Netzinstabilität und hohe Strompreise: Die verdrängten Folgen europäischer Fehlpolitik

DI Dr. Martin Steiner im Report24 Studio

Steigende Strompreise, unsichere Netze und immer neue Milliardenprojekte für Windkraft und Photovoltaik beschäftigen viele Bürger. Während Politik und Medien den Ausbau erneuerbarer Energien als alternativlos darstellen, warnt DI Dr. Martin Steiner vor gravierenden technischen und wirtschaftlichen Folgen. Im Gespräch mit Florian Machl zeichnet der Energieexperte ein düsteres Bild der europäischen Energiepolitik. Es gehe um Versorgungssicherheit, Industriearbeitsplätze und die Stabilität des gesamten Stromnetzes.

Die steigenden Preise an den Tankstellen seien laut Steiner nur der sichtbarste Teil einer viel größeren Entwicklung. Teurer Diesel, Benzin und Erdgas würden sämtliche Bereiche der Wirtschaft erfassen. Transportkosten steigen, Produktionskosten steigen und am Ende verteuern sich praktisch alle Waren und Dienstleistungen. Besonders betroffen seien Lebensmittel, da auch Düngemittel und große Teile der landwirtschaftlichen Produktion unmittelbar von fossilen Energieträgern abhängen.

Steiner betont, dass Energiepreise immer auch Wohlstandspreise seien. Wenn Energie künstlich verteuert werde, treffe dies nicht nur Industrieunternehmen, sondern jeden einzelnen Haushalt. Handwerker, Lieferdienste und produzierende Betriebe müssten ihre Mehrkosten zwangsläufig weitergeben. Dadurch entstehe eine Spirale steigender Preise, die sich durch die gesamte Volkswirtschaft ziehe.

Fluktuierende Energie als Grundproblem

Im Zentrum der Kritik steht der massive Ausbau von Windkraft und Photovoltaik. Laut Steiner handle es sich dabei um sogenannte fluktuierende Energieformen. Strom werde logischerweise nur dann erzeugt, wenn Wind wehe oder die Sonne scheine. Eine moderne Industrienation könne sich darauf nicht verlassen, weil Strom jederzeit verfügbar sein müsse.

Besonders kritisch sieht Steiner die Auswirkungen auf die Netzstabilität. Er verweist darauf, dass Strom in jener Sekunde verbraucht werden müsse, in der er erzeugt werde. Eine dauerhafte Speicherung im großen Maßstab existiere praktisch nicht. Deshalb würden große Mengen an Wind- und Sonnenstrom erhebliche Probleme für die Stabilität der europäischen Stromnetze erzeugen.

Warnung vor Blackouts und Netzproblemen

Als Beispiel nennt Steiner den großflächigen Stromausfall auf der Iberischen Halbinsel. Zu hohe Anteile fluktuierender Energie hätten dort massive Probleme verursacht. Wenn zu viel unstetiger Strom gleichzeitig ins Netz eingespeist werde, könne dies zu Brownouts oder im schlimmsten Fall zu vollständigen Blackouts führen.

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Steiner erklärt, dass Österreich bereits heute an manchen Tagen enorme Mengen an Wind- und Sonnenstrom produziere. Dennoch könne das Land seinen Bedarf nicht zuverlässig selbst decken. Der Grund liege darin, dass auch die Nachbarländer gleichzeitig große Mengen Solar- und Windstrom erzeugen würden. Scheine die Sonne in Österreich, sei dies meist auch in Deutschland oder Frankreich der Fall. Dadurch entstünden europaweite Überkapazitäten.

Diese Überkapazitäten führten laut Steiner zu negativen Strompreisen. Produzenten müssten teilweise sogar bezahlen, damit ihr Strom abgenommen werde. Besonders Unternehmen mit direktem Zugang zum Strommarkt würden versuchen, ihre Produktion auf Zeiten extrem billiger Strompreise zu verlagern. Dadurch entstehe ein zunehmend instabiles und schwer kalkulierbares Energiesystem.

Pumpspeicher als österreichischer Vorteil

Positiv bewertet Steiner Österreichs Pumpspeicherkraftwerke. Diese könnten billigen Überschussstrom aufnehmen und später bei hohen Preisen wieder ins Netz einspeisen. Dadurch profitiere Österreich teilweise von den extremen Preisschwankungen am europäischen Strommarkt.

Gleichzeitig zeigt er jedoch auf, dass Wasserkraftwerke offenbar nicht mehr konstant betrieben würden. Wenn große Mengen Wind- und Sonnenstrom verfügbar seien, würden teilweise auch Wasserkraftwerke gedrosselt. Das gesamte Stromsystem orientiere sich zunehmend an kurzfristigen Börsenpreisen statt an langfristiger Versorgungssicherheit.

Industrie unter Druck

Besonders problematisch sei die Entwicklung für energieintensive Industriebetriebe. Unternehmen mit kontinuierlichen Produktionsprozessen könnten ihre Arbeit nicht einfach auf sonnige oder windreiche Stunden verschieben. Laut Steiner würden deshalb immer mehr Betriebe ihre Produktion reduzieren oder Europa ganz verlassen.

Die Kombination aus hohen Energiepreisen und wachsender Unsicherheit bei der Versorgung stelle eine massive Gefahr für den Industriestandort Europa dar. Ohne stabile und verlässliche Energieversorgung könne keine moderne Volkswirtschaft dauerhaft funktionieren.

Im Gespräch wird auch der Blick nach China gerichtet. Dort werde laut Steiner auf einen breiten Energiemix gesetzt, bestehend aus Kohle, Gas, Kernenergie sowie erneuerbaren Energieformen. Gleichzeitig investiere China massiv in moderne Kernkrafttechnologien und in die Forschung neuer Reaktortypen.

Diskussion über Kernenergie

Steiner bezeichnet die Abschaltung moderner deutscher Kernkraftwerke als politische Entscheidung mit schwerwiegenden Folgen. Gleichzeitig erklärt er, dass er selbst der klassischen Kernenergie kritisch gegenüberstehe. Druck- und Siedewasserreaktoren seien Technologien des vergangenen Jahrhunderts.

Großes Potenzial sieht Steiner hingegen bei Thoriumreaktoren und neuen Reaktorgenerationen. China und Russland würden hier bereits intensiv forschen und erste Anlagen betreiben. Europa hingegen verliere den Anschluss an diese Technologien. Langfristig brauche Europa laut Steiner jedenfalls verlässliche Energiequellen, die unabhängig von Wetterbedingungen funktionieren.

Kritik an Windkraftausbau

Scharfe Kritik übt Steiner schließlich am weiteren Ausbau der Windkraft. Er fordert einen vollständigen Windkraftausbaustopp in Österreich. Als Gründe nennt er Netzinstabilität, ökologische Schäden und ungelöste Entsorgungsprobleme bei Rotorblättern.

Besonders problematisch seien laut Steiner die mit PFAS beschichteten Rotorblätter. Diese sogenannten Ewigkeitschemikalien stünden im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein. Gleichzeitig gebe es bis heute kein vollständig überzeugendes Recyclingverfahren für ausgediente Rotorblätter.

Profiteure des Systems seien laut Steiner vor allem Betreiber von Windkraftanlagen, Banken und Versicherungen. Durch garantierte Einspeisetarife trügen sie kaum wirtschaftliches Risiko. Die Kosten würden letztlich von Stromkunden und Steuerzahlern getragen.

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