Rund 140 illegale Migranten erreichen mit einem einzigen Schlauchboot die englische Südküste – und in Portsmouth kocht der Widerstand hoch. Hunderte Menschen blockieren stundenlang die Straßen, um den Abtransport der Illegalen zu verhindern. Während die Regierung die Demonstranten als „Schläger“ abkanzelt, breiten die Schlepper ihre Routen inzwischen weit über den bisherigen Brennpunkt Dover hinaus aus.
Es ist Sonntagabend in Portsmouth. Vor der Eastney Marina stehen mehrere Reisebusse bereit, Polizeibeamte bauen Sperren auf, wenig später tauchen auch Schilde auf. Doch die Busse kommen zunächst nicht weg. Immer mehr Menschen strömen in das Viertel, stellen sich auf die Zufahrtsstraßen und machen deutlich, was sie von der nächsten Lieferung über den Ärmelkanal halten: Sie wollen verhindern, dass die illegalen Zuwanderer einfach weiter zum Aufnahmezentrum gebracht werden. Rund 500 Demonstranten sollen sich zeitweise in Eastney versammelt haben.
BREAKING:
— Visegrád 24 (@visegrad24) September 6, 2026
The police and anti-migration activists are facing off with each other in the sea near Portsmouth.
After the police started splashing water on the activists, they responded with the same measure. The activists are there to block illegal migrants from being disembarked…
140 Migranten in einem einzigen Schlauchboot
Auslöser war eine Überfahrt, die selbst für die inzwischen alltägliche britische Small-Boat-Krise außergewöhnlich war. In der Nacht auf Sonntag meldeten die französischen Behörden westlich der Baie de Seine ein überfülltes Boot mit rund 140 Migranten. Der Ausgangspunkt lag weit westlich der berüchtigten Route bei Calais. Die französische Marinepräfektur selbst bezeichnete einen Start in dieser Region als ungewöhnlich.
Frankreich fuhr dafür ein beachtliches Aufgebot auf. Mehrere Rettungsboote, der Hochseeschlepper „Abeille Liberté“, Marinesoldaten, Militärsanitäter sowie zwei Hubschrauber begleiteten beziehungsweise überwachten die Fahrt. Das Boot setzte seinen Kurs dennoch Richtung Großbritannien fort. Die französische Marinepräfektur erklärt dazu ausdrücklich, dass die illegalen Migranten auf solchen Überfahrten angebotene Hilfe in der Regel ablehnen und diese erst in extremer Not annehmen. Ein zwangsweises Übernehmen der Insassen werde wegen der Gefahr für die überladenen Schlauchboote vermieden.
So wanderte das Problem einmal mehr von der französischen auf die britische Seite des Ärmelkanals. Vor Hampshire übernahmen britische Rettungskräfte. Küstenwache, Rettungsboote, Hubschrauber, Flugzeug, Border Force, Polizei und Rettungsdienst wurden mobilisiert. Die illegalen Migranten kamen schließlich bei Eastney in Portsmouth an und sollten anschließend zur großen Registrierungsstelle Manston in Kent gebracht werden.
🚨NEW: A local Portsmouth grandma has canoed out to protesters in the water who are preventing illegal migrants from being unloaded onto the shores, and has given them supplies pic.twitter.com/ztK1mCcjSR
— GB Politics (@GBPolitcs) September 6, 2026
Dann standen plötzlich Hunderte auf der Straße
Doch dort warteten inzwischen nicht nur Beamte und Busfahrer. Innerhalb kurzer Zeit wuchs die Menge auf mehrere hundert Menschen an. Sie blockierten die Straße von der Eastney Marina und stellten sich damit direkt dem geplanten Abtransport entgegen. „Stop the boats“ und „Send them back“ war laut Berichten aus der Menge zu hören. Daniel Thomas, bekannt als Danny Tommo und seit Jahren im britischen Anti-Migrationsmilieu aktiv, streamte aus Portsmouth und rief weitere Menschen auf, sich der Aktion anzuschließen. Seine Botschaft war eindeutig: Die Straßen seien blockiert, die Busse würden hier nicht einfach herausfahren. Bereits am Vortag hatten mehrere hundert Demonstranten in Dover die Zufahrten zum wichtigsten britischen Fährhafen lahmgelegt. Dort gab es trotz stundenlanger Verkehrsbehinderungen keine Festnahmen.
