„Hier leben Moslems“: Christen in Indonesien müssen Gottesdienste einstellen

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Indonesien präsentiert sich gerne als Heimat eines angeblich so toleranten und „moderaten“ Islam. In Ost-Java zeigt sich erneut, wie wenig diese Selbstdarstellung wert sein kann, sobald Christen ihren Glauben sichtbar ausüben wollen. Nach Protesten von Anwohnern muss eine christliche Gemeinde ihre Gottesdienste in einem selbst gekauften Gebäude vorerst einstellen.

Während die Moslems in Europa trotz des Baus von immer mehr Moscheen und Islamzentren gerne darüber jammern, dass ihre Religionsfreiheit (also die Durchsetzung von Scharia, Halal-Schächtungen und dergleichen) eingeschränkt werde, spielt sich im Ortsteil Sukalipuro in der Stadt Bangil in der indonesischen Provinz Ost-Java ein anderer Disput ab. Dort nutzt die Ostjavanische Christliche Kirche GKJW ein Gebäude für Gebete und Gottesdienste. Am 20. Juli wandten sich Vertreter der örtlichen Bevölkerung an das Regionalparlament von Pasuruan und verlangten ein Einschreiten.

Interessant daran ist allerdings weniger der vorgeschobene Streit um irgendwelche Genehmigungen als die Begründung, mit der die Gegner selbst an die Öffentlichkeit gingen. Das Viertel sei nicht christlich geprägt, sondern werde von Moslems bewohnt. Der Vorsitzende der örtlichen Bürgerorganisation, Aries, erklärte, man habe bereits bei einer früheren Kirche „nicht aufgepasst“ und nun gebe es schon wieder eine. Die Bewohner würden eine Kirche in einem mehrheitlich moslemischen Viertel ablehnen. Sinngemäß lautet die Botschaft: Hier leben Moslems – also wollen wir hier keine weitere Kirche. Religiöse Toleranz sollen gefälligst alle anderen gegenüber dem Islam zeigen, doch selbst ist man nicht gewillt, andere Religionen zu respektieren.

Das Problem begann mit dem Gottesdienst

Das Gebäude war von der christlichen Gemeinde allerdings weder besetzt noch illegal errichtet worden. Die Christen hatten es gemeinsam bei einer Versteigerung der staatlichen BRI-Bank gekauft. Zunächst wurde es vermietet, später fanden dort lediglich ein- oder zweimal im Monat Gebetstreffen statt. Der Widerstand wurde stärker, als die Christen das Haus tatsächlich für die Ausübung ihres Glaubens nutzten. Eine Vertreterin der Gemeinde berichtete, dass es insbesondere nach Gottesdiensten und einer Osterfeier Beschwerden gegeben habe. Einzelne Gegner hätten ihnen ausdrücklich untersagen wollen, dort zu beten. Selbst eine Nutzung an wenigen Tagen im Monat war manchen moslemischen Nachbarn bereits zu viel.

Hinzu kommt eine fast groteske Argumentation: Gegen das christliche Gebetshaus wurde unter anderem vorgebracht, dass sich in der Nähe bereits eine kleine moslemische Gebetsstätte befinde. In Europa werden jedoch immer mehr islamische Zentren und Moscheen gebaut – und das oftmals ebenfalls in der Nähe christlicher Kirchen. Doch während es sich hierbei vorwiegend um religiöse Bauten für die Massen an moslemischen Zuwanderern handelt, ist die christliche Gemeinde in Bangil schon lange ansässig. Jahrzehntelang verfügten sie über kein eigenes Gotteshaus und mussten Räume einer anderen protestantischen Gemeinde nutzen. Am 28. Juli folgte schließlich der vorläufige Sieg der Gegner: Das kirchliche Beratungsgremium von Pasuruan wies die GKJW an, die Gottesdienste im Gebäude vorerst einzustellen.

Die Gesetze begünstigen die Intoleranz gegen Christen

Während man zwar auch Eigentumsstreitigkeiten (immerhin wurde das Haus bei einer Versteigerung erworben) als eigentlichen Grund hinter den Streitigkeiten vermutet, wird jedoch deutlich, dass die angebliche Toleranz vielmehr eine jederzeit widerrufbare Erlaubnis darstellt. Gerade in einem von Moslems dominierten Land, zumal laut Koran das Endziel der Mohammedaner die totale Unterwerfung der Welt unter die islamische Herrschaft ist.

Indonesiens Gesetzgebung erleichtert diesen Mechanismus noch. Für die formelle Errichtung eines Gotteshauses sind nach den seit 2006 geltenden Vorschriften unter anderem mindestens 90 Gläubige und die Unterstützung von 60 Anwohnern erforderlich. Hinzu kommen weitere behördliche und religiöse Empfehlungen. Eine kleine christliche Gemeinschaft kann dadurch ausgerechnet auf das Wohlwollen jener moslemischen Mehrheit angewiesen sein, die ihre Kirche gar nicht haben will. Auf dem Papier garantiert Indonesiens Verfassung die Religionsfreiheit. In der Praxis kann sie für Christen dort enden, wo sich genügend Angehörige der moslemischen Mehrheit gestört fühlen und die Behörden dem Druck nachgeben.

Report24 berichtete bereits im Dezember über einen ähnlichen Fall in West-Java. Damals bildeten Moslems eine Menschenkette, um Christen am Besuch eines Adventsgottesdienstes zu hindern, während Polizisten danebenstanden. Auch dort ging es letztlich um dieselbe Frage: Wird die Religionsfreiheit einer Minderheit tatsächlich geschützt – oder nur so lange geduldet, wie die islamische Mehrheit keinen Anstoß daran nimmt? Der Fall von Bangil liefert darauf eine deutliche Antwort. Die Moslems in der Nachbarschaft können weiter ihre Gebetsstätte besuchen. Die Christen hingegen sollen nicht einmal ihr eigenes Gebäude dafür benutzen dürfen.

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