Keine Feinde: Russland befürwortet Ausweitung des israelischen Einflusses auf Zentralasien

Symbolbild: KI

Von der russischen Führung wird die Türkei als latente Bedrohung wahrgenommen. Israel hingegen gilt Russland als Freund: Beide Mächte teilen das Interesse an der Eindämmung des türkischen Einflusses. Das führt Kreml-Sprachrohr Andrew Korbyko in einem interessanten Beitrag aus.

Wie bereits an anderer Stelle ausgeführt, hat Israel ein Interesse daran, nicht allein vom Wohlwollen der jeweiligen US-Regierung abhängig zu sein. Um gegen den Iran und seine Proxys einerseits und die Achse Türkei-Katar-Muslimbruderschaft andererseits bestehen zu können, braucht der jüdische Staat Verbündete.

Die israelische Führung arbeitet daran und hat regional die Beziehungen mit Griechenland und Zypern, die ebenfalls von der Türkei bedroht sind, vertieft. Auch das von der Türkei und Aserbaidschan bedrängte Armenien ist ein natürlicher Verbündeter – und außerdem die drusischen und christlichen Minderheiten in Syrien und im Libanon. Dazu kommen relativ moderne moslemische Staaten wie die VAE.

Diese „kleinen Verbündeten“ reichen aber letztlich nicht aus. Deshalb haben Israel und Indien, die beide historische und aktuelle Feinde des Dschihadismus sind, ihre Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren ausgebaut.

Israels Interesse gegenüber Russland

Darüber hinaus hat Israel ein geopolitisches Interesse an einer Reparatur des Verhältnisses zu Russland. Infolge der Offensive der Biden-USA, der EU und ihrer Satelliten über die Ukraine und der Sanktionen war Russland gezwungen, sich andere Verbündete zu suchen oder zumindest die Neutralität anderer Staaten zu sichern. Das hat Russland in Koalitionen mit islamischen Kräften gebracht, die sicherlich nicht erste Wahl waren.

Der israelische Premier Netanyahu hatte davor traditionell ein gutes und fast freundschaftliches Verhältnis zum russischen Präsidenten Putin. Mit dem Krieg um die Ukraine haben sich die Beziehungen allerdings verschlechtert. Obwohl die Israelis die Regierung in Kiew, deklarierte Fans des antisemitischen Rechtsextremisten Stepan Bandera, nicht mag, hat sie die Ukraine dennoch halbherzig unterstützt – aufgrund des Drucks der Biden-Regierung in Washington und der Abhängigkeit Israels von den USA. In der Folge hat Russland seine bisher israelfreundliche Haltung aufgegeben und den Iran nicht daran gehindert, seine Proxys Hamas, Hisbollah und Huthis von der Leine zu lassen.

Angesichts der neuen Regierung in den USA, die an einer Schlichtung in der Ukraine und verbesserten Beziehungen zu Russland interessiert ist, ist auch eine Reparatur des israelisch-russischen Verhältnisses möglich. Etwa 15 Prozent der Israelis kommen aus Russland und sprechen oft auch noch Russisch. Sie sind eine wichtige Basis der Netanyahu-Regierung und haben oft noch einen positiven Bezug zu Russland. Und Putin mag die Islamisten ohnehin nicht; er hat genug negative Erfahrungen in Tschetschenien und Zentralasien gemacht, die Al-Kaida-Dschihadisten in Syrien waren jahrelang die Feinde der dortigen russischen Militärs. Auch das russische Verhältnis zur Türkei ist ambivalent.

Türken und Israelis in Zentralasien

Andrew Korybko ist ein US-amerikanischer politischer Analyst, der in Moskau lebt. Er wird in alternativen Medien oft und gerne als Kontrapunkt zum westlichen Mainstream wiedergegeben. Gleichzeitig gilt er als politisches Sprachrohr des Kremls. Er hat nun einen bemerkenswerten Beitrag publiziert, der sich dem russisch-israelischen Verhältnis widmet.

Korbyko spricht davon, „wie Israels Abraham-Abkommen und das ‚Große Turan‘ der Türkei um Zentralasien ringen – und wer wirklich davon profitiert“. Israel bemühe sich darum, die Staaten Zentralasiens dazu zu bewegen, dem Beispiel Kasachstans vom Ende des vergangenen Jahres zu folgen und dem Abraham-Abkommen beizutreten, um so die Gräben zwischen ihnen und der Türkei zu vertiefen. Kasachstan, Kirgisistan und Usbekistan sind allesamt Mitglieder der von der Türkei geführten „Organisation der Turkstaaten“ (OTS).

