Israel warnte früh vor Pfizer-Myokarditis – doch die USA impften Jugendliche weiter

(C) Report24/KI

Israel warnte bereits Ende Februar 2021 vor auffälligen Fällen von Myokarditis bei jungen Menschen nach der Pfizer-Genspritze. CDC und FDA kannten das alarmierende Sicherheitssignal – trotzdem gaben die US-Behörden das experimentelle mRNA-Präparat wenige Wochen später auch für 12- bis 15-Jährige frei. Der offizielle Warnhinweis vor Myokarditis und Perikarditis folgte erst Ende Juni.

Eine neue Studie im EXCLI Journal zeigt nun, wie früh die Warnungen bei den internationalen Gesundheitsbehörden eintrafen. Die Wissenschaftler Yaakov Ophir und Yaffa Shir-Raz werteten für ihre Arbeit „Real-time pharmacovigilance and cardiac risk communication during the COVID-19 vaccination campaign in Israel“ einen internen Datensatz des israelischen Gesundheitsministeriums aus, den ihnen ein Hinweisgeber überlassen hatte. Bereits am 28. Februar 2021 informierte Israel internationale Behörden über ein Sicherheitssignal bei 16- bis 30-Jährigen und rund 40 gemeldete Fälle von Myokarditis beziehungsweise Perimyokarditis. Drei Tage später wandte sich der stellvertretende Epidemiologie-Direktor des israelischen Gesundheitsministeriums direkt an die CDC und berichtete von einer großen Zahl entsprechender Fälle bei jungen Menschen kurz nach der Pfizer-Injektion.

Die internen Meldungen häuften sich weiter. In seiner letzten Fassung enthielt der Datensatz 531 Berichte über Krankenhausaufenthalte sowie 67 eindeutig erfasste Todesfälle, die im Rahmen der Arzneimittelüberwachung an Pfizer gemeldet worden waren. Bei 250 der 531 Hospitalisierungsberichte tauchten Myokarditis oder Perikarditis auf. Unter Patienten unter 30 Jahren betraf dies 151 von 211 Berichten. Von 134 jüngeren Patienten ohne relevante medizinische Vorgeschichte wiesen 99 eine Myokarditis oder Perikarditis auf, 90 davon waren männlich. Unter neun registrierten Todesfällen bei Menschen unter 50 Jahren war in zwei Fällen eine Myokarditis verzeichnet. Die Meldungen allein beweisen für den einzelnen Fall keine Verursachung durch die Genspritze und erlauben mangels Vergleichsgruppe keine allgemeine Risikoberechnung. Sie zeigen jedoch, welche schweren Verdachtsfälle Behörden und Hersteller bereits während der laufenden Impfkampagne auf dem Tisch hatten.

Anfang April landeten die aktualisierten israelischen Daten direkt bei CDC und FDA. Am 5. April präsentierten israelische Gesundheitsvertreter bei einer Sitzung der Vaccine Safety Technical Work Group 62 Fälle von Myokarditis beziehungsweise Perimyokarditis sowie weitere 15 Perikarditis-Fälle. 56 der Myokarditis-Fälle waren nach der zweiten Dosis aufgetreten, 50 davon bei Männern. Die Präsentation enthielt außerdem 172 gemeldete Krankenhausaufenthalte und 48 Todesfälle in zeitlicher Nähe zur Impfung. Ein anschließender CDC-Entwurf hielt fest, dass das israelische Myokarditis-Signal in den amerikanischen Sicherheitssystemen weiter untersucht werden sollte. Die US-Behörden wussten damit längst, dass insbesondere bei jungen Männern nach der zweiten Pfizer-Dosis ein ernstes Herz-Sicherheitssignal aufgetaucht war.

Ignoranz von FDA und CDC

Auch ein Bericht des Permanent Subcommittee on Investigations des US-Senats aus dem Jahr 2025 zeichnet diese Chronologie nach. Amerikanische Gesundheitsbeamte interessierten sich demnach bereits im März ausdrücklich für israelische Daten zu Todesfällen nach der Impfung. Interne Unterlagen zeigen zudem, dass die CDC die israelischen Sicherheitsdaten in einer vertraulichen Sitzung vorgestellt haben wollte. CDC und FDA waren also Wochen vor der späteren Freigabe für jüngere Jugendliche mit den israelischen Warnmeldungen befasst.

Doch statt bei Kindern und Jugendlichen auf die Bremse zu treten, weiteten die US-Behörden die Impfkampagne weiter aus. Am 10. Mai 2021 erweiterte die FDA die Notfallzulassung der Pfizer-Genspritze auf 12- bis 15-Jährige. Die Behörde erklärte damals, ihre Auswertung der Sicherheitsdaten von 2.260 Studienteilnehmern habe keine spezifischen Sicherheitsbedenken ergeben, die einer Freigabe entgegenstünden. Nur zwei Tage später empfahl auch die CDC die Injektion für diese Altersgruppe und gab grünes Licht für den sofortigen Start der Impfungen. Mehr als zehn Wochen waren da seit der ersten israelischen Warnung vergangen.

Der offizielle Warnhinweis ließ weiter auf sich warten. Erst am 25. Juni 2021 teilte die FDA mit, die Informationsblätter für die mRNA-Präparate von Pfizer und Moderna wegen des erhöhten Risikos für Myokarditis und Perikarditis zu ergänzen. Die Behörde bestätigte später selbst, dass vor allem jüngere Männer und insbesondere die Zeit nach der zweiten Dosis betroffen waren. Fast vier Monate lagen damit zwischen der ersten dokumentierten israelischen Warnung und dem offiziellen amerikanischen Warnhinweis. In diesen vier Monaten hatten die US-Behörden die Pfizer-Genspritze bereits für Millionen weitere Jugendliche freigegeben.

Die zentrale Frage bleibt: Warum erfuhren Ärzte, Eltern und Jugendliche nicht ebenso früh von dem Sicherheitssignal, das Israel bereits gemeldet hatte und das amerikanische Behörden intern untersuchten? Gerade bei einem experimentellen Präparat, das staatliche Stellen offensiv bewarben und anschließend auf immer jüngere Menschen ausdehnten, hätte ein solches Herz-Sicherheitssignal sofort in die öffentliche Risikoaufklärung gehört.

Israel warnte früh vor auffälligen Myokarditis-Fällen, Pfizer erhielt Meldungen über schwere Verdachtsfälle, CDC und FDA beschäftigten sich intern mit dem Problem – und trotzdem gaben die US-Behörden die Pfizer-Genspritze im Mai auch für 12- bis 15-Jährige frei. Erst Ende Juni stand die Myokarditis-Warnung offiziell in den Unterlagen. Eltern und Jugendliche wurden damit erst Wochen später offiziell vor einem Risiko gewarnt, das den zuständigen Stellen längst bekannt war.

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