Große internationale Fonds stellen geplante Investitionen in Spanien zurück. Gleichzeitig liegt der Zufluss ausländischen Kapitals weit unter dem Niveau von 2018, während Pedro Sánchez seit Jahren Steuern erhöht, Investoren mit neuen Eingriffen überzieht und inzwischen nicht einmal mehr einen regulären Staatshaushalt durch das Parlament bekommt. Das sozialistische Spanien wächst noch – doch beim Kapital, das Arbeitsplätze, Produktivität und künftigen Wohlstand schaffen soll, leuchten längst die Warnlampen.
Ausgerechnet Burger King liefert derzeit ein Lehrstück darüber, wie schnell aus politischem Chaos wirtschaftliche Vorsicht wird. Der britische Private-Equity-Riese Cinven will Restaurant Brands Europe verkaufen, den Betreiber von Burger King, Popeyes und Tim Hortons in Spanien und weiteren südeuropäischen Märkten. Das Unternehmen läuft: 2025 stieg der Umsatz der eigenen Restaurants auf 1,54 Milliarden Euro, unter dem Strich standen wieder 39,4 Millionen Euro Gewinn, gleichzeitig flossen rund 200 Millionen Euro in die Expansion. Der Staatsfonds Mubadala aus Abu Dhabi zeigte Interesse, Cinven wollte ursprünglich 2,5 Milliarden Euro sehen. Inzwischen soll der Preis auf 2,1 Milliarden Euro gefallen sein, während die amerikanische Konzernmutter Restaurant Brands International den Deal vorerst stoppte. Ein wachsender Konzern, Milliardenkapital auf Käuferseite, Verkaufsbereitschaft auf der anderen – und trotzdem kommt die Transaktion nicht vom Fleck. In einem stabilen Wirtschaftsstandort wäre das eine normale Verhandlung. Im heutigen Spanien reiht es sich in ein größeres Bild ein.
The Objective berichtet unter Berufung auf Branchenkreise, dass große internationale Investmentfonds ihre wichtigsten Spanien-Projekte derzeit auf Eis legen. Private Equity, Infrastrukturkapital und andere Großinvestoren warten ab. Der Grund liegt nicht in einem einzelnen Gesetz oder einer einzelnen Schlagzeile, sondern in der politischen Gemengelage: Sánchez regiert mit wechselnden linken und separatistischen Mehrheiten, Spanien arbeitet seit Jahren ohne neuen Staatshaushalt, Korruptionsverfahren erschüttern das Umfeld des Regierungschefs und gleichzeitig legt sich Madrid mit Washington und europäischen Partnern an. Kapital liebt Rendite. Noch mehr liebt es Berechenbarkeit. Wer bei einer Investition von einigen hundert Millionen Euro nicht weiß, welche Steuer, Regulierung oder politische Krise ihm in zwölf Monaten vor die Füße fällt, drückt eben nicht auf den grünen Knopf.
Die langfristigen Zahlen passen dazu. The Objective errechnet anhand der offiziellen spanischen Daten für 2025 ausländische Investitionen von 32,01 Milliarden Euro. 2018 waren es 58,43 Milliarden Euro. Das sind rund 26,4 Milliarden Euro weniger beziehungsweise ein Minus von etwa 45 Prozent. Nun war 2018 ein außergewöhnlich starkes Jahr mit großen Unternehmenskäufen – darunter allein rund 27,6 Milliarden Euro an Übernahmen. Doch auch der Blick auf die jüngste Entwicklung fällt für Sánchez unangenehm aus: Das spanische Wirtschaftsministerium weist für 2025 nur noch 30,76 Milliarden Euro produktive Direktinvestitionen aus, 21,8 Prozent weniger als 2024. Neue Kapitalzuführungen sanken um 33,2 Prozent, sonstige Erweiterungsinvestitionen um 44,6 Prozent. In der Industrie brachen die Investitionen um 39,9 Prozent ein, bei Strom- und Gasversorgung sogar um 64,8 Prozent.
