Zensur durch die Hintertür: Campact will 62 YouTube-Kanälen den Geldhahn zudrehen

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Keine Behörde muss einen Kanal verbieten, kein Richter muss eine Veröffentlichung untersagen und YouTube muss nicht einmal die Löschtaste drücken. Campact zeigt, wie sich oppositionelle Medien trotzdem wirtschaftlich bekämpfen lassen: Man stellt deren Werbekunden an den Pranger und zwingt sie damit auf Abstand. Auf der schwarzen Liste stehen 62 YouTube-Kanäle – darunter NIUS, Apollo News, Tichys Einblick und die Weltwoche.

Es ist eine Zensurkampagne, die sich als Kampf gegen „Hass und Hetze“ verkleidet. Rund 15.000 Campact-Unterstützer wurden losgeschickt, um auf ausgewählten YouTube-Kanälen Werbeanzeigen zu erfassen. Knapp 40.000 Meldungen kamen zusammen. Anschließend schrieb die linke Kampagnenorganisation rund 90 Unternehmen an und teilte ihnen mit, dass ihre Werbung auf den politisch unerwünschten Kanälen erschienen sei. Die Firmen sollten diese auf Sperrlisten setzen und dafür sorgen, dass kein Werbegeld mehr bei ihnen landet.

Die Anzeigen werden auf YouTube in aller Regel automatisiert ausgespielt. Ein Unternehmen, dessen Werbung in einem Video erscheint, hat dieses Video damit weder ausgewählt noch politisch unterstützt. Campact deutet die algorithmische Platzierung trotzdem zur Finanzierung von „Hass und Hetze“ um. Aus einer gewöhnlichen Werbeeinblendung wird eine moralische Mitschuld konstruiert – und aus dieser konstruierten Mitschuld entsteht das Druckmittel gegen die Unternehmen.

Campacts Botschaft lässt wenig Raum für Missverständnisse: Sperrt diese Kanäle, oder euer „guter Ruf“ könnte Schaden nehmen. Die Firmen bekommen die schwarze Liste gleich mitgeliefert und dürfen anschließend beweisen, dass sie auf der richtigen Seite stehen. Ein Gesetz ist dafür ebenso überflüssig wie ein Gerichtsurteil. Der linke Verein Campact erhebt die Anklage, fällt das Urteil und organisiert anschließend den wirtschaftlichen Vollzug.

Das ist politische Erpressung über den Umweg des Reputationsdrucks. Campact stellt Unternehmen vor die Wahl, entweder den geforderten Boykott mitzutragen oder selbst in den Verdacht zu geraten, angebliche „Hetzkanäle“ zu finanzieren. Der Angriff läuft nicht über YouTube, sondern über jene Unternehmen, deren Werbegelder einen Teil der journalistischen Arbeit finanzieren. Die Kanäle bleiben online – nur verdienen sollen sie möglichst nichts mehr.

Gesinnung entscheidet über die schwarze Liste

Mit strafbaren Inhalten hat die Auswahl nur am Rande zu tun. Campact nennt drei Kriterien: Die Kanäle würden gegen Minderheiten hetzen, „der rechtsextremen AfD nahestehen“ oder fortlaufend Falschinformationen (ja, ausgerechnet die linke Fake-News-Schleuder, die wegen den Falschbehauptungen gegenüber des Potsdamer Treffens gerichtlich abgemahnt wurde) verbreiten. Eine Verurteilung ist nicht erforderlich. Bereits eine von Campact behauptete Nähe zur AfD genügt, um ein Medium zum Ziel eines wirtschaftlichen Boykotts zu machen.

Aldi Süd, Kleinanzeigen, Indeed, XXXLutz, DEVK, AXA, dm, Edeka, Procter & Gamble und weitere Unternehmen haben Campact inzwischen angekündigt, ihre Sperrlisten anzupassen. Rewe, Samsung, Sparkasse, Booking und andere wollen die Forderung prüfen. Knapp 30 Reaktionen verbucht Campact bereits als Erfolg. Die schwarze Liste ist damit keine folgenlose Zusammenstellung linker Feindbilder. Sie beginnt, den betroffenen Kanälen tatsächlich Werbeeinnahmen zu entziehen.

Nach Informationen der Welt umfasst die an die Unternehmen verschickte Liste 62 Kanäle. 44 davon ordnet Campact der AfD zu. Neben den offiziellen Auftritten von Alice Weidel, Björn Höcke, Ulrich Siegmund und anderen AfD-Politikern finden sich darauf auch NIUS, Apollo News, Tichys Einblick und die Schweizer Weltwoche. Welt-Autor Marc Felix Serrao wollte von Campact wissen, nach welchen Maßstäben diese Medien ausgewählt wurden. Die meisten seiner Fragen blieben unbeantwortet. Einzelne Videos, Einstufungen des Verfassungsschutzes und Veröffentlichungen linker NGOs reichen offenbar aus, um ein Medium auf die wirtschaftliche Abschussliste zu setzen.

