Die nächste Eiszeit hatte möglicherweise bereits begonnen – bis die Erderwärmung dazwischenfunkte. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Oktober veröffentlichte Studie amerikanischer Wissenschaftler. Statt Freude über eine womöglich verhinderte Vereisung herrscht in den großen Medien allerdings weiterhin Klimakatastrophenstimmung. Dabei berechneten sogar Forscher des Potsdam-Instituts schon vor zehn Jahren, dass menschliche CO₂-Emissionen die nächste große Eiszeit um mindestens 100.000 Jahre verzögern könnten.
Auf der kanadischen Baffininsel liegt der letzte Rest eines gewaltigen Eisschildes, der während der vergangenen Kaltzeit große Teile Nordamerikas unter sich begrub. Die sogenannte Barnes-Eiskappe schien ihrem Ende entgegenzugehen. Doch Untersuchungen einer amerikanischen Forschungsgruppe um den Geochemiker Nicolás Young zeigen, dass sich dort vor ungefähr 2.000 Jahren etwas Interessantes abspielte: Das Eis begann wieder zu wachsen. Jahr für Jahr, Jahrhundert für Jahrhundert rückte es langsam vor. Erst um 1960 war damit Schluss. Seither zieht sich die Eiskappe zurück.
Die Forscher untersuchten Pflanzenreste, die beim Vorrücken des Eises eingeschlossen und konserviert wurden. Mithilfe der Radiokarbonmethode konnten sie nachvollziehen, wann die Pflanzen unter dem Eis verschwanden. Ihre unter dem Titel „Late Holocene reexpansion of the Laurentide Ice Sheet“ im Fachjournal Science veröffentlichte Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass sich der Laurentidische Eisschild nach einer langen Rückzugsphase erneut auszudehnen begann. Die moderne Erwärmung habe diesen Prozess wieder beendet.
Die Eiszeit hatte gerade erst angefangen
Young erklärte gegenüber der Columbia Climate School, die nächste Vereisung habe gerade erst begonnen, als die Entwicklung gestoppt wurde. Nach Ansicht der Studienautoren wäre das erneute Wachstum der Ausgangspunkt für die Entstehung eines neuen kontinentalen Eisschildes gewesen. Bis dieser wieder große Teile Nordamerikas bedeckt hätte, wären allerdings rund 30.000 Jahre vergangen. Eine durchaus interessante Erkenntnis. Schließlich waren die großen Kaltzeiten für das Leben in den nördlichen Breiten alles andere als angenehm. Kilometerdicke Gletscher, eisige Steppen, kurze Vegetationsperioden und riesige Landstriche, auf denen Landwirtschaft unmöglich gewesen wäre. Für unsere heutige Zivilisation wäre eine solche Entwicklung eine gewaltige Herausforderung.
Doch als CNN am 29. Oktober über die Forschungsarbeit berichtete, lautete die Schlagzeile sinngemäß: Die Menschheit habe versehentlich die nächste Eiszeit abgesagt – aber das sei kein Grund zum Feiern. Offenbar lässt sich selbst die mögliche Verhinderung einer neuen Vereisungsphase noch als schlechte Nachricht verkaufen, solange nur die Erderwärmung daran beteiligt ist.
Dabei gibt es durchaus unterschiedliche Auffassungen darüber, wann eine neue Eiszeit tatsächlich beginnt. Der Potsdamer Forscher Andrey Ganopolski widersprach gegenüber CNN der Schlussfolgerung, das erneute Wachstum der Barnes-Eiskappe beweise bereits den Beginn eines neuen globalen Vereisungszyklus. Seine eigenen Modellrechnungen sehen eine neue großflächige Vereisung unter natürlichen Bedingungen erst in Zehntausenden Jahren. Young wiederum betrachtet schon das erneute Vorrücken des alten Eisschildes als Beginn einer neuen Kaltzeit. Gestritten wird also über den Zeitpunkt und die Definition des Beginns – während der langfristige Einfluss von Kohlendioxid auf die Eiszeitzyklen auch in anderen Forschungsarbeiten untersucht wird.
Ausgerechnet Schellnhuber und das Potsdam-Institut
Bereits im Januar 2016 veröffentlichten die PIK-Wissenschaftler Andrey Ganopolski, Ricarda Winkelmann und Hans Joachim Schellnhuber eine Studie mit dem Titel „Critical insolation–CO2 relation for diagnosing past and future glacial inception“ in Nature. Sie untersuchten, wie die Veränderungen der Sonneneinstrahlung und der Kohlendioxidkonzentration den Wechsel zwischen Warm- und Kaltzeiten beeinflussen. Das Ergebnis dürfte so manchen Anhänger der radikalen Dekarbonisierungspolitik irritieren.
