Iran und Libanon: Israelischer General hält Neuaufnahme des Krieges für unausweichlich

Symbolbild: KI

Amir Avivi, Sprecher des Israel Defense and Security Forums, analysiert den Zwischenstand im Iran und im Libanon. Er kritisiert Regierung und Verteidigungsindustrie und zeigt die Perspektiven für einen westlichen Sieg auf.

von Eric Angerer

Der General und Analytiker Amir Avivi ist der Sprecher des „Israel Defense and Security Forum“ (IDSF), eines Zusammenschlusses von 34.000 Reserveoffizieren mit guten Verbindungen zu Armeeführung und Regierung.

Er ist bekannt für seine nüchternen und differenzierten Einschätzungen und häufiger Gast bei israelischen TV-Sendern. Im jüngsten englischsprachigen „Briefing“ des IDSF analysiert er die aktuelle Lage an den verschiedenen Fronten. 

Zum Iran: Regime geschwächt, aber nicht gebrochen

Einleitend führt Avivi aus, dass die Militärschläge und die Blockade das Regime in Teheran zwar geschwächt, aber noch nicht gebrochen hätten. Nachdem die Mullahs auch den jüngsten Vorschlag der USA zurückgewiesen haben (und sogar weiter US-Reparationen und die Kontrolle über Hormus verlangen, Anm. EA), sei eine Neuaufnahme der Kampfhandlungen unausweichlich.

Konkret müssten drei Dinge kombiniert werden: erstens weitere Schläge gegen die politische und militärische Führung, zweitens Angriffe auf die Militäreinrichtungen und drittens nachhaltige Anstrengungen zur Öffnung der Meerenge von Hormus.

Auf Nachfragen der Hörer (der Livesendung) fügt Avivi hinzu, dass durchaus einiges erreicht sei. Das islamische Regime im Iran sei deutlich geschwächt. Es halte sich noch aufrecht durch die Hoffnung, dass die US-Regierung nicht konsequent sein und letztlich stoppen werde.

Genau deshalb müsse man konsequent weitermachen. Aufgeben sei keine Option. Wenn die Mullahs und die Pasdaran („Revolutionsgarden“) durch systematische Angriffe weiter geschwächt seien, könne man schließlich in einer Operation von einer Stunde das Elektrizitätsnetz des Landes ausschalten.

Schließlich könne man zum richtigen Zeitpunkt auch zum Aufstand der Bevölkerung gegen die Diktatur aufrufen. Dabei müsse man die Menschen vor Ort vor den Milizen des Regimes schützen, unter anderem durch den Einsatz von Drohnen.

Libanon und Gaza

Bezüglich der Kämpfe im Libanon kritisiert Avivi die Israel auferlegten Beschränkungen der USA. Sie würden Angriffe auf Stützpunkte der Terrormiliz Hisbollah im Zentral- und Nordlibanon weitgehend verunmöglichen.

Das wiederum gefährde israelische Soldaten und auch Siedlungen in Nordisrael. Der Kampf der Hisbollah würde aktuell kaum mit Kämpfern vor Ort im Südlibanon geführt, sondern mit Drohnen aus entfernteren Gebieten, wo man die Piloten aber nicht angreifen dürfe.

Im Gazastreifen kontrolliere man zwar weiterhin die Hälfte des Gebietes. Gleichzeitig verweigere die Hamas aber die vorgeschriebene Abgabe der Waffen und baue in der anderen Hälfte ihre Terrorstrukturen wieder auf. Das sei kein Dauerzustand.

Positiv für Israel schätzt Avivi die internationale Entwicklung ein. Trotz der Feindseligkeit in Teilen der westlichen Öffentlichkeit gäbe es Fortschritte in zwei Bereichen: erstens in der Entwicklung von guten Beziehungen in Südamerika und zweitens in der Normalisierung des Verhältnisses zu arabischen Staaten.

Kritik an Regierung und Verteidigungsindustrie

Avivi ist jemand, der die aktuelle israelische Regierung grundsätzlich unterstützt, der aber dort, wo er es für notwendig hält, auch Kritik übt.

Beispielsweise thematisiert Avivi im aktuellen Video die Gefahr durch kriminelle Clans unter arabischen Israelis, die Schutzgelder erpressen und über zehntausende Waffen verfügen würden. Er kritisiert, dass die israelische Regierung bezüglich dieses Sicherheitsrisikos inaktiv sei.

Ausführlicher problematisiert er Schwerpunktsetzungen der israelischen Verteidigungsindustrie. Sie würde aus Gewinnstreben vor allem auf teure Projekte setzen. Der Bereich der Drohnen, die billig seien und wenig Geschäft versprächen, sei vergleichsweise vernachlässigt worden.

Avivi erwähnt als Beispiel, dass die Ukraine allein im Jahr 2026 acht Millionen Drohnen produziert hätte. Das israelische Verteidigungsestablishment adaptiere nicht schnell genug an die aktuellsten Entwicklungen. Er fordert hier verstärkte Anstrengungen ein, auch um die Armee durch verschiedenste Drohnen personell zu entlasten.

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