35,6 Cent pro Kilowattstunde: Deutschlands Strom-Irrsinn sprengt den G20-Vergleich

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Deutschland ist Strompreis-Spitzenreiter der G20. Haushalte zahlen hierzulande durchschnittlich 35,6 Cent pro Kilowattstunde – mehr als doppelt so viel wie im Durchschnitt der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Nach Jahren von Atomausstieg, Energiewende und milliardenschweren Eingriffen präsentiert sich die deutsche Energiepolitik damit vor allem als eines: extrem teuer.

Eigentlich gilt auf volkswirtschaftlicher Ebene ein wichtiges Grundprinzip: Wohlhabende Nationen haben auch einen hohen Energieverbrauch pro Kopf. Ohne eine günstige Energieversorgung strauchelt die Wirtschaft – vor allem dann, wenn man andere wichtige Faktoren wie Lohnkosten, Steuerlast und Produktivitätsniveau berücksichtigt. Ist die Produktivität hoch und der Energiepreis niedrig, kann man damit auch höhere Löhne, Steuern und Abgaben kompensieren. In Deutschland war dies früher dank des russischen Pipelinegases der Fall. Mittlerweile sieht die Lage aufgrund von Sanktionen und Energiewende anders aus.

Denn die Bundesrepublik hat mittlerweile so hohe Strompreise wie kaum ein anderes Land auf der Welt. Dies verdeutlichen die Zahlen einer aktuellen Verivox-Auswertung auf Grundlage der Daten von Global Petrol Prices für das zweite Quartal 2026. Unter den G20-Staaten liegt Deutschland mit 35,6 Cent je Kilowattstunde auf Platz 1. Italien folgt mit 34,5 Cent, Großbritannien mit 32,4 Cent. Der G20-Durchschnitt beträgt lediglich 16,3 Cent. Deutsche Haushalte zahlen damit rund 118 Prozent mehr für ihren Strom.

Noch deutlicher wird das deutsche Versagen in der Energiepolitik im direkten Vergleich mit anderen großen Volkswirtschaften. In Frankreich kostet die Kilowattstunde durchschnittlich 23,3 Cent, in den USA 18,3 Cent und in Kanada 10,6 Cent. China kommt auf 6,7 Cent, Indien auf 6,3 Cent und Saudi-Arabien auf 4,6 Cent. Deutsche Haushalte zahlen damit mehr als das Fünffache des chinesischen oder indischen Strompreises. Selbst Frankreich liegt trotz deutlich höherer europäischer Kostenstruktur weit unter Deutschland. Deutschland hat sich also ausgerechnet bei einem zentralen Standortfaktor an die Weltspitze katapultiert – nur eben in der falschen Richtung. Während andere Volkswirtschaften auf vergleichsweise günstige Energie setzen, verteuert Berlin mit seiner Energiepolitik Strom für Haushalte und Wirtschaft gleichermaßen.

Zwei Drittel des Strompreises entstehen außerhalb der eigentlichen Stromerzeugung

Besonders deutlich wird die Ursache der Schieflage bei der Betrachtung der Zusammensetzung der deutschen Stromrechnung. Laut Verivox entfielen zu Beginn des Jahres 2026 rund 37 Prozent auf Steuern, Abgaben und Umlagen. Weitere 29 Prozent gehen für Netzentgelte drauf. Lediglich 34 Prozent betreffen Strombeschaffung, Vertrieb und die Margen der Anbieter. Mit anderen Worten: Rund zwei Drittel des Strompreises entstehen durch staatliche Belastungen und die wachsenden Kosten für den Umbau der Netzinfrastruktur wegen des deutlich gestiegenen Anteils an Flatterstrom durch Wind- und Solarkraftwerke. Die Bundesnetzagentur beziffert die bundesweiten Netzkosten einschließlich Offshore-Netzumlage inzwischen auf knapp 37 Milliarden Euro. Und diese Rechnung dürfte weiter steigen.

Die Bundesregierung bestätigt selbst, woher ein großer Teil dieser Kosten kommt. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche erklärte, die Übertragungsnetzkosten hätten sich gegenüber 2022 beziehungsweise 2023 mehr als verdoppelt. Als Gründe nannte sie Investitionen in den Netzausbau zur Integration weiterer erneuerbarer Energien sowie steigende Ausgaben für Systemdienstleistungen und Netzsicherheit. Verschwiegen werden allerdings die zusätzlichen Kosten für die Backup-Kraftwerke, die auch dann Geld kosten, wenn sie gerade nicht den Ausfall von Wind und/oder Sonne kompensieren müssen.

Damit fällt eines der beliebtesten Märchen der Energiewende zunehmend in sich zusammen. Wind- und Solarstrom mögen in bestimmten Stunden – zumindest in Sachen Marktpreise – billig erzeugt werden. Das dafür notwendige Gesamtsystem ist es offensichtlich nicht. Je stärker wetterabhängige Stromerzeuger ausgebaut werden, desto mehr müssen Netze erweitert, Erzeugung und Verbrauch ausgeglichen und Reservekapazitäten vorgehalten werden. Die Rechnung dafür landet am Ende beim Bürger.

6,5 Milliarden Euro Steuergeld drücken die sichtbare Rechnung

Noch absurder wird die deutsche Strompolitik durch die milliardenschweren staatlichen Zuschüsse. Seit Anfang 2026 bezuschusst der Bund die Übertragungsnetzkosten mit 6,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds. Damit sollen die Netzentgelte künstlich gedrückt werden. Die Bundesregierung selbst erklärt, dass dadurch die durchschnittlichen Übertragungsnetzentgelte gegenüber 2025 um rund 57 Prozent sinken. Doch die Kosten verschwinden nicht. Sie werden lediglich aus der Stromrechnung in den Staatshaushalt verschoben. Die Bürger und die Unternehmen zahlen also weiterhin dafür – nur eben an anderer Stelle.

Das ist der eigentliche Irrsinn hinter der offiziellen Strompreisstatistik: Deutschland ist selbst nach milliardenschweren staatlichen Zuschüssen noch der teuerste G20-Staat. Ohne diese Eingriffe würde die Rechnung für Haushalte und Unternehmen noch höher ausfallen. Auch Wirtschaftsministerin Reiche räumt ein, dass allein 2026 fast 18 Milliarden Euro für die Förderung erneuerbarer Energien bereitgestellt werden (Kosten, die eigentlich sonst ebenfalls auf der Stromrechnung landen würden). Eine Belastung wird von der Stromrechnung genommen, bezahlt muss die Energiewende trotzdem.

Und die Milliarden Euro teure Umverteilungsmaschine läuft weiter. Für die Jahre 2027 bis 2029 sieht das Wirtschaftsministerium derzeit weitere Zuschüsse von jeweils 5,525 Milliarden Euro zu den Übertragungsnetzkosten vor. Über diese drei Jahre hinweg sind das weitere rund 16,6 Milliarden Euro, die zwar bezahlt werden müssen, aber nicht auf der Stromrechnung landen. Dieses Thema habe ich auch in meinem Buch „Der Windkraft-Wahn“ ausführlich behandelt, weil die Verfechter der Energiewende gerne behaupten, Wind und Sonne würden ja kostenlos Strom produzieren.

Auf jeden Fall zeigt der aktuelle Strompreisvergleich, wie teuer diese Energiewende schlussendlich für Bürger und Unternehmen geworden ist. Wie will man so überhaupt global wettbewerbsfähig bleiben, wenn andere zentrale Faktoren wie Lohnkosten, Steuern und Abgaben im internationalen Vergleich ebenfalls im oberen Niveau liegen?

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