Nach den damaligen Modellrechnungen könnten kumulierte menschliche Emissionen von 1.000 bis 1.500 Milliarden Tonnen Kohlenstoff den Beginn einer neuen großflächigen Vereisung um mindestens 100.000 Jahre verzögern. Ohne zusätzlichen menschlichen Einfluss wäre eine solche Vereisung nach dem Modell erst in etwa 50.000 Jahren zu erwarten gewesen. Die Forscher untersuchten damit eine langfristige Wirkung des zusätzlichen Kohlendioxids, die man durchaus als Vorteil für die menschliche Zivilisation betrachten kann.
Ausgerechnet das Potsdam-Institut! Offenbar gab es dort damals noch genügend Zeit, sich auch mit den möglichen Vorteilen höherer CO2-Konzentrationen zu beschäftigen, statt sich ausschließlich um die nächste Klimakatastrophenwarnung zu drehen. Zumindest passt dieses Forschungsergebnis schlecht zum alarmistischen Dauerfeuer, mit dem die Öffentlichkeit heute beim Thema Kohlendioxid konfrontiert wird. Das ist keine Kleinigkeit. Schließlich gehört das PIK zu jenen Einrichtungen, deren Forschungsergebnisse auch in der politischen Debatte über weitreichende Emissionsbeschränkungen herangezogen werden. Wenn ausgerechnet dort berechnet wurde, dass zusätzliche CO2-Emissionen eine neue Eiszeit um 100.000 Jahre verzögern könnten, verdient dieser Befund mehr als eine Randnotiz.
Und die Potsdamer beschäftigten sich weiter mit dem Thema. Eine im Dezember 2025 veröffentlichte Studie unter Beteiligung Ganopolskis mit dem Titel „Timing of a future glaciation in view of anthropogenic climate change“ untersuchte die Klimaveränderungen der kommenden 200.000 Jahre. Die Wissenschaftler berücksichtigten dabei auch die langfristigen Wechselwirkungen zwischen Eisschilden, Atmosphäre und Kohlenstoffkreislauf.
Bei einem ihrer untersuchten natürlichen Ausgangsszenarien würde eine neue Vereisung in rund 50.000 Jahren einsetzen. Die bislang freigesetzten rund 500 Milliarden Tonnen Kohlenstoff würden daran wenig ändern. Bei kumulierten Emissionen von insgesamt 1.000 Milliarden Tonnen könnte sich der Beginn dagegen um weitere 50.000 Jahre verschieben. Gemeint sind jeweils Milliarden Tonnen reiner Kohlenstoff, nicht CO2; eine Tonne Kohlenstoff entspricht etwa 3,67 Tonnen Kohlendioxid. Damit steht die Frage im Raum, welche Bedeutung die künftigen Eiszeitzyklen für die langfristige Bewertung des menschlichen Einflusses auf das Klima haben. Dass die CO2-Konzentration dabei eine Rolle spielt, gehört schließlich zu den Ergebnissen dieser Modellrechnungen.
Als Kohlendioxid für Pflanzen zur Mangelware wurde
Ein Blick auf die letzte große Kaltzeit zeigt noch einen weiteren Zusammenhang, der in der öffentlichen Debatte oft untergeht. Damals war die Erde nicht nur erheblich kälter. Auch der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre sank auf Werte, die das Wachstum vieler Pflanzen stark beeinträchtigten. Während des Höhepunkts der letzten Vereisung vor rund 20.000 Jahren lag die CO2-Konzentration bei etwa 180 bis 190 Teilen pro Million (ppm). Vor der Industrialisierung waren es rund 280 ppm. Für die Pflanzenwelt kann dieser Unterschied über Gedeih und Verderb entscheiden, zumal es sich bei dem Spurengas um Pflanzennahrung handelt.
Die Biologinnen Laci Gerhart und Joy Ward untersuchten bereits 2010 die Auswirkungen niedriger eiszeitlicher CO2-Konzentrationen. Ihre im New Phytologist veröffentlichte Übersichtsarbeit dokumentiert, dass moderne C3-Pflanzen unter solchen Bedingungen im Durchschnitt ungefähr 50 Prozent weniger Photosyntheseleistung und Biomasseproduktion aufweisen als bei höheren Vergleichskonzentrationen. Je nach Pflanzenart fielen die Einbußen unterschiedlich aus. Zu den C3-Pflanzen gehören unter anderem Weizen, Reis, Kartoffeln und die meisten Baumarten. Kohlendioxid liefert ihnen den Kohlenstoff, den sie für den Aufbau ihrer Biomasse benötigen. Fehlt dieser Rohstoff, leidet auch das Wachstum. Die Vegetation vergangener Kaltzeiten war an ihre damaligen Bedingungen angepasst, doch an der grundsätzlichen Bedeutung des CO₂ ändert das nichts.
