initiative nahmen die gewaltigen Förderstrukturen ins Visier. Trump verlangte unter anderem, bestehende Verträge und Zuschüsse auf Verschwendung, Betrug und Missbrauch zu prüfen. Besonders Zahlungen an ausländische Empfänger sollten untersucht werden. Auch eine schriftliche Begründung für einzelne Auszahlungen schrieb sein Erlass vom 26. Februar 2025 als Bestandteil eines neuen Kontrollsystems vor.
Welche Folgen dieser Eingriff hatte, zeigen die jüngsten Zahlen des amerikanischen Rechnungshofs GAO. Zwischen Januar 2025 und März 2026 wurden rund 6.780 von ursprünglich 7.510 USAID-Fördervereinbarungen beendet. Das entspricht mehr als 90 Prozent. Die gekündigten Programme hatten seit ihrem jeweiligen Beginn ein kumuliertes Verpflichtungsvolumen von 79,1 Milliarden Dollar. Diese Summe bezeichnet allerdings keine tatsächlich erzielte Einsparung. Auch der Personalbestand schrumpfte massiv: Von rund 13.600 Beschäftigten weltweit im Januar 2025 blieben im April 2026 nur noch 241 übrig. Die verbliebenen Programme gingen überwiegend an das US-Außenministerium über, wo der Rechnungshof ebenfalls Mängel bei Datenverwaltung und Entscheidungsgrundlagen feststellte.
Report24 berichtete bereits während der DOGE-Offensive über umstrittene USAID-Fördergelder für internationale Medien- und NGO-Netzwerke, fragwürdige Auslandsprojekte und Vorwürfe politischer Einflussnahme. Die damals eingeleiteten Kürzungen trafen einen Apparat, der über Jahrzehnte mehrere Milliarden Dollar für unsinnige Projekte in die ganze Welt verteilt hatte. Die nun veröffentlichten Ermittlungsberichte zeigen, wie einzelne Beteiligte innerhalb solcher Programme durch Betrug und persönliche Bereicherung auf Kosten der Steuerzahler profitierten. Elon Musk hatte die Überprüfungen angestoßen. Nun zeigt es sich, wie notwendig dies tatsächlich war.