Windräder sind nicht gut für unsere Umwelt. Denn während diese Stromproduktion als nachhaltig von Politik und Windlobby verkauft wird, werden kostbare Wälder abgeholzt, Baumaterialien aus unökologischem Anbau aus weit entfernten Ländern herangeschifft und Gifte eingesetzt, die die Natur schädigen und die wir nie wieder loswerden. Das betrifft nicht nur die Ewigkeitschemikalie PFAS oder das klimaschädliche Gas SF6, sondern auch die Tatsache, dass sich das Glasfaser-Verbundmaterial in Windradflügeln nicht recyceln lässt.
Von Angelika Starkl
Geschredderte Rotoren kann man also nur ablagern, aber wo? Hersteller von PFAS und Nutzer von Gasen wie SF6 betonen immer wieder, dass keine Gefahr für die menschliche Gesundheit bestehe, wenn die Materialien bestimmungsgemäß eingesetzt würden. Zählen der Abbau, das Schreddern und die Verbringung und Ablagerung in Bruchstücken dazu?
Über das Gift PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) gibt es ein spannendes Buch: »Die Vergiftung der Welt« von der Journalistin Mariah Blake ist eine bahnbrechende Recherche über die jahrzehntelange Kampagne der Chemieindustrie, die Gefahren sogenannter Ewigkeitschemikalien zu verschleiern. Sie wird erzählt anhand der Geschichte eines US-Dorfes, das sich einer massiven Gesundheitskrise gegenübersieht. Der Inhalt: Als in seinem Umfeld immer mehr Menschen an Krebs erkrankten, beschlich einen Versicherungskaufmann aus Hoosick Falls, New York, ein furchtbarer Verdacht: Könnten diese Häufungen mit der örtlichen Wasserversorgung zu tun haben? Er beauftragte eine Analyse seines Leitungswassers und bekam die Bestätigung: Es fanden sich hohe Konzentrationen von PFAS, sogenannten Ewigkeitschemikalien. Diese Entdeckung setzte eine Kettenreaktion in Gang, die schließlich offenbarte, dass mehr als hundert Millionen Amerikaner belastetes Trinkwasser konsumierten. Für viele war diese Erkenntnis ein Schock – nicht jedoch für die US-Regierung und die Hersteller dieser giftigen Chemikalien. Sie kannten die Risiken seit Jahren. In den 1980er-Jahren testeten PFAS-Hersteller heimlich ihre eigenen Beschäftigten und stießen auf Zusammenhänge mit Geburtsfehlern, Krebs und anderen schweren Erkrankungen.
Um die Allgegenwart von PFAS in unserem Trinkwasser, unserer Nahrung und Alltagsprodukten einzudämmen, arbeitet die EU seit einigen Jahren an umfassenden Vorschriften. 2026 traten Teilverbote der über 10.000 Chemikalien umfassenden PFAS in Kraft. Die Windrotoren wurden ausgeblendet. Gegen ein generelles Verbot wehrten sich Chemie-Konzerne, mit jenen Taktiken, die Blake in ihrem Buch entlarvt. »Die Vergiftung der Welt« ist daher nicht nur eine aufrüttelnde Investigativrecherche, sondern auch ein Lehrstück darüber, wie die Industrie die Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz vor PFAS bekämpft und so unser aller Gesundheit gefährdet.
PFAS sind nicht abbaubar und vergiften Natur und Nahrung
PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) sind extrem langlebige Chemikalien. In Windkraftanlagen kommen PFAS in Beschichtungen der Rotorblätter vor. Diese Beschichtungen sollen die Blätter widerstandsfähiger gegen Abrieb und Witterungseinflüsse machen. Rotorblattbeschichtungen enthalten PFAS, um die Blätter wetterbeständig zu machen. Durch den Abrieb könnten diese Substanzen freigesetzt werden.