Sanchez verspielt Spaniens wirtschaftliche Zukunft
Besonders aufschlussreich ist, welches Kapital noch nach Spanien fließt. BlackRock hält dort weiterhin Aktien, Anleihen und andere Vermögenswerte im dreistelligen Milliardenbereich, der norwegische Staatsfonds stockte seine spanischen Aktienpositionen auf und kaufte zusätzlich Immobilien. Das widerspricht der Entwicklung bei langfristigen Unternehmensinvestitionen nicht, sondern erklärt sie. Eine börsennotierte Aktie lässt sich morgen wieder verkaufen. Eine Anleihe läuft aus. Wer dagegen eine Fabrik baut, eine Produktionslinie erweitert, ein Unternehmen komplett übernimmt oder Milliarden in ein Kraftwerk steckt, hängt für Jahre oder Jahrzehnte an diesem Standort. An seinen Steuern, seinen Arbeitsgesetzen, seinen Genehmigungen, seinen Energiepreisen und seiner Regierung. Gerade dort werden politische Eskapaden teuer. Und gerade dort schlagen die offiziellen Investitionszahlen inzwischen sichtbar nach unten aus.
Was bekommen Investoren dafür aus Madrid geboten? Spanien lebt 2026 noch immer mit dem Staatshaushalt von 2023, weil Sánchez keine stabile Mehrheit für einen neuen Etat zusammenbekommt. Im Juli scheiterte sogar der Ausgabenrahmen für 2027. Gleichzeitig explodieren die Affären im Umfeld der Sozialisten. Der frühere Verkehrsminister und einst enge Sánchez-Vertraute José Luis Ábalos wurde im Juni wegen Korruptionsdelikten zu 24 Jahren Haft verurteilt. Gegen Sánchez‘ Ehefrau Begoña Gómez laufen Verfahren, sein Bruder David Sánchez wurde im Juli wegen Amtsmissbrauchs verurteilt und für Jahre von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen. Der spanische Regierungschef hält sich trotzdem an der Macht, gestützt auf eine fragile Konstruktion aus Sozialisten, Linksparteien und Regionalisten. Für einen Parteiapparat mag das reichen. Für einen Vorstand, der über eine milliardenschwere Fabrik oder Übernahme entscheidet, sieht Stabilität anders aus.
Dann wäre da noch Sánchez‘ Talent, sich ausgerechnet mit jenen Ländern anzulegen, aus denen Spanien besonders viel Kapital bekommt. Die USA stellten 2025 mit rund zehn Milliarden Euro beziehungsweise 32,5 Prozent der produktiven ausländischen Direktinvestitionen den mit Abstand wichtigsten Investor. Das amerikanische Volumen stieg gegenüber 2024 sogar um mehr als die Hälfte. Trotzdem eskalierte Madrid im Sommer den Streit mit Washington. Sánchez verweigerte sich beim NATO-Gipfel dem neuen Fünf-Prozent-Ziel, stellte sich im Iran-Konflikt quer und versagte den Vereinigten Staaten die Nutzung spanischer Stützpunkte und des Luftraums. Donald Trump reagierte mit offenen wirtschaftlichen Drohungen gegen Spanien. Wenige Wochen später folgte nach dem Massenansturm auf Ceuta der nächste internationale Krach, diesmal wegen Sánchez‘ Migrationspolitik. Italien führte zeitweise Grenzkontrollen für Reisende aus Spanien ein, Madrid antwortete mit Gegenmaßnahmen. Wer seinen wichtigsten Kapitalgeber und gleichzeitig europäische Nachbarn vor den Kopf stößt, darf sich anschließend nicht wundern, wenn Investmentkomitees plötzlich mehr Fragen stellen.
Auch innenpolitisch hat die spanische Linke seit Jahren wenig dafür getan, Kapital im Land willkommen zu heißen. Sánchez führte eine zusätzliche „Solidaritätssteuer“ für große Vermögen ein, griff mit Sondersteuern auf Banken und andere Branchen zu und hält am sozialistischen Reflex fest, jedes vermeintliche Problem mit neuen Abgaben und neuen Eingriffen lösen zu wollen. Im Immobiliensektor bedroht Madrid die steuerlichen Vorteile der börsennotierten Immobiliengesellschaften, den sogenannten SOCIMIs, der spanischen Immobiliengesellschaften nach dem international verbreiteten REIT-Vorbild, und diskutiert seit Monaten schärfere Regeln speziell für Unternehmen mit Mietwohnungen. Die OECD lieferte dazu im April 2026 eine äußerst klare Diagnose: Spaniens Steuersystem bremst Produktivität, die hohe Belastung der Arbeit behindert Beschäftigung, und die steuerliche Benachteiligung von Eigenkapital gegenüber Schulden schwächt Investitionen und Innovation.
