Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagt einst in der der EU-Kommission eigenen weltfremden Selbstüberschätzung: „Wie sollen wir China besiegen, wenn wir nicht einmal Russland besiegen können?“ („If Europe cannot defeat Russia, how then are we supposed to defeat China?“). Die EU unterstützt die Ukraine bedingungslos, auch bei Angriffen tief im Inneren Russlands. Die möglichen Folgen diskutiert nun ein russischer Außenpolitik-Analyst.
Die EU Staaten liefern Waffen, finanzieren die ukrainische Kriegsführung und akzeptieren, dass westliche Systeme weit hinter der Frontlinie tief in Russland zum Einsatz kommen. Was den Bürgern der EU als „Unterstützung der Selbstverteidigung“ verkauft wird, erweitert faktisch das Schlachtfeld und erhöht den Druck auf Moskau massiv.
Diese Problematik steht im Zentrum eines Gesprächs, das Mitte Juni 2026 auf YouTube veröffentlicht wurde. Unter dem Titel „John Mearsheimer & Sergey Karaganov: Atomschlag auf Europa zur Wiederherstellung der Abschreckung“ diskutieren der amerikanische Politikwissenschaftler John Mearsheimer und der russische Strategieexperte Sergey Karaganov mit Moderator Glenn Diesen über die gegenwärtige Eskalationsspirale.
Beide analysieren, warum Russland zunehmend unter Druck gerät, seine nukleare Abschreckung wieder glaubwürdig zu machen. Die westliche Unterstützung für die Ukraine, inklusive Angriffen tief im russischen Territorium, habe die rote Linie der konventionellen Abschreckung überschritten. Karaganov argumentiert, dass begrenzte nukleare Schläge auf europäische Ziele dann als Mittel zur Wiederherstellung von Respekt vor den russischen militärischen Möglichkeiten und von Verhandlungsbereitschaft in Betracht gezogen werden könnten. Mearsheimer stimmt zu, die Vereinigten Staaten würden bei einem begrenzten Einsatz gegen Europa kaum nuklear antworten, weil sie nicht New York für Warschau opfern wollten.
Mearsheimer, der bereits in weiser Voraussicht vor der NATO-Osterweiterung warnte, sieht die westliche Strategie als selbstzerstörerisch. Karaganov, ein einflussreicher Berater in Moskau, beschreibt die Notwendigkeit, die Abschreckung wiederherzustellen, ohne einen totalen Krieg zu riskieren. Beide sind sich einig, dass die aktuelle westliche Strategie der bedingungslosen Unterstützung der Ukraine plus der Erweiterung des Kriegsraums tief ins russische Gebiet das Risiko erhöht, dass Russland zu Mitteln greift, die auch die EU direkt treffen. Der Atomkrieg kann die mögliche Konsequenz einer Politik sein, welche auf den Endsieg statt auf Verhandlungen setzt.
Die EU-Führung ignoriert die Gefahr einer Eskalation völlig. Alles nur russische Propaganda. Statt auf Diplomatie zu setzen oder realistische Kriegsziele zu definieren, hält sie an der Formel fest, Russland dürfe nicht gewinnen. Das klingt zwar gut in den Ohren der selbsternannten moralischen Eliten, ignoriert aber die militärischen und vor allem nuklearen Realitäten. Wenn westliche Raketen russische strategische Ziele zerstören, dann verändert das die Einschätzung der Lage in Moskau. Ein begrenzter nuklearer Einsatz wäre für Russland nicht primär militärisch, sondern psychologisch gemeint, als Signal, dass die Kosten für die Fortsetzung des Krieges für Europa untragbar sein werden. Die USA blieben außen vor. Europa stünde allein da.
Vor dieser Gefahr wurde von besonnenen Stimmen seit dem Beginn des Ukraine Konfliktes gewarnt. Die Führung der EU setzte aber weiter auf den „Sieg“ gegen Russland. In völliger Verkennung der Realität, dass gegen eine nukleare Supermacht ein Krieg nicht „gewonnen“ werden kann. Die aktuelle EU Formel „Russland darf nicht siegen“ bedeutet daher nichts weniger als entweder den ewigen Krieg in der Ukraine oder die Eskalation bis hin zum möglichen Atomkrieg. Der Restwesten (die USA sind ja draußen) sollte dringendst da wieder ansetzen, wo er im März 2022 in Istanbul abgebrochen hat, bei Friedensverhandlungen. Wobei – und das ist jetzt meine sehr persönliche Meinung – das politische Führungspersonal der EU möglicherweise die einzige Möglichkeit für seinen Machterhalt in einer Fortführung des Krieges sieht. Auch auf das Risiko eines Atomschlages hin.
