Heizkosten-Schock droht: Europas Gasspeicher auf 15-Jahres-Tief

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Der kommende Winter könnte für die Europäer zu einem eisigen und vor allem teuren Vergnügen werden. Während die EU-Eliten in Brüssel von der Energiewende träumen, prallt ihre Politik auf die nackte Realität der Geopolitik. Aktuelle Prognosen zeigen ein düsteres Bild: Die europäischen Gasspeicher dürften die Auffüllsaison im Oktober mit einer Kapazität von mickrigen 76 Prozent abschließen. Einen derart miesen Wert gab es zuletzt im Jahr 2011. Die drohende Konsequenz für Privathaushalte und Industrie ist klar – die Kosten dürften massiv anziehen.

Derzeit dümpeln die Speicher im EU-Schnitt bei gerade einmal 48 Prozent herum, wie die „Financial Times“ unter Berufung auf das Beratungsunternehmen Wood Mackenzie berichtet. Die Ursachen für dieses Desaster legen die fundamentale Verwundbarkeit der europäischen Energieversorgung gnadenlos offen. Der eskalierende Konflikt zwischen den USA und dem Iran hat die wichtigen LNG-Transporte durch die Straße von Hormus massiv gestört. Durch dieses Nadelöhr fließt im Normalfall gut ein Fünftel der weltweiten Flüssiggas-Lieferungen. Weil der Iran Energieanlagen in der Region attackiert hat, ist obendrein die Produktion in den Alternativmärkten Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten eingebrochen. Europas ideologisch motivierte Abkehr vom verpönten russischen Pipeline-Gas entpuppt sich einmal mehr als hochriskantes Vabanquespiel.

Am Gasmarkt zeigt sich dabei ein fatales Paradoxon. Die europäischen Referenzpreise liegen aktuell bei rund 40 Euro pro Megawattstunde. Das ist zwar weit vom Krisen-Irrsinn des Jahres 2022 entfernt, als die Preise auf 342 Euro explodierten, doch genau diese scheinbare preisliche Entspannung wird jetzt zur Falle. Das Preisniveau ist einfach viel zu niedrig, um die heiß begehrten zusätzlichen LNG-Spotladungen aus den USA nach Europa zu locken. Wenn die Preise in Asien lukrativer sind, stechen die LNG-Tanker eben dorthin in See, während Europa buchstäblich in die Röhre schaut. Und das, während man sich in einer absolut kritischen Phase der Bevorratung befindet.

Bei den Analysten der Großbanken macht sich ebenfalls Pessimismus breit. Goldman Sachs rechnet im allerbesten Fall mit einem Speicherstand von 74 Prozent, und das auch nur, wenn die unbeschädigten Anlagen in Katar rasch wieder auf Hochtouren laufen. Gibt es auch hier Verzögerungen, könnte Europa gar mit nur 70 Prozent in den Winter schlittern. An den Terminmärkten reiben sich die Spekulanten bereits die Hände und setzen voll auf explodierende Preise in der kalten Jahreszeit. Den Zahltag für dieses Spekulationsfest werden am Ende die Konsumenten erleben.

Und was machen die Eurokraten in Brüssel? Die EU-Kommission übt sich wie gewohnt in stoischer Realitätsverweigerung. Noch im April faselte man davon, dass die niedrigen Füllstände „keine unmittelbaren Bedenken“ aufwerfen würden. Man rühmt sich lieber damit, dass der Gasverbrauch um 17 Prozent gesunken sei – und ignoriert geflissentlich, dass dieser Rückgang zu einem wesentlichen Teil auf der Deindustrialisierung und Firmenpleiten beruht. Um den Druck vom Kessel zu nehmen, will der zuständige Energiekommissar Dan Jørgensen nun einfach die regulatorischen Zielvorgaben frisieren. Statt der eigentlich geforderten 90 Prozent Füllstand, sollen die Mitgliedsstaaten das Ziel auf 80 Prozent herabschrauben. Wenn die Politik an der Realität scheitert, ändert man eben einfach die Regeln.

Für den deutschsprachigen Raum bedeutet das einmal mehr einen brutalen Wettbewerbsnachteil durch massive Hedging-Kosten und mangelnde Versorgungssicherheit. Als Krönung der ideologischen Sanktionspolitik will die EU ab 2027 auch noch jenes russische LNG komplett verbieten, das bisher immerhin noch 14 Prozent der europäischen Importe ausmacht und oftmals heimlich umetikettiert die Speicher füllt. Die Warnungen der Marktexperten sind indes glasklar: Mit Beginn des Winters werden die Preise steigen. Sind Sie schon darauf vorbereitet?

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