Wissenschaftler der Technischen Hochschule Zürich (ETH) haben untersucht, wie weit verbreitet sogenannte PFAS sind, um ein umfangreiches Inventar zu erstellen. Diese „per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen“ bilden eine Gruppe von mehr als 4.700 Verbindungen. Wo genau Unternehmen PFAS einsetzen, ist jedoch häufig nicht nachvollziehbar. ETH-Wissenschaftler wollten von der US-Umweltschutzbehörde EPA wissen, in welchen Mengen einige PFAS in den USA hergestellt oder eingeführt werden. Doch die Behörde verweigerte die Auskunft: Die Unternehmen hätten diese Information als vertraulich eingestuft.
Die neue EU-Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit sieht vor, die Gruppe aller PFAS-Chemikalien zu regulieren und alle bisher wesentlichen Verwendungen der Chemikalien zu verbieten. Man kann nur darauf bestehen, dass sie auch den Abrieb der Windrotoren einkalkuliert. Die EU muss die Vorschläge aus ihrer Chemikalienstrategie umsetzen, die Gruppe aller PFAS-Chemikalien schnellstmöglich regeln und deren wichtigsten Anwendungen verbieten. Die Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen zu PFAS-Chemikalien muss so schnell wie möglich weltweite Herstellungs- und Anwendungsverbote für diese Gruppe empfehlen. Die Verbote müssen die Grundlage für ein weltweit abgestimmtes Vorgehen gegen diese schädlichen Chemikalien sein. Verbote bilden die Basis für einzelne Staaten, selbst zu handeln.
PFAS‑Abrieb von Windrädern ist ein reales Problem
PFAS ist problematischer als Mikroplastik, da es sich schneller verbreitet und nicht abgebaut wird. Es kann Umwelt und Trinkwasser belasten. Besonders in Wasserschutzgebieten sollten PFAS-belastete Materialien kritisch gesehen werden. Auch die Entsorgung von PFAS‑haltigen Rotorblättern ist ungelöst und könnte in Zukunft ein großes Müllproblem werden.
Unternehmen wie Goldwind, Envision und Mingyang produzieren riesige Stückzahlen der Rotorblätter direkt in China. Mittlerweile entfallen weit über die Hälfte der weltweiten Produktionskapazitäten für Rotorblätter auf chinesische Werke. Für die Herstellung hochentwickelter Verbundwerkstoffe (meist Glasfaser- und Kohlefasermischungen mit Harz) werden spezielle Materialien importiert. Ein wichtiges Kernmaterial für die Stabilität im Inneren vieler Rotoren ist extrem leichtes Balsaholz, das zu über 90 % aus Ecuador stammt.
Viele Rotorblätter für den europäischen Markt werden heute in Ländern außerhalb der EU oder in Südeuropa und Asien gefertigt und per Schiff oder Schwertransport geliefert. PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) werden in Windkraftanlagen vor allem in Farben und Beschichtungen der Rotorblätter sowie in Kabeln und als Schutzgase in Schaltanlagen eingesetzt. Sie dienen dort als Schutzschichten gegen Witterung, Reibung und Partikelerosion.
Warum gibt es Abrieb?
Rotorblätter drehen sich an den Spitzen mit 300 bis 350 km/h. Regen, Hagel, Eis, Staub und Schmutz wirken wie Schleifpapier und tragen schrittweise Material ab. Besonders betroffen ist die Vorderkante der Rotorblätter.
Wie viel Material landet auf den Feldern, den Wäldern?
Während einige Studien wenige Kilogramm pro Jahr nennen, gehen andere von bis zu 150 kg pro Anlage pro Jahr aus. Es gibt jedoch keine einheitlichen, verlässlichen Zahlen. Abgetragene Partikel verteilen sich über mehrere Kilometer, können in Böden einsickern und über den Regen in Gewässer gelangen. Sie verseuchen das Grundwasser.
Risiken für Mensch und Umwelt
- Wasserlöslich: PFAS kann ins Trinkwasser gelangen.
- Nicht biologisch abbaubar: Diese Chemikalien bleiben über Jahrzehnte in der Umwelt.
- Gesundheitsgefährdend: Studien deuten auf krebserregende und hormonverändernde Wirkungen hin.
Die Vergiftung der Welt: Der globale PFAS-Skandal und wie er vertuscht wird (von Mariah Blake)
ISBN: 978-3-98726-515-0
Softcover, 336 Seiten
übersetzt von Karsten Petersen
Erscheinungstermin: 25.02.2026