Die Türkei und ihr Verbündeter Aserbaidschan würden die OTS als Instrument einsetzen, um den russischen Einfluss in Zentralasien zurückzudrängen. Dieser Prozess sei Teil des von den USA angeführten „Cordon Sanitaire“ , den eine „Trump 2.0“-Administration um Russland herum errichtet habe. Alles, was den türkischen Einfluss in Zentralasien schwächt – etwa die Entscheidung der drei zentralasiatischen OTS-Mitglieder im vergangenen Jahr, die Republik Zypern als einzige legitime Regierung der Insel anzuerkennen –, sei daher ganz im Sinne Russlands.

Philosemit Putin

Zwar hätten sich die Beziehungen Russlands zu Zypern und Griechenland seit 2022 aufgrund des amerikanischen Drucks auf diese Länder verschlechtert, doch das Verhältnis zu Israel sei eng geblieben – ungeachtet der scharfen Kritik, die Vertreter wie die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa, an Israels militärischem Vorgehen in der Region geübt haben. Präsident Wladimir Putin sei ein überzeugter Philosemit. Er betrachte Russen und Israelis als „eine wahrhaft gemeinsame Familie“.

Israel hätte auch pragmatisch auf „Putins proaktive Annäherungsversuche“ reagiert und sich geweigert, dem US-Druck nachzugeben, Russland mit Sanktionen zu belegen oder die Ukraine zu bewaffnen. Dies galt laut Korbyko selbst für die Zeit nach dem Sturz Assads Ende 2024, als der Hauptgrund für diese Zurückhaltung – die Notwendigkeit, sich weiterhin bei Angriffen auf die IRGC vor Ort abzustimmen – entfallen war.

Berichten zufolge habe sich Israel unmittelbar danach sogar bei den USA dafür eingesetzt, die russischen Stützpunkte in der Region als Gegengewicht zur Türkei zu erhalten. Aus diesen Gründen wurde Israel von Russland nie offiziell als „unfreundlicher Staat“ eingestuft.

Britisches Komplott?

Korbyko geht in seinem Beitrag dann noch auf die Behauptung ein, dass Israel in Zentralasien als Stellvertreter (des traditionell antirussischen) Großbritannien agiere und dass London von einer israelisch-türkischen Rivalität in dieser Region profitieren würde. Zwar treffe es zu, dass Großbritannien im vergangenen Jahr eine KI-Partnerschaft mit Israel und den Unterzeichnerstaaten der Abraham-Abkommen ins Leben gerufen hat, was den britischen Einfluss in Zentralasien tatsächlich vergrößern könnte.

Daraus folge aber keineswegs automatisch, dass die Ausweitung des israelischen Einflusses in Zentralasien Teil eines britischen Komplotts ist. Die israelisch-türkische Rivalität in der Region diene Russlands eigenen Interessen, indem sie den türkischen Einfluss dort zurückdränge. Russland hätte daher nichts gegen das Vorgehen Israels in der Region einzuwenden und könnte dieses sogar aktiv unterstützen – etwa indem es bei seinen Partnern, allen voran Kirgisistan, dafür wirbt, sich dem Abraham-Abkommen anzuschließen.

Hinzugefügt werden kann, dass das Verhältnis der israelischen Rechtsregierung zur links-globalistischen und proislamischen Administration in London keineswegs gut ist (siehe etwa hier). Zu Putin hat Netanyahu sicherlich ein besseres Verhältnis als zu Keir Starmer und seinem Nachfolger Andy Burnham.

Viele „nicht-russische, aber pro-russische Influencer“ würden, so Korbyko, Unwahrheiten über die russisch-israelischen Beziehungen verbreiten, indem sie die beiden Staaten fälschlicherweise als Feinde darstellen, um auf dieser irreführenden Grundlage Sympathien für Russland zu gewinnen. Das sei falsch. Russland betrachte die Türkei als latente Bedrohung, während Israel als Freund mit gemeinsamen Interessen wahrgenommen werde.

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