Die Energiewende boomt dank der Politik, doch sie hinterlässt einen wachsenden Berg an Altlasten. Was passiert mit ausgemusterten Windkraftanlagen, deren riesige Rotorblätter das Ende ihrer Laufzeit erreicht haben? Ein aktueller Prozess vor dem Landgericht Weiden gegen einen Recycling-Unternehmer legt ein massives, deutschlandweites Entsorgungsdefizit offen und zeigt, wie aus einem „grünen“ Versprechen ein illegaler Müllskandal wurde.
Seit dem 11. Juni steht ein Weidener Unternehmer vor Gericht. Der Vorwurf lautet auf illegale Verbringung von rund 700 Tonnen Windkraft-Schrott und E-Auto-Batterien nach Tschechien. Als einer der Hauptzeugen sagte nun der ehemalige Geschäftsleiter der Firma aus, ein Ingenieur und Spezialist für Recyclingtechnik. Seine Bilanz zum Thema Windrad-Rotorblätter ist ernüchternd, denn eine stoffliche Wiederverwertung im großen Stil existiert praktisch nicht. Rotorblätter bestehen aus hochbelastbaren Faserverbundstoffen, hauptsächlich glasfaserverstärktem Kunststoff und teilweise auch carbonfaserverstärktem Kunststoff.
Das Problem liegt in der Natur des Materials, da die Blattschalen in einer komplexen Sandwichbauweise gefertigt sind. Glasfasern und Epoxidharz sind dabei fest mit Kernmaterialien wie Balsaholz oder PVC-Schaum verklebt. Weil diese Komponenten extrem fest ineinander laminiert sind, um den enormen Windkräften standzuhalten, ist eine nachträgliche Trennung unmöglich. Die Folge ist, dass die tonnenschweren Bauteile fast ausschließlich geschreddert und thermisch verwertet, also in Zementwerken bei bis zu 1450 Grad Celsius verbrannt werden müssen.
Das Geschäftsmodell der Firma schien zunächst lukrativ. Für die Anlieferung ganzer, bis zu sechs Meter langer Rotorblätter kassierte das Unternehmen rund 350 Euro pro Tonne. Nach dem Schreddern auf eine Größe von 20 Zentimetern mussten die Abnehmer jedoch mit 170 Euro pro Tonne dafür bezahlt werden, dass sie das Material überhaupt annahmen. Auf die irritierte Nachfrage des Gerichts stellte der Zeuge nüchtern fest, dass Abfall nun einmal Geld koste.
Dieses System kollabierte im Frühjahr 2024, als das Landratsamt Schwandorf das mechanische Zerkleinern mangels Genehmigung ausdrücklich untersagte. Da die Abnehmer nur geschreddertes Material akzeptierten, stapelten sich die riesigen Bauteile schnell meterhoch auf dem übervollen Lagerplatz in Wernberg. Trotz des Verbots wurden laut Aussagen des Betriebsleiters weiterhin Abfälle angenommen, da die Kunden angesichts des bundesweiten Entsorgungsnotstands von ganz alleine kamen. Als der Platzmangel drohte, präsentierte der angeklagte Firmenchef von heute auf morgen die tschechische Firma Piroplastik als vermeintliche Lösung und ordnete den sofortigen Transport an.
Ab Mai 2024 rollten Dutzende Lkw-Ladungen über die Grenze, während der Geschäftsleiter nach eigenen Angaben im Dunkeln gehalten wurde. Erst im Weihnachtsurlaub habe er durch Medienberichte vom Skandal erfahren. Eigene Recherchen in den Firmenbilanzen hätten schließlich das Ausmaß von bis zu 700 Tonnen illegal verschobenem Schrott bestätigt. Die tschechische Empfängerfirma entpuppte sich als reine Briefkastenfirma in einer Altstadtwohnung in Ostrava. Statt einer modernen Recyclinganlage erwarteten den toxischen Müll dort lediglich illegale Lagerplätze auf der grünen Wiese. Erst als sich im Januar 2025 die Bürgermeisterin der Gemeinde Jirikov den Lastern in den Weg stellte, flog der Skandal auf. Mittlerweile wird auch im Nachbarland ermittelt, unter anderem gegen einen tschechischen Politiker, der bei den Geschäften half.
Vor Gericht zeichnete der Zeuge das Bild eines autokratischen Chefs, der alle Entscheidungen an sich riss und Mitarbeiter bewusst isolierte. Der Prozess verhandelt dabei nicht nur die illegale Müllentsorgung, sondern dem Unternehmer wird auch Körperverletzung vorgeworfen. So soll eine Batterie-Recyclinganlage der Firma weiterbetrieben worden sein, obwohl bereits massiv erhöhte Schadstoffwerte in der Luft und gefährliche Mengen von Nickel und Kobalt im Blut der Angestellten nachgewiesen worden waren.
Am Ende bleibt nur giftiger Sondermüll übrig, der lediglich auf Mülldeponien landet oder in Öfen zur Zementerzeugung verbrannt werden muss. Sehr umweltfreundlich ist dies jedoch auch nicht. Doch der Bevölkerung versucht man dennoch, die Windkraft als einen der Stützpfeiler einer angeblich „klimaneutralen“ Energieerzeugung zu verkaufen. Doch zu welchem Preis?






