Was bleibt von der Ukraine eigentlich noch übrig? Die bittere Wahrheit über den Abnutzungskrieg

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Während westliche Regierungen und Mainstream-Medien unermüdlich von taktischen Erfolgen schwärmen und russische Verluste in den Fokus rücken, offenbart sich abseits der Schlagzeilen eine andere, deutlich dramatische Realität. Der Ukrainekrieg hat in diesen Tagen einen düsteren Meilenstein erreicht: Er dauert nun bereits länger an als der Erste Weltkrieg. Doch die alles entscheidende Frage wird im Westen systematisch ausgeblendet: Kann die Ukraine die Kosten eines derart langen Abnutzungskrieges gegen einen übermächtigen Gegner tragen, ohne dabei ihre eigenen demografischen, wirtschaftlichen und sozialen Fundamente vollständig zu zerstören?

Die westliche Diskussion wird geprägt von Berichten über technologische Innovationen, Drohnen und dramatische Langstreckenangriffe auf das russische Territorium. Zweifellos zeigt die Ukraine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit und fügt ihrem Gegner mit Hilfe ihrer westlichen Verbündeten massiven Schaden zu. Doch diese Erzählung verschleiert die zentrale Natur dieses Konflikts: Genau wie der Erste Weltkrieg ist es im Kern ein brutaler Abnutzungskrieg. Er wird nicht durch Schlagzeilen oder Wunderwaffen entschieden, sondern durch das unermessliche Leid und den Blutzoll der Männer auf beiden Seiten.

Die entscheidende Frage ist schon lange nicht mehr, ob Kiew Russland Schaden zufügen kann – das kann es. Die Frage ist, ob es dies in einem Ausmaß tun kann, das die eigenen politischen Ziele erreicht, ohne dabei militärische, soziale und demografische Verluste zu erleiden, die den Fortbestand der eigenen Nation gefährden. In einem Abnutzungskrieg erzählen feindliche Verluste nämlich nur die halbe Geschichte. Es geht nämlich vor allem auch um Durchhaltevermögen: Welche Seite kann ihre Ausfälle ersetzen, die soziale Kohäsion wahren und den Kampf länger aufrechterhalten?

In der westlichen Berichterstattung wird uns regelmäßig suggeriert, Russland verzeichne ein Vielfaches an Toten im Vergleich zur Ukraine. Regierungen spielen die eigenen Ausfälle systematisch herunter, um die öffentliche Unterstützung und den stetigen Fluss an Geldern nicht zu gefährden. Doch diese Verzerrung der Realität ist brandgefährlich – und sie wird den Gefallenen nicht gerecht. Im Ersten Weltkrieg publizierten selbst Staaten wie Deutschland, Frankreich oder Großbritannien schonungslos Verlustlisten. Heute hingegen regiert das Prinzip der Informationskontrolle.

Wie dramatisch die Lage wirklich ist, zeigt eine Episode aus London: Bei einem Abendessen wurde ein gut vernetzter, ehemaliger ukrainischer Regierungsbeamter abseits der Kameras gefragt: „Sagen Sie mir, ohne Bullshit: Wie ist das wahre Verlustverhältnis?“ Nach kurzem Zögern antwortete der Ukrainer leise: „Eins zu eins.“ Auf die erstaunte Frage nach der Quelle lautete die ernüchternde Antwort: „Der Generalstab.“ Ob diese Zahl auf die Nachkommastelle stimmt, ist fast zweitrangig. Entscheidend ist: In bestens informierten ukrainischen Kreisen wird offenbar nicht von massiven, überproportionalen russischen Verlusten ausgegangen, sondern von Parität.

Ein Eins-zu-Eins-Verhältnis ist für die Ukraine ein Todesurteil auf Raten. Jedem öffentlichkeitswirksamen ukrainischen Drohnenschlag auf eine russische Raffinerie stehen massive russische Angriffe auf eine viel kleinere ukrainische Wirtschaft und Infrastruktur gegenüber. Russland verfügt über mehr als das Dreifache der Bevölkerung, gigantische industrielle Ressourcen und staatliche Einnahmen, die durch Öl- und Gasexporte abgesichert sind. Die Ukraine hat hier enorme Nachteile.

Die demografische Krise der Ukraine – die Bevölkerung schrumpfte schon vor dem Krieg – hat längst das Stadium einer Katastrophe erreicht. Millionen sind in den Westen geflohen, weitere Millionen leben in russisch kontrollierten Gebieten. Die Realität lautet: Kaum jemand, der in den Westen geflohen ist, plant jemals zurückzukehren. Und es gibt keine Männer. Wer durch Städte außerhalb Kiews fährt, bemerkt das völlige Fehlen von Männern im wehrfähigen Alter. Sie sind an der Front, verwundet, im Ausland oder versuchen verzweifelt, der unnachgiebigen Mobilmachung zu entgehen.

Selbst wenn die Waffen heute schweigen würden: Was erwartet die Soldaten, die zurückkehren? Über eine Million kriegserfahrener, oftmals schwer traumatisierter und körperlich versehrter Männer werden Jobs und eine Perspektive brauchen. Ein Gebiet größer als England ist vollständig mit Minen und Blindgängern verseucht. Auf diesen Feldern liegen noch immer die Überreste zehntausender getöteter Soldaten, die nicht identifiziert oder geborgen werden konnten.

Der Wiederaufbau der Ukraine wird viele Hunderte Milliarden Euro verschlingen. Allein zur Aufrechterhaltung grundlegender staatlicher Dienste – und das in einem Land, in dem Korruption ein massives Dauerproblem bleibt – fehlen Kiew jährlich zig Milliarden. Wer soll das bezahlen? Die zusammengebrochene ukrainische Wirtschaft? Die naive Vorstellung, man könne Russland zwingen, diese astronomische Rechnung zu begleichen, hat mit der Realität wenig zu tun. Es ist völlig klar: Am Ende wird man erwarten, dass die Länder der Europäischen Union – und damit der europäische Steuerzahler – die Zeche zahlen.

Die europäischen Eliten setzen darauf, dass die Ukraine irgendwie obsiegt. Doch Hoffnung ist keine Strategie. Eine echte Strategie würde eine schonungslose und ehrliche Bewertung der Verluste, Stärken und Grenzen beider Seiten erfordern. Momentan wird im Westen nur allzu gerne darüber diskutiert, wie viele Russen sterben. Worüber absichtlich geschwiegen wird, ist die alles entscheidende Frage: Welche Art von Ukraine wird überhaupt noch übrig sein, wenn das Morden eines Tages aufhört?

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