US-Präsident Donald Trump lässt beim G7-Treffen in Evian aufhorchen. Weil er mit Israels Erfolgen gegen die Hisbollah in Syrien nicht zufrieden ist, soll das neue syrische Regime das erledigen. Also die sunnitischen Al-Kaida-Mörderbanden gegen die schiitischen Hisbollah-Fanatiker.
Trump ist für seine jähen Wendungen, teils auch eigenartig bis skurril, berühmt-berüchtigt. Das gilt auch für die Nahostpolitik.
Nachdem er dem Terrorregime in Teheran die Vernichtung angedroht hatte, scheint er nun mit den Mullahs einen „Deal“ zu machen, der die iranische Bevölkerung und Israel verrät. In Syrien hat er die langjährigen kurdischen Verbündeten ans Messer geliefert und das neue Dschihadistenregime, das von international gesuchten Al-Kaida-Terroristen angeführt wird, unterstützt.
Al-Kaida nach Syrien
Beim G7-Treffen in Evian wurde Trump nun so richtig kreativ. Bei einem Pressegespräch äußerte er sich zum Libanon und zu Syrien. Die entsprechenden Ausschnitte finden sich in diesem Video von Mansur Ashkar:
Trump prahlt zuerst damit, dass er selbst „sehr verantwortlich für Syrien“ gewesen sei: „Der Mann, der Syrien jetzt führt, ist eine Person, die ich gemeinsam mit Präsident Erdogan eingesetzt habe. Er macht einen tollen Job, indem er alle zusammenbringt.“ Er sei sehr fähig und habe alles getan, was er, Trump, gewollt hätte.
Es handelt sich um Ahmed al-Scharaa, der bis 2025 als international gesuchter Al-Kaida-Terrorist auf der entsprechenden Liste der UNO stand. Al-Kaida ist immerhin die Organisation, die 2001 die Terroranschläge in New York durchgeführt hatte. Für Hinweise zur Ergreifung von al-Scharaa hatten die USA 2013 beachtliche 10 Millionen Dollar ausgeschrieben.
Seitdem er in Syrien gemeinsam mit anderen Terrorgruppen die Regierung stellt, hat das Regime eine Reihe von Massakern an Christen, Drusen, Alawiten und Jesiden durchgeführt. Es wird eine schrittweise ethnische Säuberung durchgeführt. Der dschihadistische Unterrichtsminister hat Englisch und Musik im Unterricht weitgehend abgeschafft, weil das „haram“ ist.
Al-Scharaa, so Trump weiter, würde die Hisbollah, die schiitischen Terroristen im Libanon, nicht mögen. Israel würde die Hisbollah schon zu lange bekämpfen. Zu viele Menschen würden dabei getötet. Deshalb hätte er, Trump, Israel vorgeschlagen, dass sich Syrien um die Hisbollah kümmern solle: „Ich denke, sie würden einen besseren Job machen.“
„Der bescheuertste Vorschlag“
Mansur Ashkar, ein israelischer Druse, der früher bei einer israelischen Spezialeinheit war und jetzt politischer Kommentator ist, sagt dazu an Trump gewandt:
„Die syrische Armee besteht aus Al-Kaida und ISIS. Du hast gesehen, was sie mit den Alawiten gemacht haben. Du hast gesehen, was sie mit den Christen gemacht haben. Du hast gesehen, was sie mit den Drusen gemacht haben. Du siehst, was sie mit den Juden machen wollen. Was denkst du, werden sie machen, wenn sie in den Libanon gehen?“
Und Ashkar gibt auch die wenig politisch-korrekte Antwort: „Sie werden alles niederbrennen. Sie werden von Frauen bis zu Ziegen alles vergewaltigen. Und sie werden einen besseren Job machen als Israel? Weiß er nicht, was im syrischen Bürgerkrieg passiert ist? (…) Die hunderttausenden unschuldigen Zivilisten, die in diesem Krieg getötet wurden? Ist er sich bewusst, wie Krieg im Nahen Osten aussieht, wenn Moslems gegen Moslems kämpfen?“
Wenn sich Al-Kaida und Hisbollah im Libanon bekriegen würden, würde – so Ashkar – der Konflikt in Gaza dagegen wie Disneyland wirken. Was glaube Trump, dass die syrische Armee besser machen würde? Hätten die Al-Kaida-Banden bessere und genauere Raketen, einen besseren Geheimdienst oder eine bessere Luftwaffe als Israel? Glaubt Trump, die syrische Armee würde im Vorfeld eines Angriffes die Feuerwehr informieren und die Anwohner per SMS warnen: „Verlassen Sie das Gebäude, wir werden es gleich bombardieren“? Das tut Israel. Glaubt Trump, dass Al-Kaida das auch tun wird?
Ashkar scherzt bitter, dass er sich wünschen würde, dass dieser dumme Vorschlag von Trump umgesetzt würde und die sunnitischen und schiitischen Verrückten sich gegenseitig umbringen. Aber natürlich kann niemand, der bei Verstand ist, einen syrischen Einmarsch im Libanon gutfinden. Es würden nicht nur dschihadistische Fanatiker sterben, sondern auch zahllose Christen und Drusen, die zusammen etwa die Hälfte der Bevölkerung ausmachen.
Hintergrund der Idee
Im syrischen Bürgerkrieg waren die Hisbollah-Kämpfer aus dem Libanon eine wichtige Stütze für das säkulare, aber dennoch proiranische Assad-Regime. Sie waren motivierter und von höherem Kampfwert als viele Soldaten der Assad-Armee. Ein proiranisches Syrien war für die Hisbollah auch wichtig, um die militärische Versorgung durch das Mullah-Regime in den Libanon zu bekommen.
Als die Hisbollah nach dem Beginn des Gaza-Krieges von Teheran gegen Israel von der Leine gelassen wurde, wurden ihre Milizionäre im Libanon gebraucht. Das hat den Sturz des Assad-Regimes durch die Al-Kaida-Terrorbanden, unterstützt von der Türkei und Katar, erleichtert. Die neuen Herrscher in Syrien allerdings haben mit der Hisbollah noch einige Rechnungen offen – und umgekehrt wohl auch. Eine direkte Konfrontation im Libanon würde wohl extrem grausam ausfallen.
Ashkar stellt die Frage, wer Trump solch bizarre Ideen einflüstert. Die Türkei oder Katar? Beide könnten durchaus daran interessiert sein, über die neue syrische Armee ihren Einfluss im Libanon auszuweiten. Und Katar hat durch Geschenke und Investitionen sicherlich auch auf die aktuelle US-Regierung einigen Einfluss (wir haben berichtet).
Mit einem Aspekt, der unterschwellig mitschwingt, hat Trump allerdings Recht: Wenn die syrische Armee gegen die Hisbollah vorgeht und dabei hunderttausende Menschen ums Leben kommen, wird die internationale Aufregung wesentlich geringer sein, als wenn bei israelischen Angriffe einige tausend sterben.
Es würde keine Demonstrationen, Besetzungen und Hyperventilation des Kulturbetriebs geben. Die links-globalistische Mainstream-Öffentlichkeit hat in den vergangenen Jahren nachdrücklich bewiesen, dass sie Massenmorde durch Mohammedaner im Jemen, im Sudan, in Syrien etc. hartnäckig beschweigen kann – während sie gegen den jüdischen Staaten dieselbe Empörung auspackt wie gegen „Corona-Leugner“, „Klima-Leugner“, „Putin-Versteher“ und migrationskritische „Rassisten“.