In Portsmouth zog sich der Protest bis tief in die Nacht. Polizeikräfte stellten sich mit Schilden zwischen die Demonstranten und die Busse, für das Gebiet wurde eine sogenannte Dispersal Order erlassen. Wer der Aufforderung zum Verlassen des Areals nicht folgen würde, musste mit einer Festnahme rechnen. Sky News berichtete zudem davon, dass einzelne Gegenstände in Richtung der Polizei geworfen wurden. Am Ende gelang es den Behörden, die Migranten aus Portsmouth abzutransportieren. Die Aktion hatte ihnen allerdings über Stunden vorgeführt, dass sich der Widerstand gegen die britische Migrationspolitik längst nicht mehr auf wütende Kommentare in sozialen Netzwerken beschränkt.
Police in Portsmouth are now pepper spraying and arresting locals for trying to stop the invasion of their shores by literal Islamic hoards funded by the UN.
— Alex Jones (@RealAlexJones) September 7, 2026
The UK and Europe in general must be liberated from the grip of the globalist and their Islamic shock troops.… https://t.co/bz8XwcKAh2 pic.twitter.com/Tb059a26Sh
Regierung beschimpft Demonstranten
Aus London kam prompt die bekannte Antwort. Ein Regierungssprecher verurteilte das „intimidating and thuggish behaviour“, also das angeblich einschüchternde und schlägerhafte Verhalten der Demonstranten. Die Regierung müsse schließlich die öffentliche Ordnung schützen. Nur passt dieses martialische Bild nicht ganz zur Einschätzung aus der Region. Reuters berichtet, dass Hampshire und Isle of Wight Police and Crime Commissioner Donna Jones den Protest als weitgehend friedlich beschrieb. Gleichzeitig musste Verstärkung von Polizeikräften außerhalb der Region angefordert werden.
Jones benennt zudem ein Problem, das für London deutlich unangenehmer ist als ein paar hundert wütende Briten: Die englische Südküste sei auf solche Ankünfte gar nicht vorbereitet. Sollten die Schlepper ihre Routen dauerhaft von Dover weg und weiter nach Westen verschieben, stehe die Regierung vor einem erheblichen Problem. Portsmouth verfügt nicht über die eingespielten Strukturen, die Kent nach Jahren der Massenzuwanderung über den Ärmelkanal aufgebaut hat. Die Baie de Seine liegt rund 170 Meilen von Calais entfernt, die Fahrt nach Hampshire gehört zu den längsten bislang bekannten Small-Boat-Routen. Die Schlepperbanden reagieren damit offenbar auf den steigenden Druck entlang der klassischen Route und suchen neue Ausgangspunkte. Selbst der britische Border Security Commander räumte zuletzt ein, dass organisierte Schleusergruppen ihre Ausrüstung und ihre Routen verändern.
"STOP THE BOATS": Hundreds of protesters flooded the streets of Portsmouth after roughly 140 migrants arrived on the Hampshire coast following one of the largest small-boat crossings to the UK this year.
— Fox News (@FoxNews) September 7, 2026
More than 500 people reportedly joined the demonstration, with some… pic.twitter.com/CkeS4E3Vqu
Der Protest wandert mit
Für die britische Regierung wird damit aus dem Dauerproblem in Dover ein Problem für die gesamte Südküste. Ein einziges Schlauchboot mit etwa 140 Menschen genügte am Sonntag, um Rettungsdienste, Grenzschutz und Polizei in Portsmouth aufzubieten und anschließend mehrere hundert Bürger auf die Straße zu bringen.
Die Reaktion aus London besteht erneut vor allem darin, den Zorn der eigenen Bevölkerung zu verurteilen. Die Schlepper hingegen haben längst verstanden, wie das Spiel funktioniert: Startpunkt verlagern, vollbesetztes Boot losschicken, französische Eskorte passieren und die britischen Behörden den Rest erledigen lassen. Dover war jahrelang das Symbol dieser Politik. Portsmouth zeigt, dass sich weder die Schlepperroute noch der Widerstand der Briten darauf beschränken müssen.
