Deutsche Lkw-Anhängerhersteller haben vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) eine Klage gegen die EU-Verordnung (EU) 2024/1610 eingereicht: Die bereits geltende Regelung schreibt verbindliche CO₂-Reduktionsziele auch für motorlose (!) Anhänger vor.
Von Richard Schmitt
Erneut ein bürokratisches „Meisterstück“ der EU-Kommission, das nach Ansicht der Lkw-Branche echte Klimaziele konterkariert, die Transportkosten explodieren lässt und mehr als 70.000 Arbeitsplätze in Deutschland und Europa gefährdet: Die kritisierte EU-Verordnung verpflichtet Hersteller, die simulierten CO₂-Emissionen von Sattelanhängern um 10 Prozent und von sonstigen Anhängern um 7,5 Prozent zu senken. Die Grundlage dafür ist das EU-eigene Simulationstool VECTO-Trailer. Wer die Ziele verfehlt, muss ab 2030 hohe Strafzahlungen von 4.250 Euro pro Fahrzeug und Gramm CO₂ pro Tonne/Kilometer leisten. Branchenintern rechnet man mit Preisanstiegen von bis zu 40 Prozent für neue Anhänger. Für viele mittelständische Betriebe könnte das existenzbedrohend sein.
Grotesker CO2-Ablasshandel
Dabei verursachen die motorlosen Anhänger selbst – natürlich – keinerlei Emissionen. Dennoch behandelt Brüssel sie wie eigenständige Klimasünder: Das VECTO-Tool bewertet theoretische Parameter wie reduzierte Bauhöhe oder geringeres Leergewicht positiv. In der Praxis führen solche Konstruktionen jedoch zu kleinerem Ladevolumen, noch mehr Leerfahrten und insgesamt höherem Lkw‑Verkehrsaufkommen. Statt CO₂ einzusparen, könnte die EU-Verordnung zum CO2-Ablasshandel den Gesamtausstoß sogar erhöhen – ein Paradebeispiel für die aktuelle EU-Politik, die reale Effekte ignoriert.
„Ein Tool, das CO₂-Einsparungen simuliert, obwohl in der Realität mehr Lkw unterwegs sind, steht im Widerspruch zu den Klimazielen. Wir brauchen reale Effizienzgewinne im Gesamtsystem statt modellierter Scheinlösungen“, kritisiert Gero Schulze Isfort, Sprecher der Interessengemeinschaft, laut prnewswire.com. „Die Verordnung in ihrer jetzigen Form gefährdet nicht nur die Klimaziele, sondern auch Standorte, Wettbewerbsbedingungen und über 70.000 Arbeitsplätze.“ Die klagenden Unternehmen – Fliegl Fahrzeugbau, Kögel Trailer, Krone Commercial Vehicle SE, Langendorf, Schmitz Cargobull, Schwarzmüller, System Trailers und Wecon – repräsentieren über 80 Prozent der Neuzulassungen in Deutschland und mehr als 70 Prozent in Europa.
Die Hersteller haben dazu auch längst bewiesen, dass sie Innovationen vorantreiben: Leichtbau, Aerodynamik, optimierte Reifen, Lenk- und E-Achsen sowie multifunktionale Systeme, die Leerfahrten reduzieren. Diese realen Fortschritte werden von der Verordnung jedoch nur unzureichend anerkannt. Stattdessen zwingt Brüssel die Branche in ein starres Simulationskorsett, das mit der Logistik-Praxis wenig zu tun hat. Experten sprechen offen von „Greenwashing per Verordnung“ – die EU-Kommission produziert schöne Modellzahlen, während die reale Umweltbilanz leidet.
Existenzielle Bedrohung für acht mittelständische Betriebe
Besonders bitter: Die acht Unternehmen sind überwiegend mittelständisch geprägt, berichtet eurotransport.de: Anders als globale Konzerne können sie nicht einfach Milliarden in kurzfristige Anpassungen pumpen oder die Produktion ins Ausland verlagern. Die Folgen wären verheerend – nicht nur für die direkten Arbeitsplätze, sondern auch für Tausende Zulieferer in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und anderen Regionen. Die EU riskiert damit genau das, was sie angeblich bekämpfen will: die Deindustrialisierung Europas zugunsten von Billigimporten aus Drittstaaten, die keiner derartigen Regulierung unterliegen.
Bereits im Vorfeld hatten die Hersteller beim Europäischen Gericht (EuG) eine Nichtigkeitsklage eingereicht, die mit formalen Argumenten abgewiesen wurde, nun läuft das Verfahren beim EuGH. Die Forderungen sind klar: Abschaffung des VECTO-Trailer-Tools, Moratorium bei Strafen und eine ganzheitliche Betrachtung des Straßengüterverkehrs statt isolierter, praxisferner Vorgaben.
Während man in China und in den USA auf echte technologische Durchbrüche setzt, produziert Brüssel immer neue Verordnungen, die Innovation bremsen und Arbeitsplätze vernichten. Die Klage der Anhängerhersteller ist ein Aufschrei des Mittelstands: Klimaschutz ja – aber bitte mit Verstand und nicht auf Kosten zehntausender Arbeitsplätze.
