Ceuta-Sturm gescheitert: Marokko stoppt Migranten vor der Grenze

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Der für den 15. August angekündigte neue Massenansturm auf Ceuta war kein bloßes Internet-Gerücht. Hunderte Migranten machten sich tatsächlich auf den Weg zur spanischen Exklave, wurden diesmal jedoch bereits auf marokkanischem Gebiet gestoppt. Rabat demonstrierte damit eindrucksvoll, wie schnell eine Grenze gesichert werden kann – wenn der politische Wille vorhanden ist.

Rund drei Kilometer vor Ceuta war die Reise zu Ende. Auf den Hügeln bei Fnideq, dem früheren Castillejos, trafen die Migranten am Samstag nicht wieder auf untätige Grenzposten, sondern auf geschlossene Reihen marokkanischer Bereitschaftspolizisten. Die Sicherheitskräfte setzten Schlagstöcke und Tränengas ein, trieben die Gruppen auseinander und verfrachteten aufgegriffene Migranten in Busse. Während Ende Juli noch Zehntausende nahezu ungehindert über die Strände und Wellenbrecher nach Ceuta gelangten, ließ Rabat diesmal gar nicht erst zu, dass sich eine entsprechend große Menschenmenge unmittelbar vor der Grenze sammeln konnte.

Nach Angaben marokkanischer Sicherheitskreise wurden mindestens 148 Migranten abgefangen, die meisten von ihnen stammten aus Staaten südlich der Sahara. Zuvor hatten marokkanische Medien von rund 300 Personen berichtet, die am Vorrücken in Richtung Ceuta gehindert worden seien. Weitere 61 Menschen wurden wegen des Verdachts festgenommen, zur illegalen Migration aufgerufen zu haben. Die Mobilisierung über soziale Netzwerke hatte also durchaus Folgen – nur blieb der angekündigte Grenzsturm weit hinter den Dimensionen zurück, welche Spanien nach den Ereignissen vom 30. und 31. Juli befürchtet hatte.

Rabat zeigt, was möglich ist

Damals gelangten nach späteren Angaben aus Madrid rund 72.000 Menschen nach Ceuta. Spanische Medien beziffern die Zahl der Toten inzwischen auf bis zu 141. Die Invasoren kamen über das Meer, schwammen um den Grenzwellenbrecher herum oder drängten über Land in die völlig überforderte Stadt. Marokkanische Sicherheitskräfte standen teilweise nur wenige Meter entfernt, ohne den Zustrom überhaupt unterbinden zu wollen. Am 15. August hingegen sperrte Rabat Straßen, kontrollierte Busse, überwachte die Küste, räumte Ansammlungen und griff bereits mehrere Kilometer vor der spanischen Grenze durch.

Spanien hatte sich unterdessen auf das Schlimmste vorbereitet. Die Zahl der Polizisten in Ceuta wurde von rund 1.100 auf etwa 1.600 erhöht, hinzu kamen rund 2.000 Soldaten. Guardia Civil, Nationalpolizei und Militär verstärkten Straßen, Strände, Hafenanlagen und öffentliche Gebäude. Urlaubssperren wurden verhängt, bereits abgereiste Soldaten mussten sich auf eine mögliche Rückbeorderung einstellen. Noch vor wenigen Wochen hatte Innenminister Fernando Grande-Marlaska bestritten, rechtzeitig vor dem ersten Grenzsturm gewarnt worden zu sein – obwohl militärische Stellen und Grenzbeamte längst Alarm geschlagen hatten. Nun mobilisierte Madrid auf einmal binnen weniger Tage Hunderte zusätzliche Einsatzkräfte.

Auf marokkanischer Seite lief die sogenannte „Operation Käfig“. Der Grenzübergang El Tarajal wurde mit zusätzlichen Sperren und Stacheldraht abgeriegelt, Wasserwerfer und gepanzerte Fahrzeuge standen bereit, Einheiten der Königlichen Marine patrouillierten entlang der Küste. Auch Drohnen und Hubschrauber wurden zur Überwachung eingesetzt. Die Grenze blieb ruhig, weil die potentiellen Invasoren gar nicht erst bis zu ihr durchkamen. Was Ende Juli angeblich kaum zu verhindern war, funktionierte zwei Wochen später plötzlich erstaunlich reibungslos.

Wie entschieden Rabat die Kontrolle über die Bilder behalten wollte, bekamen auch spanische Journalisten zu spüren. Reporter der Nachrichtenagentur EFE und des öffentlich-rechtlichen Senders TVE wurden aus Castillejos ausgewiesen, während die Polizei mit Schlagstöcken und Tränengas gegen die Migranten vorging. Ein örtlicher Vertreter des marokkanischen Innenministeriums drohte ihnen mit dem Entzug ihrer Akkreditierungen und der Beschlagnahmung ihrer Ausrüstung. Selbst die Hotels erhielten die Anweisung, die Journalisten hinauszuwerfen. Rabat stoppte damit nicht nur die Migranten, sondern auch jene, die das Vorgehen dokumentieren wollten.

Spaniens Grenze hängt an Rabats Willen

Der gescheiterte Ansturm liefert Madrid eine unbequeme Antwort auf die entscheidende Frage der vergangenen Wochen. Marokko besitzt sehr wohl die Kräfte, die Infrastruktur und die Informationen, um eine Massenbewegung in Richtung Ceuta frühzeitig zu zerschlagen. Straßensperren, Kontrollen im Hinterland und ein entschlossener Polizeieinsatz reichten aus, um die Grenze zu sichern. Dass dies Ende Juli nicht geschah, lässt sich nach dem 15. August kaum noch mit mangelnden Möglichkeiten erklären.

Für Spanien ist der Erfolg dennoch kein Grund zur Entwarnung. Die Außengrenze der Europäischen Union wurde nicht allein durch spanische Soldaten, zusätzliche Polizisten oder neue Sperranlagen geschützt, sondern vor allem durch eine Entscheidung in Rabat. Solange Madrid seine Grenzsicherheit faktisch an Marokko auslagert, besitzt das nordafrikanische Königreich einen politischen Hebel, den es jederzeit wieder bewegen kann. Am heutigen 15. August blieb Ceuta verschont, weil Marokko die Tür geschlossen hielt. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob der nächste Ansturm organisiert werden kann – sondern wann Rabat erneut beschließt, nicht mehr davorzustehen.

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