Von den Klimafanatikern wird die Energiewende oft wie ein Kinderspiel dargestellt: Windräder bauen, Solaranlagen aufstellen – und für die Tage ohne Wind und Sonne stellt man einfach ein paar Großbatterien auf. Doch wer die rosarote Brille absetzt und den Taschenrechner hernimmt, stößt schnell auf die Grenzen dieser Ideen. Das Szenario, eine typische Winter-Dunkelflaute in Deutschland rein über Batteriespeicher abzusichern, ist irrsinnig.
Die Argumentation in den Mainstream-Medien und den Konzeptpapieren grüner Vordenker klingt bestechend simpel: Wenn Kohle- und Gaskraftwerke erst einmal komplett abgeschaltet sind und kein Strom mehr aus dem Ausland importiert werden soll, müssen eben riesige Batteriespeicher einspringen. Sie sollen den überschüssigen Ökostrom für schlechte Zeiten speichern. Doch in der Realität stößt man hierbei rasch an verschiedene Grenzen.
1.560 Gigawattstunden: Der Hunger eines einzigen Wintertags
Um die absurden Dimensionen solcher Ideen zu begreifen, muss man sich zunächst die realen Verbrauchsdaten vor Augen führen. An einem normalen, kalten Wintertag benötigt Deutschland zurzeit eine kontinuierliche Netzlast von rund 65 Gigawatt (GW). Daraus ergibt sich für einen einzigen Tag (24 Stunden) ein Strombedarf von satten 1.560 Gigawattstunden (GWh) – beziehungsweise 1,56 Millionen Megawattstunden. Dabei handelt es sich wohlgemerkt um den aktuellen Ist-Zustand. Sobald Millionen Wärmepumpen und Elektroautos wie politisch gewünscht flächendeckend am Netz hängen, prognostizieren Experten für die Zukunft einen Bedarf von eher 2.500 bis 3.000 GWh pro Wintertag. Doch bleiben wir für die folgende Rechnung extrem konservativ beim heutigen, niedrigeren Wert.
Als Referenz für ein rein batteriegestütztes Backup nehmen wir das derzeit modernste und gängigste Großspeichersystem der Industrie: das Tesla Megapack 2XL auf Basis der Lithium-Eisenphosphat-Technologie (LFP). Ein einziger dieser schiffscontainergroßen Blöcke liefert eine Kapazität von knapp 4 Megawattstunden (MWh). Um den deutschen Strombedarf von nur einem einzigen Tag Dunkelflaute komplett zu puffern, müssten in der gesamten Bundesrepublik exakt 390.000 Tesla Megapacks aufgestellt werden. Diese müssten übrigens mit Überschussstrom aufgeladen werden.
Das hat nicht nur finanzielle, sondern auch massive räumliche Konsequenzen: Ein solches Megapack benötigt inklusive Sicherheitsabständen, Kühlsystemen und Wechselrichtern etwa 30 bis 40 Quadratmeter Stellfläche. Das bedeutet eine reine Netto-Stellfläche von rund 12 bis 15 Quadratkilometern. Um sich das bildlich vorzustellen: Das entspricht der Fläche von weit über 2.000 Fußballfeldern – dicht an dicht vollgestellt mit Batterie-Containern. Und das alles für den Puffer von gerade einmal 24 Stunden.
Die Plünderung des Weltmarktes: Die Rohstoff-Illusion
Nun wird von Verteidigern dieser Strategie gern angeführt, dass moderne LFP-Zellen auf das hochproblematische Kobalt und Nickel verzichten. Das stimmt zwar, rettet die Bilanz aber keineswegs. Denn der Bedarf an den verbleibenden Kernkomponenten sprengt jeden vernünftigen Rahmen. Basierend auf aktuellen Industriedaten verbraucht die Herstellung von einer Kilowattstunde LFP-Speicherkapazität rund 0,8 Kilogramm Lithium-Karbonat-Äquivalent (LCE) sowie rund 2,2 Kilogramm Graphit für die Anoden.