Apollo News zeigt, wie willkürlich die Kontaktschuld funktioniert. Campact rechnet das Medium dem angeblichen „AfD-Vorfeld“ zu, obwohl Apollo die Partei und insbesondere deren Russlandpolitik wiederholt scharf kritisierte. Alice Weidel beschimpfte die Redaktion sogar als „Opfer der Bildungskatastrophe“. Für Campact zählt weder diese offene Feindschaft noch die tatsächliche Berichterstattung. Die Amadeu-Antonio-Stiftung hat das Etikett geliefert, Campact übernimmt es und trägt es zu den Werbekunden. Eine linke NGO schreibt das Urteil, die nächste organisiert den Boykott.

Damit wird auch die eigentliche Stoßrichtung sichtbar. Es reicht längst nicht mehr, kein offizielles Parteimedium der AfD zu sein. Eine kritische Haltung zur Regierung, zur Migrationspolitik, zur Energiewende oder zum linksgrünen Meinungskartell genügt, um von selbst ernannten „Demokratieschützern“ in die Nähe der Partei gerückt zu werden. Danach beginnt dieselbe Maschinerie: Etikettieren, Werbekunden erfassen, Unternehmen anschreiben und Einnahmen abschneiden.

Ein Verbot würde Widerstand auslösen, Gerichte beschäftigen und unangenehme Fragen zur Meinungs- und Pressefreiheit aufwerfen. Der wirtschaftliche Würgegriff ist viel bequemer. Das Medium darf weitersenden, solange es sich die Arbeit noch leisten kann.

26 Millionen Euro für den Meinungskampf

Campact versteckt das Ziel nicht. Auf der eigens eingerichteten „Adwatch“-Seite werden Unterstützer mit der Parole begrüßt: „Gemeinsam entziehen wir Hetz-Kanälen ihre Werbepartner.“ Die Aktivisten sollen Videos durchsehen, eingeblendete Marken notieren und an Campact melden. Eine politische Organisation lässt damit Tausende Unterstützer systematisch die Geschäftspartner missliebiger Medien erfassen, um diese anschließend unter Druck zu setzen.

Dabei handelt es sich nicht um eine kleine Gruppe politischer Hobbyaktivisten. Campact nahm 2025 nach eigenen Angaben 26,25 Millionen Euro ein – mehr als jemals zuvor. Davon flossen 13,88 Millionen Euro direkt in die Kampagnenarbeit, darunter 9,2 Millionen Euro in Projekte zur „Stärkung der Demokratie und gegen Rechtsextremismus“. Mit diesem Millionenapparat greift Campact nun die wirtschaftliche Grundlage konservativer und oppositioneller Medien an. Das Etikett „Demokratieschutz“ wird zur Lizenz, andere Stimmen finanziell auszuhungern.

Campact will keine Debatte mit NIUS, Apollo News, Tichys Einblick oder der Weltwoche führen. Die Organisation widerlegt keine einzelnen Artikel und stellt sich keiner offenen Auseinandersetzung. Stattdessen erstellt sie Sperrlisten, mobilisiert Tausende Helfer zur Erfassung von Werbekunden und marschiert anschließend bei den Unternehmen auf. Argumente wären offenbar zu mühsam. Der Griff zum Geldhahn verspricht schnellere Ergebnisse.

Zensur benötigt im digitalen Zeitalter keine uniformierten Beamten mehr. Es genügt ein finanzstarker NGO-Apparat, der Medien zu „Hetzkanälen“ erklärt, ihre Geschäftspartner zusammentreibt und diesen reputative Konsequenzen in Aussicht stellt. Die Meinungsfreiheit bleibt auf dem Papier bestehen, während ihre wirtschaftliche Grundlage Stück für Stück zerstört wird. Die Kampagne richtet sich deshalb nicht nur gegen die 62 aufgeführten Kanäle. Sie sendet eine Drohung an alle anderen: Haltet Abstand zur AfD, bleibt innerhalb des erlaubten Meinungskorridors und legt euch besser nicht mit den linken Demokratieaufsehern an. Andernfalls stehen morgen vielleicht eure Werbekunden auf Campacts Sammelliste.

Der Staat muss keine Zensurbehörde mehr einrichten, wenn linke Vereine wie Campact und willfährige Unternehmen die Drecksarbeit übernehmen.

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