Mehrere Studien zeigten bereits auffällige Korrelationen zwischen linken, sogenannten progressiven Überzeugungen und psychischen Problemen. Unabhängige Forscher aus den USA wagten es nun, in einem Review-Artikel die kognitiven Verzerrungen hinter bekannten links-woken Thesen zu „diagnostizieren“. Das Problem: Ein System, das diese Verzerrungen im Zuge politischer Korrektheit an Schulen und Universitäten lehrt, schafft einen Teufelskreis und treibt immer mehr Menschen in die psychische Erkrankung.
Kognitive Verzerrungen beruhen auf Denkprozessen, bei denen einzelne Details aus dem Kontext gerissen und überbewertet werden. Es sind im Grunde Aufmerksamkeitsverzerrungen. Diese Denkmuster müssen nicht zu psychischen Erkrankungen führen, sind aber beispielsweise bei Menschen mit Depressionen und Angststörungen vermehrt beobachtbar.
Forscher aus den USA haben in einem Review-Artikel eine „Diagnose“ von Kernannahmen der Critical-Social-Justice-Theorie (CSJ) gewagt: Sie ordneten im Grunde klassische Überzeugungen der Wokeria kognitiven Verzerrungen zu. Sie verorteten Verzerrungen wie Schwarz-Weiß-Denken, Übergeneralisierungen und Tunnelblick, aber auch die Überhöhung der eigenen Wahrnehmungen durch emotionales Schlussfolgern abseits von Fakten oder vermeintliches Gedankenlesen, wobei anderen Menschen Denkweisen einfach unterstellt werden.
| Kernannahmen der Critical Social Justice (CSJ) | Zugeordnete kognitive Verzerrungen |
|---|
| Die Welt ist in Unterdrücker und Unterdrückte geteilt; Weiße und BIPOC; Privilegierte und Benachteiligte; Mächtige und Ohnmächtige; Herrschende und Beherrschte; Kolonisatoren und Kolonisierte. CSJ-Vertreter wissen, was „unterdrückte“ Personen und Gruppen denken und wollen. | Dichotomes Denken (Schwarz-Weiß-Denken): Die Welt wird in zwei gegensätzliche Kategorien eingeteilt. Gedankenlesen: Die Annahme, zu wissen, was andere denken oder wollen, ohne alternative Möglichkeiten zu berücksichtigen. |
| Individuelle „gelebte Erfahrung“ hat Vorrang vor einer gemeinsamen, intersubjektiven Aushandlung von Bedeutung. | Emotionales Schlussfolgern: Etwas gilt als wahr, weil es sich subjektiv wahr anfühlt. Personalisierung: Das Verhalten anderer wird auf die eigene Person bezogen, ohne andere Erklärungen zu erwägen. |
| Diskriminierung erfordert identitätsbasierte Gegendiskriminierung. Gegenwärtige Diskriminierung verlangt nach Gleichheit der Ergebnisse („Equity“), einschließlich Wiedergutmachung. „Das einzige Mittel gegen rassistische Diskriminierung ist antirassistische Diskriminierung. Das einzige Mittel gegen vergangene Diskriminierung ist gegenwärtige Diskriminierung. Das einzige Mittel gegen gegenwärtige Diskriminierung ist zukünftige Diskriminierung.“ Unterschiede bei Ergebnissen müssen auf Diskriminierung bzw. strukturellen Rassismus zurückzuführen sein. | „Sollte“- und „Muss“-Denken: Starre Vorstellungen darüber, wie Menschen oder die Gesellschaft sein sollten. Etikettierung: Menschen oder Gruppen werden mit festen, umfassenden Zuschreibungen versehen. Dichotomes Denken: Wahrnehmung ausschließlich in gegensätzlichen Kategorien. |
| Eine schwarze ethnische Identität bedeutet dauerhafte Unterdrückung. Ansprüche aufgrund ethnischer Identität haben Vorrang vor anderen sozialen Identitäten; negative Interaktionen werden implizit rassisch erklärt. | Katastrophisieren: Negative Entwicklungen werden als zwangsläufig angenommen. Etikettierung: Starre Zuschreibungen aufgrund von Identität. Abwertung des Positiven: Positive Erfahrungen oder Entwicklungen werden ausgeblendet oder entwertet. Tunnelblick: Konzentration ausschließlich auf negative Aspekte. Übergeneralisierung: Aus einzelnen Beobachtungen werden weitreichende allgemeine Schlussfolgerungen gezogen. |