Hochgerechnet auf unser 1-Tages-Szenario für Deutschland ergibt sich ein astronomischer Rohstoffbedarf von rund 1,25 Millionen Tonnen lCE und 3,4 Millionen Tonnen Graphit. Zum Vergleich: Die weltweite Gesamtproduktion von Lithium liegt derzeit bei umgerechnet knapp 950.000 Tonnen LCE pro Jahr. Mit anderen Worten: Deutschland müsste deutlich mehr als die weltweite Jahresproduktion an Lithium aufkaufen, nur um sich Batterien für einen einzigen Tag Dunkelflaute hinzustellen. Für den Rest der Welt – und für die weltweite Batterieproduktion – gäbe es in diesem Jahr kein einziges Gramm Lithium mehr.
Der Abbau dieser gigantischen Mengen, sei es durch das ökologisch verheerende Verdunsten von Salzsole in Südamerika oder den staubintensiven Hardrock-Bergbau in Australien, geht mit einem gewaltigen Wasserverbrauch und tiefen Einschnitten in lokale Ökosysteme einher. Der „grüne“ Strom wird so jedoch mit einer katastrophalen Umweltzerstörung erkauft. Vom restlichen (und vor allem zusätzlichen) Materialbedarf für die Netzinfrastruktur ganz zu schweigen.
Dann kommt noch die energieintensive Produktion der Batteriespeicher hinzu. In diesem Beispiel wären dies 312.000 GWh Strom – also etwa der gesamte Stromverbrauch Deutschlands von fast 200 Tagen. Nun gut, man könnte einwenden, dass diese Batteriepacks wohl 15 bis 20 Jahre halten sollten, bevor sie ihr „Ablaufdatum“ erreichen – doch wohin mit diesem Batteriemüll? Alles davon wird man nicht recyceln können.
Ist das wirklich „die Zukunft“?
Doch das sind nur die Zahlen für Deutschland alleine. Was ist mit der gesamten sich im Klimawahn befindlichen Europäischen Union? Was ist mit all den anderen Ländern weltweit, die ebenfalls verstärkt solche Batteriespeicher einsetzen wollen? Ganz zu schweigen vom Batterienbedarf für die Elektroauto-Flotte. In der Europäischen Union sollen bald nur noch Stromer unterwegs sein – und auch für diese braucht man Unmengen an Ressourcen. Und dann werden die wenigsten dieser Fahrzeuge überhaupt zehn Jahre auf den Straßen unterwegs sein. Ein noch schnellerer Ersatzzyklus also.
Haben sich die „Netto Null“-Fanatiker darüber eigentlich schon mal Gedanken gemacht? Oder spielt das in deren Planspielen vielleicht sogar überhaupt keine Rolle? Denn nur die pure Ignoranz gegenüber den ressourcentechnischen und weltwirtschaftlichen Realitäten kann als Erklärung dafür dienen, weshalb die verantwortlichen Politiker in Berlin und Brüssel überhaupt an solchen Ideen festhalten. Und noch einmal: Die obigen Zahlen beziehen sich nur auf einen einzigen Tag Dunkelflaute. Doch im Schnitt kommt es jedes Jahr in Deutschland auf rund zwei solcher mindestens drei Tage lang dauernder Zeiten ohne ausreichend Wind und Sonne. Rechnen Sie es sich aus, was man dafür an Batteriespeichern brauchen würde. Übrigens: Ein solcher Tesla-Batteriepack alleine kostet „schlüsselfertig“ etwa 1,5 bis 2 Millionen Euro. Mehr Nachfrage sorgt jedoch für höhere Ressourcenpreise, so dass das künftig eher der untere Preisrahmen sein dürfte. Wer soll dann für rund 400.000 oder gar 1,2 Millionen solcher Batteriespeicher finanziell geradestehen müssen?
