Ein Cannabis-Gummi, ein paar Stunden warten und dann wieder ans Steuer? Das kann unter Umständen gefährlich werden. Eine neue Studie zeigt: Selbst fünf Stunden nach dem Konsum fuhren Probanden noch messbar schlechter – obwohl die THC-Werte im Blut bereits überraschend niedrig waren.
Cannabis-Gummis wirken anders als ein Joint. Das THC wird über den Verdauungstrakt aufgenommen, setzt später ein und kann länger nachwirken. Forscher des Centre for Addiction and Mental Health und der University of Toronto testeten deshalb 40 regelmäßige Cannabiskonsumenten mit Gummis, die 0, 2, 10 oder 20 Milligramm THC enthielten. Die Fahrleistung wurde vor dem Konsum sowie zwei und fünf Stunden danach im Simulator überprüft.
Schon nach zwei Stunden zeigte sich ein klarer Dosiseffekt. Bei 10 Milligramm THC nahm die seitliche Spurabweichung gegenüber Placebo im Durchschnitt um 2,0 Zentimeter zu, bei 20 Milligramm sogar um 3,3 Zentimeter. Bei der höchsten Dosis schwankte zudem die Geschwindigkeit stärker und die Reaktionszeit verschlechterte sich. Frühere Untersuchungen bewerteten bereits eine zusätzliche Spurabweichung von 2,4 Zentimetern als klinisch relevant – ungefähr vergleichbar mit der Beeinträchtigung bei 0,5 Promille Alkohol. Die 20-Milligramm-Dosis lag damit bei der Spurhaltung deutlich darüber. Auch fünf Stunden nach der Einnahme waren die Auswirkungen noch messbar. Erst beim nächsten Test, rund 24 Stunden nach dem Konsum, waren die meisten Auffälligkeiten verschwunden.
Niedriger THC-Wert, trotzdem beeinträchtigt
Noch auffälliger waren die Blutmessungen. Zwei Stunden nach 10 Milligramm THC lag die Konzentration im Vollblut im Durchschnitt bei lediglich 1,6 Nanogramm pro Milliliter, nach 20 Milligramm bei 3,4 Nanogramm. Von insgesamt 294 gültigen Blutmessungen zwei und fünf Stunden nach der Einnahme lagen gerade einmal acht über 5 Nanogramm pro Milliliter. Trotzdem fuhren die Probanden messbar schlechter. Ein niedriger THC-Wert bedeutet bei Cannabis-Gummis damit keineswegs automatisch, dass die Beeinträchtigung bereits verschwunden ist. Das ist auch für Deutschland interessant. Seit 2024 gilt hier ein Grenzwert von 3,5 Nanogramm THC pro Milliliter Blutserum.
Die kanadischen Werte lassen sich nicht direkt mit der deutschen Grenze vergleichen, weil die Studie Vollblut untersuchte und Deutschland Blutserum misst. Der Befund bleibt dennoch unangenehm: Ein einzelner THC-Wert bildet die tatsächliche Fahrleistung offenbar nur unzureichend ab. Selbst die deutsche Expertengruppe, die den 3,5-ng-Grenzwert empfohlen hatte, hielt damals fest, dass neue wissenschaftliche Erkenntnisse eine spätere Neubewertung erforderlich machen könnten.
Für Autofahrer ist die Warnung jedoch simpel: Wer Cannabis-Gummis konsumiert hat, sollte sich nicht darauf verlassen, nach ein paar Stunden wieder sicher fahren zu können. Die Studie zeigt messbare Beeinträchtigungen noch fünf Stunden nach der Einnahme – und im Straßenverkehr kann eine verzögerte Reaktion oder eine schlechtere Spurhaltung im schlimmsten Fall tödliche Konsequenzen nach sich ziehen.