| Sprache und Worte werden mit „Schaden“ oder „Trauma“ gleichgesetzt. „Worte sind Gewalt“ und „Schweigen ist Gewalt“. | Alles-oder-Nichts-Denken: Nur extreme Kategorien werden berücksichtigt. Emotionales Schlussfolgern: Gefühle werden als Beweis für objektive Wahrheit angesehen. Katastrophisieren: Die negativen Folgen von Sprache werden als besonders gravierend angenommen. Vergrößerung/Verkleinerung: Negative Aspekte werden überbetont, positive relativiert. |
Man sollte nicht dem Glauben aufsitzen, dass solche Verzerrungen nur bei „woken“ Menschen zu finden wären. Tunnelblick, Schwarz-Weiß-Denken, Katastrophisierungen und Schlussfolgerungen rein auf Basis von Emotionen verursachen nicht nur psychisches Leid, sondern machen empfänglich für ideologisches Denken und ebnen den Weg in jede Form von Radikalisierung. Das medizinische Establishment im Westen hat allerdings einen Linksdrall: Woke Theorien werden hier mit Freude vermittelt (und das vorzugsweise als unumstößliche Fakten).
Weg in die Katastrophe?
Das bereitet den Autoren Sorge. Denn: Die Problematik dieser verzerrenden Denkweisen wird massiv verschärft, wenn sie im Rahmen von therapeutischen Settings bestärkt werden. Den Therapeuten und Beratern von morgen wird dieses Denken an den Schulen und Universitäten so vermittelt. Sie werden es also mit hoher Wahrscheinlichkeit in ihrer Arbeit auf Patienten und Klienten übertragen. Die Autoren spielen auf Bildungsreformen in den USA an, die CSJ-Theorien zu fixen Lehrinhalten machen sollen. Doch ihre Schlussfolgerungen sind auf andere Nationen übertragbar, denn woke Indoktrination findet auch in Ländern wie Deutschland oder Österreich statt.
Die Autoren bringen das Beispiel an, dass ein Therapeut die Wahrnehmung eines Patienten, er wäre angeblich von einem Supermarktmitarbeiter ignoriert worden, kurzerhand zum Beispiel für „Unterdrückung“ oder „Diskriminierung“ umschreiben könnte. Der Patient sieht sich somit als Opfer eines ungerechten Systems – obwohl er vielleicht einfach zu leise gesprochen und der Mitarbeiter ihn gar nicht gehört hat. Oder einem Patienten wird eingeredet, dass er seine Probleme verdient haben könnte, weil er ein weißer Mann ist. Werden Menschen, denen man einredet, sie müssten aufgrund ihrer Hautfarbe und ihres Geschlechts alles Schlechte hinnehmen, psychisch gesünder?
Das Fazit der Autoren: „Mit Blick auf die Zukunft dürfte die verpflichtende Vermittlung von CSJ-Ideen in Psychologie, Beratung, Sozialer Arbeit und der Hochschulbildung im Allgemeinen sowie deren Priorisierung durch Top-down-Maßnahmen eine nationale Katastrophe sowohl für Fachkräfte im Bereich der psychischen Gesundheit als auch für deren Klienten bedeuten.“
Eine ähnliche Negativspirale zeichnet sich beim Transgenderismus ab, der von Therapeuten nach Ansicht der Wokeria eher kritikfrei bestärkt denn als Symptom eines zugrundeliegenden psychischen Problems behandelt werden soll. Patienten in psychotherapeutischer Behandlung sind vulnerabel und oftmals leicht beeinflussbar. Hier kann Menschen massiv geschadet werden – unter Applaus von Ideologen, die für sich beanspruchen, die „Guten“ zu sein.






