Rotorblatt gegen Infrastruktur: Die irren Transportwege von Windradteilen

Symbolbild: KI

Am Horizont wirken sie mitunter fast harmlos und filigran: ein Turm, drei Rotorblätter, mehr ist es nicht, das grüne Symbol für „saubere Energie“. Doch wer einmal gesehen hat, wie die Bauteile moderner Windkraftanlagen durch Dörfer, über Kreisverkehre und enge Landstraßen transportiert werden, bekommt eine andere Vorstellung von ihren tatsächlichen Dimensionen. Die aberwitzigen Transporte zeigen deutlich: Windkraft ist ein massiver Eingriff in Infrastruktur und Landschaft.

Haben Sie einmal einen Transport mit einem sogenannten Bladelifter gesehen? Dabei werden die gewaltigen Rotorblätter auf Spezialfahrzeugen aufgerichtet und während der Fahrt angehoben oder gedreht, damit sie überhaupt durch enge Kurven, Ortschaften und über schwieriges Gelände passen.

Die Bilder wirken fast surreal: Ein Rotorblatt, das am fertigen Windrad aus einigen Kilometern Entfernung wie ein dünner weißer Strich aussieht, schwebt haushoch über einer Straße. Die Spezialfahrzeuge rangieren im Schritttempo, während Mitarbeiter Kreuzungen und Kurven sichern.

Solche Transporte sind kein Einzelereignis, sondern geschehen im Zuge des Windkraftausbaus ständig. Mit jedem neuen Windpark müssen Rotorblätter, Turmsegmente und weitere Großkomponenten zunächst zu ihrem angedachten Standort geschafft werden.

Sperrungen und Stromabgeschaltungen

Wie groß der Aufwand werden kann, ließ sich im sächsischen Windpark Hausdorf beobachten. Dort werden fünf ältere Windräder durch drei neue Anlagen ersetzt. Zwei der neuen Anlagen erreichen eine Nabenhöhe von 112 Metern, die dritte sogar 166 Meter. Die alten Anlagen kamen auf lediglich 63 beziehungsweise 65 Meter.

Das Bautagebuch des Betreibers liest sich eher wie die Planung einer militärischen Operation. Zunächst musste die Transportstrecke zwischen Autobahnausfahrt und Windpark vorübergehend ausgebaut werden. Für besonders große Teile wurden sogenannte Plattenstraßen errichtet. Im Juli trafen die Großkomponenten auf einem Umladeplatz ein; anschließend wurden Rotorblätter und Turmteile teilweise durch enge Gassen manövriert. Der Betreiber selbst spricht auf der Website von „Zentimeterarbeit“.

Für die neun Rotorblätter waren mehrere einzelne Transporte nötig. Beim Transport durch den Ort Maxen musste stellenweise vorübergehend der Strom abgeschaltet werden. Erst nachdem am 23. Juli das letzte Rotorblatt den Windpark erreicht hatte, konnte der Betreiber verkünden, dass keine weiteren transportbedingten Stromabschaltungen mehr notwendig seien.

Kreisverkehre im Weg

Auch andernorts zeigt sich, dass bestehende Straßen für moderne Windkrafttechnik nicht gebaut wurden. Zwischen Mammendorf und Nannhofen in Bayern mussten gleich drei Kreisverkehre umgestaltet werden, damit Schwertransporter Bauteile für eine neue Windkraftanlage bei Rammertshofen passieren können. Die Arbeiten führten über mehrere Tage zu Sperrungen, Ampelregelungen und Umleitungen. Nach Abschluss der Transporte sollen die Umbauten im November wieder zurückgebaut werden.

Ähnlich sah es am Sirnitz-Windpark in Baden-Württemberg aus. Für einzelne Rotorblatttransporte wurden Ortsdurchfahrten und Abschnitte der L131 jeweils über Stunden gesperrt. Weitere Fahrten folgen an mehreren Tagen hintereinander. Wer Windkraft ausbauen will, bekommt diese Transporte zwangsläufig mitgeliefert.

Teurer Unfall: 60 Tonnen donnern vom Anhänger

Welche Dimensionen dabei bewegt werden, zeigte Anfang August ein Unfall bei Neumarkt in der Oberpfalz. Beim Herausfahren eines Schwertransporters aus einem Kreisverkehr brach eine Achse des Anhängers. Ein Turmsegment eines Windrades kippte von der Ladefläche und rollte in einen angrenzenden Grünstreifen. Das Bauteil wog rund 60 Tonnen.

Für die Bergung musste ein Spezialkran anrücken, die Bundesstraße 299 blieb bis in die Morgenstunden vollständig gesperrt. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Der Sachschaden lag nach Angaben der Polizei aber im niedrigen sechsstelligen Bereich.

Diese Dimensionen gehen in der politischen Darstellung der Windkraft gerne verloren. Auf Broschüren und Visualisierungen stehen Windräder friedlich zwischen Feldern, meist vor blauem Himmel. Aus der Entfernung wirken sie auf viele Menschen harmlos. Das reale Bauwerk besteht dagegen aus Tonnen von Stahl, Beton und Verbundmaterialien, die in die Umwelt eingebracht werden. Sie brauchen gigantische Fundamente, Zufahrtswege, Kräne und Schwertransporte und verändern einen Standort für immer. Ist der Flatterstorm das wert?

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