Die AfD feiert einen historischen Durchbruch: Erstmals hat die Partei eine hauptamtliche Bürgermeisterwahl in Brandenburg gewonnen. In Zehdenick holte der AfD-Kandidat mit deutlicher Mehrheit bereits im ersten Wahlgang den Sieg – er brauchte nicht einmal eine Stichwahl.
Bei der Bürgermeister-Neuwahl am 10. Mai 2026 erhielt der AfD-Kandidat René Stadtkewitz 58,4 Prozent der Stimmen und setzte sich damit bereits im ersten Wahlgang gegen drei Mitbewerber durch: Stephan von Hundelshausen (FDP): 28,6 %, Wolf-Gernot Richardt (parteilos): 7,8 % und Dennis Latzke (Partei des Fortschritts): 5,2 %. Die Wahlbeteiligung lag bei 52,8 %. Das Quorum wurde erreicht.
Zehdenick im Landkreis Oberhavel (nördlich von Berlin) hat etwa 13.000 Einwohner. Bei der Wahl traten keine Kandidaten von CDU, SPD, Grünen oder Linken an.
Die Neuwahl wurde nötig, nachdem der zuvor gewählte parteilose Bürgermeister Alexander Kretzschmar sich nach nur wenigen Tagen im Amt krankgemeldet hatte und später durch einen Bürgerentscheid abgewählt wurde. Bereits bei der vorherigen Wahl 2025 hatte Stadtkewitz den Einzug in die Stichwahl geschafft, unterlag dort aber Kretzschmar.
René Stadtkewitz, der 1965 in Ost-Berlin geboren wurde, blickt auf eine lange politische Laufbahn zurück. Er war früher Mitglied der CDU und des Berliner Abgeordnetenhauses, gründete 2010 die Partei „Die Freiheit“ – bis 2013 war er deren Bundesvorsitzender. Seit 2024 ist er Mitglied der AfD und Teil der Stadtverordnetenversammlung von Zehdenick.
Der neue Bürgermeister hat angekündigt, sich vor allem um die Belange der Bürger vor Ort zu kümmern. Wie sich seine Amtszeit gestalten wird, bleibt abzuwarten – insbesondere im Umgang mit der Stadtverordnetenversammlung und möglichen politischen Blockaden.
Die AfD selbst spricht von einem „Vorgeschmack“ auf weitere Bürgermeister und Landräte.
Der Erfolg in Zehdenick dürfte die Debatte über die Etablierung der AfD in verantwortlichen Positionen weiter anheizen. Für die etablierten Parteien ist er ein Warnsignal, für die AfD ein weiterer Meilenstein auf kommunaler Ebene in Ostdeutschland. In Brandenburg liegt die Alternative seit Monaten stabil bei 34 % in Umfragen und ist damit klar stärkste Kraft.
Der Aufstieg der AfD belegt die tiefe Unzufriedenheit großer Teile der Bevölkerung mit der Politik bei Themen wie Migration, steigenden Lebenshaltungskosten, Energiewende und innerer Sicherheit. Solange das Altparteienkartell die Sorgen des Souveräns nicht ernst nimmt, dürfte der Vormarsch weitergehen.
