In der Nacht zum 8. Juni 2026 kam es in Reutlingen (Baden-Württemberg) zu einem großflächigen Stromausfall. Ursache war ein Brand in einem Umspannwerk im Westen der Stadt. Zeitweise waren Zehntausende Haushalte in Reutlingen und den umliegenden Ortschaften ohne Strom. Die Ermittlungen deuten mittlerweile stark auf Brandstiftung hin. Die Vorgangsweise deutet auf den nächsten linksextremen Anschlag auf die kritische Infrastruktur hin.
Gegen 1:43 Uhr kam es im Umspannwerk Reutlingen-West zu einem Brand. Dadurch fiel dieses aus, eine weitere Anlage wurde in Mitleidenschaft gezogen. Zeitweise waren bis 40.000 Menschen ohne Strom. Die Feuerwehr konnte den Brand bis etwa 5 Uhr morgens löschen. Verletzte gab es keine. Die Stromversorgung wurde in den folgenden Stunden schrittweise wiederhergestellt; spätestens heute, 10. Juni, sollen alle Haushalte und Betriebe wieder mit Strom versorgt werden.
Nach Angaben des Netzbetreibers wurden in dem Umspannwerk drei separate Brandstellen entdeckt. Zudem war der Zaun des Geländes beschädigt, was auf ein gewaltsames Eindringen hindeutet. Die Behörden gehen daher inzwischen von Brandstiftung aus. „Nach derzeitigem Ermittlungsstand sind ein oder mehrere bislang noch unbekannte Täter auf das Gelände des Umspannwerks eingedrungen, um dort an mehreren Stellen Brände zu legen. Hierbei soll Brandbeschleuniger verwendet worden sein“, heißt es in einer Mitteilung des Landeskriminalamts (LKA).
Zwischenzeitlich hat das Staatsschutz- und Anti-Terrorismuszentrum, kurz SAT BW, beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg die weiteren Ermittlungen unter Sachleitung des Staatschutzzentrums bei der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart übernommen. Das SAT BW hat hierzu eigens die Ermittlungsgruppe „Fischer“ eingerichtet. Ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts der vorsätzlichen Brandstiftung und der Störung öffentlicher Betriebe wurde eingeleitet.
Aus Sicherheitskreisen heißt es, die Vorgehensweise – die gezielte Auswahl einer kritischen Infrastrukturanlage und die Art der Tat – deute auf einen linksextremistisch motivierten Anschlag hin. Es gebe Parallelen zu früheren Sabotageakten an der Energieinfrastruktur in Berlin. Ein Bekennerschreiben liegt bisher nicht vor.
Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) kündigte an: „Wir werden die Täter mit aller Härte zur Rechenschaft ziehen.“ Für eine endgültige Bewertung sei es aber noch zu früh. Es werde auch geklärt, ob wirklich „ein Brandanschlag hier vorliegt oder gar ein terroristischer Akt“. Hagel betonte, dass die Ermittlungen ergebnisoffen in alle Richtungen laufen. Auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) geht von einem Brandanschlag aus. Er wies allerdings darauf hin, dass es „gerade aus der linksextremistischen Szene Anschläge auf die Energieinfrastruktur gibt.“
Das Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet in der Region Reutlingen/Tübingen eine gewaltorientierte linksextremistische Szene im „niedrig zweistelligen Bereich“. Wie viele Gefährder bislang unterm Radar bleiben, ist unklar.
Linksextreme Anschläge bedeuten Lebensgefahr
Der Vorfall in Reutlingen erinnert an linksextremistisch motivierte Brandanschläge auf die Berliner Strominfrastruktur. Beim ersten Anschlag am 9. September 2025 wurden zwei Strommasten in Brand gesetzt. Zeitweise waren rund 50.000 Privathaushalte sowie etwa 2.000 Gewerbebetriebe ohne Strom. Der Ausfall dauerte rund 60 Stunden – erst am Nachmittag des 11. September 2025 war die Versorgung überall wiederhergestellt.
Beim zweiten Anschlag am 3. Januar 2026 wurden auf einer Kabelbrücke fünf Hochspannungs- und zehn Mittelspannungskabel zerstört. Die Stromversorgung konnte erst nach rund 100 Stunden, am 7. Januar, für alle Betroffenen wieder vollständig hergestellt werden. Damals herrschten eisige Temperaturen und es lag Schnee. Da viele Zentralheizungen durch den Stromausfall ausfielen, wichen Tausende Berliner zu Freunden, Bekannten oder in Hotels aus. Aus Einsatzprotokollen der Feuerwehr ging später hervor, dass dieser Anschlag für einige Menschen akute Lebensgefahr bedeutete. Damit zeigt sich überdeutlich, aus welcher Richtung die wahre Gefahr kommt: von links.