Chaos und Unberechenbarkeit dominieren
Die Folgen dieser wirtschaftsfeindlichen Politik zeigen sich ausgerechnet auf dem Wohnungsmarkt, auf dem Sánchez besonders gerne den großen Zuchtmeister gibt. Die Zahl der börsennotierten SOCIMIs steigt weiter, ihr gemeinsamer Börsenwert liegt inzwischen bei rund 34 Milliarden Euro. Nur wandert ein beträchtlicher Teil dieses Kapitals längst in Büros, Logistikzentren, Hotels, Einkaufszentren und Rechenzentren. Wer Mietwohnungen politisch unattraktiv macht, bekommt eben nicht automatisch mehr günstigen Wohnraum. Er bekommt weniger Investitionen in Mietwohnungen. Kapital lässt sich nicht moralisch erziehen. Es wechselt einfach die Anlageklasse. Die Linke kann anschließend neue Mietpreisgesetze verabschieden, neue Steuererhöhungen beschließen und den nächsten „Spekulanten“ zum Feindbild erklären – zusätzlicher Wohnraum entsteht dadurch nicht.
Noch brutaler rächt sich die Politik bei den erneuerbaren Energien. Spanien hat Solar- und Windkraftwerke im Namen der Energiewende massiv ausgebaut und sich dafür jahrelang feiern lassen. Nun stehen zahlreiche Anlagen zum Verkauf und finden keine Käufer. Laut TTR Data brach das Volumen der M&A-Transaktionen im spanischen Erneuerbaren-Sektor im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr um 73,9 Prozent von 4,76 auf 1,24 Milliarden Euro ein. Die Zahl der Deals ging ebenfalls deutlich zurück. Der Grund ist teilweise hausgemacht: zu viel Solarleistung zur selben Tageszeit, fehlende Speicher, Netzengpässe und sinkende Erlöse in Zeiten hoher Produktion. Anleger verlangen inzwischen bevorzugt Projekte mit Batteriespeichern, weil reine Solarparks wirtschaftlich immer schwerer zu kalkulieren sind. Erst Milliarden in wetterabhängige Stromerzeugung locken, dann feststellen, dass Netze und Speicher fehlen – und am Ende wundern sich Politiker darüber, warum Käufer bei den Preisen drücken. So sieht die grün-sozialistischen Energiewende in Wirklichkeit aus.
Trotzdem kann Sánchez auf den ersten Blick mit ordentlichen Wachstumszahlen wedeln. Spaniens Wirtschaft wuchs 2025 laut OECD um 2,8 Prozent, für 2026 erwartet sie noch 2,2 Prozent. Doch ein erheblicher Teil dieser Dynamik hängt an der Binnennachfrage, dem öffentlichen Konsum und den gewaltigen EU-Programmen, die seit der Corona-Zeit Milliarden in südeuropäische Staaten pumpen. Gleichzeitig bleibt die Arbeitslosigkeit hoch, und Spaniens Produktivität hinkt den führenden europäischen Volkswirtschaften seit Jahren hinterher. Das ist der Punkt, an dem der Rückgang der privaten Investitionen gefährlich wird. Der Staat kann Nachfrage mit Schulden, Transfers und EU-Geldern einige Jahre hochhalten. Er kann damit sogar respektable Wachstumsraten produzieren. Eine neue Fabrik, ein produktiverer Maschinenpark oder ein innovatives Unternehmen entstehen dadurch noch lange nicht.
Für Sánchez dürfte die politische Versuchung groß sein, den Kurs einfach fortzusetzen. Solange Brüssel zahlt, die Touristen weiterhin kommen und der Staatsapparat weiter wächst, lässt sich vieles kaschieren. Doch Investoren stimmen nicht alle vier Jahre an der Wahlurne ab. Sie stimmen jeden Tag mit Milliarden ab. Sie verschieben einen Deal, verlangen einen niedrigeren Preis, streichen eine Werkserweiterung, kaufen lieber in Polen, Portugal oder den Vereinigten Staaten – und schicken Madrid nicht einmal einen Protestbrief. Die Rechnung kommt später: weniger Produktivität, weniger gute Jobs, geringere Löhne und niedrigere Steuereinnahmen. Sozialisten können die Vermögen besteuern, die Unternehmen regulieren und das Kapital politisch verteufeln. Sie können es nur nicht dazu zwingen, zu bleiben.






