Chinas Stromer-Offensive: Raus aus der Öl-Falle – kein Klimawahn

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China drückt beim Elektroauto weiter aufs Gas: Bis 2030 sollen laut dem aktuellen Fünfjahresplan 70 Prozent der neu verkauften Pkw sogenannte New Energy Vehicles sein. Doch hinter der Stromer-Offensive steckt weit mehr als die übliche grüne Propaganda. Peking reduziert damit eine seiner gefährlichsten strategischen Schwachstellen: die gewaltige Abhängigkeit von importiertem Erdöl.

Der neue chinesische Fünfjahresplan für die Autoindustrie gibt die Richtung vor: 70 Prozent der neuen Pkw und 40 Prozent der neuen Nutzfahrzeuge sollen bis 2030 zu den sogenannten New Energy Vehicles gehören. Dazu zählen neben reinen Stromern auch Plug-in-Hybride. Gleichzeitig soll China seine Stellung entlang der automobilen Wertschöpfungskette weiter ausbauen und chinesischen Konzernen international noch mehr Gewicht verschaffen. Peking spricht dabei zwar auch von grüner Transformation und CO2-Zielen. Doch hinter der Elektrifizierung steckt vielmehr eine knallharte industrie- und sicherheitspolitische Rechnung.

Chinas Achillesferse heißt Erdöl

China verfügt über enorme Kohlevorkommen, baut gleichzeitig sein Potential an Wind-, Solar-, Wasser- und Kernkraft aus und kann einen großen Teil seiner Elektrizität im eigenen Land erzeugen. Beim Erdöl ist die Lage völlig anders. 2024 importierte die Volksrepublik rund 11,1 Millionen Barrel Rohöl pro Tag; die Einfuhren entsprachen etwa 74 Prozent des chinesischen Ölverbrauchs. Rund 90 Prozent dieser Importe kamen über den Seeweg. Russland, Saudi-Arabien, der Iran, Oman und andere Lieferanten sind damit Teil einer Abhängigkeit, die Peking im Krisenfall teuer zu stehen kommen kann.

Die Krise am Persischen Golf führt China derzeit vor Augen, wie verwundbar diese Konstruktion ist. Rund die Hälfte der chinesischen Ölimporte lief 2025 nach Berechnungen der Columbia University durch die Straße von Hormus. Als Lieferungen infolge des Krieges einbrachen und die Preise stiegen, sanken Chinas Rohölimporte im zweiten Quartal 2026 auf nur noch 8,1 Millionen Barrel pro Tag – 32 Prozent weniger als im Vorquartal. 2025 hatte China noch rekordverdächtige 11,6 Millionen Barrel täglich eingeführt und bei niedrigen Preisen seine Vorräte aufgestockt.

Jeder Liter Benzin, den Chinas Pkw-Flotte nicht mehr verbrennt, senkt den Druck auf diese Importketten. Ein Stromer kann mit Elektrizität aus chinesischer Kohle, Wasserkraft, Kernenergie, Wind- oder Solaranlagen fahren. Allein 2025 förderte China 4,85 Milliarden Tonnen Kohle und erzeugte mehr als 10.500 Terawattstunden Strom. Auch hier bestehen Importabhängigkeiten, doch seinen Strommix kann Peking wesentlich stärker selbst beeinflussen als die Herkunft von Millionen Barrel Erdöl, die täglich per Tanker ins Land gebracht werden müssen. Der Effekt zeigt sich bereits. Nach Berechnungen des staatlichen chinesischen Ölkonzerns Sinopec könnten Elektrofahrzeuge 2026 rund 1,2 Millionen Barrel Ölverbrauch pro Tag ersetzen. Gleichzeitig soll auch der generelle Benzin- und Dieselverbrauch weiter zurückgehen. Sinopec erwartet inzwischen den dritten jährlichen Rückgang des gesamten chinesischen Ölbedarfs in Folge.

China sitzt an den entscheidenden Stellen der Lieferkette

Auch der Stromer braucht importierte Rohstoffe. Lithium, Nickel, Kobalt, Graphit und andere Materialien fallen nicht vom Himmel. Doch Peking hat sich bei Verarbeitung, Vorprodukten und Batterieproduktion längst an die besonders wichtigen Stellen der globalen Lieferkette gesetzt. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur kamen 2025 mehr als 80 Prozent der weltweiten Batteriezellen aus China. Bei Kathoden-Aktivmaterial lag der chinesische Anteil bei rund 85 Prozent, bei Anodenmaterial sogar bei mehr als 90 Prozent. Bei Lithium-Eisenphosphat-Batterien und zahlreichen Vorprodukten ist die chinesische Dominanz inzwischen so groß, dass selbst Batteriefabriken in Europa und den USA stark von chinesischen Komponenten abhängen.

Das ist der entscheidende Unterschied zum Erdöl. Öl wird verbrannt und muss anschließend wieder neu eingeführt werden. Batterierohstoffe werden verarbeitet und stecken danach jahrelang im Fahrzeug. Vor allem aber kontrolliert Peking einen erheblichen Teil der Raffination, Materialproduktion, Zellfertigung und Fahrzeugproduktion selbst. Die Straße von Hormus kann China dagegen nicht kontrollieren.

Für Peking ergibt es daher wenig Sinn, wertvolles importiertes Rohöl massenhaft im privaten Straßenverkehr zu verheizen. Petrochemie, Kunststoffe, Schmierstoffe, Luftfahrt, Schifffahrt, Militär und andere Industriebereiche werden weiterhin auf Erdöl und daraus gewonnene Produkte angewiesen sein. Schon vor der aktuellen Krise stellte die IEA fest, dass Chinas Nachfrage nach Benzin, Diesel und Kerosin ihren Höhepunkt weitgehend erreicht hat, während die Petrochemie für den verbleibenden Ölbedarf immer wichtiger wird.

Europa verschiebt die Abhängigkeit – China verdient daran

Brüssel treibt die Elektromobilität seit Jahren mit CO2-Grenzwerten, Verbrenner-Aus und milliardenschweren Förderprogrammen voran. Doch ausgerechnet bei Batterien, Vorprodukten und Rohstoffverarbeitung fehlt Europa die industrielle Macht, die China über Jahrzehnte aufgebaut hat. Die IEA stellte für 2025 fest, dass praktisch sämtliche in Europa eingesetzten LFP-Batterien direkt aus China kamen oder in aus China importierten Fahrzeugen steckten. Chinesische Batteriehersteller produzierten inzwischen mehr als die Hälfte der Batterien für in der EU verkaufte Elektroautos. Europa senkt damit zwar langfristig seinen Ölverbrauch im Straßenverkehr, macht sich gleichzeitig jedoch bei Batterien, Vorprodukten und zunehmend auch bei fertigen Fahrzeugen von China abhängig.

Peking verfolgt dagegen eine Strategie mit doppeltem Nutzen. China senkt den Verbrauch eines Rohstoffs, den es in riesigen Mengen über gefährdete Seewege importieren muss, und stärkt zugleich jene Industrien, bei denen chinesische Konzerne bereits den Weltmarkt beherrschen. Während Europas Politiker ihren Bürgern den Stromer als Instrument zur „Klimarettung“ aufzwingen, verkauft China ihnen Batterien, Vorprodukte und Fahrzeuge. Europa verschiebt seine Abhängigkeit. China ordnet sie zu seinen eigenen Gunsten neu.

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