Toi, toi, toi: Das nächste Robotaxi hat nicht einmal mehr ein Lenkrad

Symbolbild: KI

Kein Lenkrad, keine Pedale: Teslas selbstfahrendes Cybercab soll vollständig ohne menschliches Eingreifen auskommen. Die Produktion läuft bereits. Nur an einer „Kleinigkeit“ hapert es noch: Tesla hat das autonome Fahren im großen Maßstab bislang nicht gemeistert.

Bei Tesla baut man emsig an der Zukunft. Ob sie funktionieren wird, ist eine andere Frage. Mit dem Cybercab hat man ein zweisitziges Robotaxi entwickelt, bei dem Lenkrad und Pedale gar nicht erst eingebaut werden.

Die ersten Exemplare ohne klassische Bedienelemente liefen bereits im Februar vom Band. Im April bestätigte Tesla den Beginn der kontinuierlichen Produktion, inzwischen wurden mehr als 100 Cybercabs auf den Auslieferungsflächen der Gigafactory in Texas gesichtet. Elon Musk erwartet, dass die Produktion gegen Jahresende stark anzieht. Mitarbeiter testen die vollständig fahrerlose Variante seit Juli auf privaten Straßen. Das Modell soll seinen offiziellen Launch am 3. September haben.

Bleibt nur die Frage: Ist die Technik schon so weit? In vielen Tesla-Modellen ist das sogenannte FSD (Full-Self-Driving) in der „Supervised“-Variante bereits implementiert – hierzulande hat man davon aus regulatorischen Gründen aber wenig. In Europa ist die Nutzung bislang überwiegend noch eingeschränkt. 

Doch das Ziel ist, wie das Cybercab zeigt, ein Auto, das den Menschen gar nicht mehr zur Steuerung braucht. Die aktuellen Robotaxis von Tesla verfügen noch über Pedale und Lenkrad, auch wenn diese während der Fahrten für Passagiere gesperrt sind. Sie sind ein technologischer Vorgeschmack: Wenn sie (und später das Cybercab) sich bewähren, so rücken vollständig selbstfahrende Fahrzeuge, „unsupervised“, auch für Privatpersonen näher. 

Systemausfälle und bedenkliche Fahrmanöver

Teslas bisheriger Robotaxi-Betrieb liefert aber Gründe für Skepsis, dass dies in Bälde der Fall sein wird. Immer wieder wurden Probleme dokumentiert. Ein X-User filmte beispielsweise ein Robotaxi, das mitten auf der Straße „feststeckte“ – während das Robotaxi, in dem er selbst sich befand, sage und schreibe dreimal den Ort verpasste, an dem der User aussteigen wollte. 

Ein anderer Vorfall sorgte jüngst für Aufsehen: Ein Robotaxi hatte sich fälschlicherweise hinter eine Reihe flexibler Plastikpfosten manövriert, die einen Bereich für den Autoverkehr absperren. Im Video kann man dem System beim Arbeiten und Rechnen zusehen: Das Auto bewegt sich vorwärts, stoppt, setzt zurück, fährt wieder vorwärts … Und entscheidet sich dann, einfach durch die Pfosten zu fahren (und einen zu rammen). 

Es fehlen Fahrdaten

In Austin operiert die Robotaxi-Flotte weiterhin in begrenzten Gebieten und ist gemessen an Teslas großen Ambitionen erstaunlich klein. Das heißt: Die Datenbasis ist sehr begrenzt. In manchen Bereichen kommen nach wie vor menschliche Sicherheitsbeobachter zum Einsatz. Das ist beim Cybercab allerdings nicht vorgesehen. Das Fahrzeug wurde gerade deshalb ohne Lenkrad und Pedale konstruiert, weil der Mensch nicht mehr eingreifen soll.

Tesla setzt dafür auf seine kamerabasierte Fahrsoftware. Doch ausgerechnet deren Sicherheitsvalidierung bezeichnete Musk selbst als Flaschenhals für die weitere Ausweitung des Robotaxi-Dienstes. Eine grundlegend überarbeitete Version der Software, FSD v15, wird nach Unternehmensangaben erst für Ende 2026 oder Anfang 2027 erwartet.

Auch bei der Erfahrung mit vollständig fahrerlosen Kilometern liegt Tesla deutlich hinter der Konkurrenz. Unternehmensangaben zufolge haben seine unüberwachten Robotaxis rund 380.000 Meilen zurückgelegt. Waymo kommt dagegen auf mehr als 220 Millionen vollständig fahrerlose Meilen auf öffentlichen Straßen – rund 579-mal so viel.

Musk räumte im Juli ein, dass Tesla erst noch Fahrdaten sammeln müsse, die speziell auf das Cybercab zugeschnitten sind.

Was tun im Notfall?

Für Notfälle setzt Tesla vor allem auf Mitarbeiter, die Fahrzeuge aus der Ferne unterstützen können. Jedoch: Was passiert, wenn in einer Gefahrensituation Mobilfunkverbindung und Reaktionszeit nicht mitspielen? Tesla rüstet Cybercabs inzwischen zusätzlich mit Starlink aus, um die Verbindung zu verbessern. Aber wo früher der Fahrer innerhalb eines Sekundenbruchteils auf die Bremse treten konnte, muss künftig eine technische Kette aus Sensoren, Software und gegebenenfalls Datenverbindung funktionieren.

Ob der Sprung gelingen wird? Tesla wettet praktisch darauf, dass die Software zu dem Auto aufschließt, das man bereits baut. Man darf gespannt sein, ob diese Rechnung aufgeht.

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