Klima-Extremszenarien vor dem Aus: Washington setzt auf Realismus

(C) Report24/KI

Über Jahre lieferten RCP8.5 und später SSP5-8.5 einige der dramatischsten Projektionen der Klimawahn-Industrie. Inzwischen erklären selbst die Entwickler der nächsten Modellgeneration die extremen Emissionshöhen von SSP5-8.5 für unplausibel. Nun will Washington auch verhindern, dass Bundesbehörden solche Extremmodelle weiterhin als erwartbare Zukunft oder normale Planungsgrundlage verwenden.

Als die US-Regierung im November 2023 ihren fünften National Climate Assessment veröffentlichte, stapelten sich auf Tausenden Seiten Projektionen über Hitze, Dürren, Überschwemmungen, steigende Meeresspiegel und enorme wirtschaftliche Schäden. Hinter einem Teil der besonders extremen Zukunftsbilder standen Szenarien wie SSP5-8.5: eine Welt, deren Entwicklung über Jahrzehnte in Richtung enormer klimatischer Veränderungen läuft. Keine drei Jahre später hat sich die Lage gedreht. Die nächste Generation der Szenarien setzt den oberen Rand bereits deutlich niedriger an – und Washington will nun auch seine Behörden dazu zwingen, den Unterschied zwischen einem extremen Modellpfad und einer plausiblen Planungsgrundlage ernst zu nehmen.

Das Office of Science and Technology Policy (OSTP) hat im Namen des U.S. Global Change Research Program eine Änderung des fünften National Climate Assessment vorgeschlagen. Betroffen sind RCP8.5, SSP5-8.5, das ältere SRES-A2-Szenario und vergleichbare Extremmodelle. Resultate, die wesentlich auf diesen Szenarien beruhen, sollen von Bundesbehörden künftig nicht mehr als „expected“, „baseline“, „business-as-usual“, „likely“ oder „central“ dargestellt werden. Auch als gewöhnliche Grundlage staatlicher Planungen sollen sie nicht mehr ohne zusätzliche Prüfung dienen.

Extremszenarien sollen keine Basis für Entscheidungen bilden

Damit trifft Washington einen zentralen Schwachpunkt der bisherigen Klimaplanung. Extremszenarien kann man berechnen, um den äußersten Rand möglicher Entwicklungen auszuloten. Problematisch wird es, wenn genau solche Annahmen anschließend als Baseline, Referenzfall oder Grundlage langfristiger Behördenplanung dienen. Denn dann bestimmen nicht die wahrscheinlichsten Entwicklungen die politische und administrative Risikobewertung, sondern Szenarien, die bereits von ihrer Konstruktion her auf einen besonders extremen Verlauf zugeschnitten sind. Diese unsinnige Praxis will der Vorschlag nun deutlich einschränken.

SSP5-8.5 beschreibt eine ganze sozioökonomische Entwicklung bis zum Ende des Jahrhunderts. Dazu gehören Annahmen über Bevölkerungsentwicklung, Wirtschaftswachstum, Energieverbrauch, Technologie, fossile Brennstoffe, Landnutzung, Treibhausgase, Aerosole und politische Rahmenbedingungen. Aus diesem Gesamtbild entstehen die Emissions- und Konzentrationspfade, auf deren Grundlage anschließend die Klimamodelle rechnen. Je weiter sich diese Annahmen von der tatsächlichen Entwicklung entfernen, desto weniger taugt ein solches Szenario als Grundlage für langfristige Behördenplanung.

Selbst die Klimawahn-Wissenschaftler ruderten bereits zurück

Und ausgerechnet an diesem Fundament haben die Entwickler der kommenden Modellgeneration inzwischen kräftig gesägt. Report24 berichtete bereits im Mai über den Fachartikel „The Scenario Model Intercomparison Project for CMIP7 (ScenarioMIP-CMIP7)“. Dort schreiben die Autoren unmissverständlich, dass die hohen Emissionswerte von SSP5-8.5 im 21. Jahrhundert inzwischen „implausible“ geworden seien. Die Entwicklung der Kosten erneuerbarer Energien, die inzwischen etablierte Klimapolitik und der tatsächliche Verlauf der Emissionen hätten die Lage verändert.

Für den neuen oberen CMIP7-Pfad kombinieren die Forscher mehrere Annahmen, die zu deutlich höheren modellierten Emissionen führen: eine stärkere Nutzung fossiler Energieträger, einen langsameren Ausbau sogenannter emissionsarmer Technologien, veränderte wirtschaftliche Entwicklungen sowie höhere Treibhausgasemissionen über Jahrzehnte hinweg. Selbst unter diesen Voraussetzungen bleibt der neue obere Szenariopfad unter dem bisherigen SSP5-8.5. Der frühere Extrempfad liegt damit selbst nach Maßstäben der kommenden Modellgeneration außerhalb dessen, was die Entwickler heute noch als plausiblen oberen Rand ansetzen. Das alte Extremszenario gerät damit gleich von zwei Seiten unter Druck. Die Modellierer selbst haben den plausiblen oberen Rand nach unten verschoben. Gleichzeitig will die US-Regierung verhindern, dass Behörden ausgerechnet die alten Extrempfade weiter als normale oder wahrscheinliche Zukunft behandeln.

Die öffentliche Kommentierungsfrist für den OSTP-Vorschlag endete bereits am 9. September. Eine endgültige Fassung war mit Stand 20. September noch nicht veröffentlicht worden. Der Text des Entwurfs lässt am Ziel jedoch keinen Zweifel: Projektionen aus RCP8.5, SSP5-8.5 und ähnlichen Extrempfaden sollen ihren bisherigen Stellenwert in der normalen Bundesplanung verlieren. Damit holt die Realität nun einen Teil jener Klimaprojektionen ein, die über Jahre besonders drastische Headlines ermöglichten. Selbst die nächste Generation der Szenarien setzt den oberen Rand niedriger an als zuvor. Washington will daraus nun Konsequenzen ziehen und verhindern, dass Behörden weiterhin mit alten Extrempfaden planen, als seien diese die wahrscheinliche Zukunft.

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