Die Diskussion über Mobilfunk und Gesundheit wird seit Jahren kontrovers geführt. Während Behörden und Netzbetreiber auf geltende Grenzwerte verweisen und vor allem Hersteller jede Gesundheitsgefahr leugnen, sehen Kritiker Gefahren für Mensch, Tier und Pflanzenwelt. Einer der bekanntesten Vertreter dieser Position ist der deutsche Physiker Prof. Dr. Klaus Buchner. In einem Interview anlässlich eines Symposiums der MWGFD in Bayern erläuterte er seine Sicht auf die wissenschaftliche Datenlage zu 5G, biologischen Wirkmechanismen und möglichen gesundheitlichen Folgen elektromagnetischer Strahlung.
Prof. Dr. Klaus Buchner gehört zu den bekanntesten deutschen Wissenschaftlern, die sich seit Jahren kritisch mit Mobilfunktechnologien auseinandersetzen. Der Physiker studierte in München und Edinburgh, promovierte am Max-Planck-Institut für Physik und Astrophysik und arbeitete unter anderem am europäischen Forschungszentrum CERN in Genf. Forschungsaufenthalte führten ihn zudem nach Kyoto und Chandigarh. Von 1973 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2006 war er Dozent und Professor an der Technischen Universität München. Buchner veröffentlichte rund 60 wissenschaftliche Arbeiten. Politisch engagierte er sich in der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP), war von 2003 bis 2010 deren Bundesvorsitzender und vertrat die Partei von 2014 bis 2020 im Europäischen Parlament. Dort beschäftigte er sich unter anderem mit Mobilfunk und Gesundheitsschutz.
Im Interview anlässlich des Pressesymposiums der MWGFD vom 2. Mai 2026 erklärt Buchner, dass elektromagnetische Strahlung biologische Prozesse in Zellen beeinflussen kann. Als Beispiel nennt er Calciumkanäle in Zellmembranen. Diese würden durch Funkstrahlung geöffnet, wodurch vermehrt Calciumionen in die Zellen eindringen könnten. Dies löse eine Kette chemischer Reaktionen aus, bei der sogenannte reaktive Sauerstoffverbindungen entstehen. Diese könnten wiederum die Erbsubstanz schädigen.
Besonders deutlich äußert sich der Physiker bei der Frage nach DNA-Schäden. Er verweist auf zahlreiche Studien, die nach seiner Auffassung Veränderungen der Erbsubstanz dokumentieren. Diese Schäden könnten langfristig zu schweren gesundheitlichen Folgen führen. Buchner zieht dabei Parallelen zu bekannten Strahlungseffekten aus dem Bereich der Radioaktivität. Die zugrunde liegenden Mechanismen seien zwar unterschiedlich, das Endergebnis der Schädigung weise jedoch Ähnlichkeiten auf.
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs betrifft die geltenden Mobilfunkgrenzwerte. Buchner kritisiert diese scharf. Die heutigen Grenzwerte würden ausschließlich auf der Annahme beruhen, dass Funkstrahlung nur über Erwärmungseffekte schädlich sein könne. Zahlreiche biologische Wirkungen, die unterhalb dieser Schwellen auftreten würden, seien dadurch nicht berücksichtigt. Aus seiner Sicht seien die geltenden Regelungen deshalb ungeeignet, gesundheitliche Risiken angemessen abzubilden.
Auf die Frage nach der aktuellen wissenschaftlichen Beweislage antwortet Buchner eindeutig. Er sieht ausreichend wissenschaftliche Belege für gesundheitliche Schäden durch Mobilfunkstrahlung. Neben DNA-Veränderungen verweist er auf Untersuchungen zu Gehirnströmen, Schlafstörungen und neurologischen Auswirkungen. Weitere Forschung sei zwar sinnvoll, um Details besser zu verstehen, die grundlegenden Zusammenhänge hält er jedoch für ausreichend dokumentiert.
Besorgt zeigt sich der ehemalige Europaabgeordnete auch mit Blick auf kommende Mobilfunkgenerationen. Bei 6G erwartet er aufgrund höherer Frequenzen und größerer Bandbreiten eine weitere Zunahme der Belastung. Nach seiner Darstellung würden zahlreiche Untersuchungen darauf hindeuten, dass mit steigender Frequenz auch die biologischen Effekte zunehmen könnten.
Nicht nur Menschen, sondern auch Pflanzen seien betroffen, argumentiert Buchner. Er verweist auf Untersuchungen, bei denen Schäden an Bäumen in der Hauptstrahlrichtung von Mobilfunksendern beobachtet worden seien. Die Strahlung werde von den Pflanzen absorbiert und könne über Jahre hinweg zu sichtbaren Veränderungen führen. Dabei verweist er auf Forschungsarbeiten und eigene Dokumentationen entsprechender Beobachtungen.
Abschließend gibt Buchner praktische Empfehlungen zur Verringerung der persönlichen Belastung. Besonders kritisch bewertet er WLAN-Router, schnurlose Telefone und sogenannte Smart-Meter-Systeme in unmittelbarer Nähe von Aufenthaltsbereichen. Entscheidend sei nicht allein die Sendeleistung eines Gerätes, sondern die tatsächliche Strahlungsintensität am Aufenthaltsort des Menschen. Wer die Belastung reduzieren wolle, solle daher zunächst die eigenen Strahlungsquellen im unmittelbaren Wohnumfeld überprüfen.