Die oft ins Spiel gebrachte „Rückkehr“ zu einem vermeintlich idealen natürlichen Klimazustand ist ohnehin eine merkwürdige Vorstellung. Das globale Klima hat sich während der Erdgeschichte immer wieder massiv verändert. Mal waren weite Teile der Nordhalbkugel vereist, mal herrschten erheblich wärmere Bedingungen als heute. Einen dauerhaft unveränderlichen Idealzustand kennt die Erdgeschichte nicht.
Mehr CO2 – und die Erde wird grüner
Auch die Satellitenbeobachtungen der vergangenen Jahrzehnte liefern interessante Daten. Bereits 2016 berichtete die NASA über eine internationale Untersuchung der weltweiten Vegetation zwischen 1982 und 2009. Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Blattfläche auf großen Teilen der bewachsenen Erdoberfläche deutlich zugenommen hatte. Mithilfe verschiedener Vegetationsmodelle berechneten sie anschließend die Ursachen dieser Begrünung. Rund 70 Prozent des langfristigen Trends schrieben sie dem CO2-Düngungseffekt zu. Auch Stickstoffeinträge, die landwirtschaftliche Nutzung und klimatische Veränderungen spielten eine Rolle. Die zunehmende Blattfläche wurde durch Satelliten beobachtet, die Aufteilung der Ursachen stammt aus Modellrechnungen.
Der Trend setzte sich auch in jüngerer Zeit fort. Eine im April 2026 veröffentlichte Untersuchung in Nature Reviews Earth & Environment stellte fest, dass die globale Vegetationsgrünheit im Jahr 2025 einen neuen Höchststand erreichte. Auf 68,2 Prozent der bewachsenen Landflächen zeigte sich über den untersuchten Zeitraum eine zunehmende Begrünung. Besonders deutlich war sie in Graslandschaften und landwirtschaftlich genutzten Gebieten. Mehr Blattfläche bedeutet nicht überall automatisch höhere Ernteerträge. Auch Wasser, Nährstoffe und die jeweilige Pflanzenart beeinflussen das Wachstum. Doch dass Kohlendioxid unter geeigneten Bedingungen die Photosynthese fördert, lässt sich im Labor ebenso nachweisen wie der langfristige Begrünungstrend mit Satelliten beobachten.
Schon der schwedische Chemiker Svante Arrhenius, einer der frühen Forscher zum CO2-Treibhauseffekt, beschäftigte sich vor mehr als hundert Jahren mit den möglichen Vorteilen einer wärmeren Erde. In seinem 1908 erschienenen Buch Worlds in the Making verband er steigende Kohlendioxidkonzentrationen unter anderem mit der Aussicht auf mildere klimatische Bedingungen und reichlichere Ernten. Die Vorstellung, dass eine Erwärmung auch Vorteile haben könnte, ist also nicht einfach eine Erfindung heutiger Kritiker der Klimapolitik.
Brüssel macht CO2 derweil zum Milliarden-Geschäft
Während sich Wissenschaftler mit den langfristigen Eiszeitzyklen und den Auswirkungen des Kohlendioxids auf die Pflanzenwelt beschäftigen, treibt die EU ihre Dekarbonisierungspolitik voran. Bis 2040 sollen die Netto-Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 um 90 Prozent sinken. Mindestens 85 Prozentpunkte sollen innerhalb der Union erreicht werden, der Rest darf unter festgelegten Bedingungen über internationale Emissionsgutschriften angerechnet werden. Bis 2050 soll die EU klimaneutral sein.
Was diese Politik finanziell bedeutet, lässt sich bereits am europäischen Emissionshandel ablesen. Allein 2025 wurden nach Angaben der EU-Kommission durch die Versteigerung von CO2-Zertifikaten mehr als 43 Milliarden Euro eingenommen. Davon flossen rund 24 Milliarden Euro direkt an die Mitgliedstaaten, während der übrige Betrag unter anderem europäische Fonds und Programme finanzierte. Seit 2013 summieren sich die Versteigerungserlöse auf mehr als 258 Milliarden Euro.
Für die Unternehmen sind diese Zertifikate ein zusätzlicher Kostenfaktor. Stromerzeuger, Stahlwerke, Zementfabriken und andere erfasste Betriebe müssen für ihre Emissionen entsprechende Berechtigungen vorweisen. Wo diese Kosten auf die Preise überwälzt werden können, zahlen Kunden und Verbraucher mit. Dazu kommen Investitionen in neue Anlagen und Produktionsverfahren sowie die wirtschaftlichen Folgen, wenn Unternehmen ihre Fertigung in Länder mit günstigeren Bedingungen verlagern.
Brüssel begründet diesen gewaltigen Umbau mit dem angeblichen Ziel, die Folgen des Klimawandels begrenzen zu wollen. Die damit verbundenen Kosten sind allerdings bereits heute real. Ob jede einzelne Maßnahme den behaupteten Nutzen tatsächlich rechtfertigt, steht auf einem anderen Blatt. Und wenn Wissenschaftler selbst mögliche Vorteile höherer CO2-Konzentrationen nachweisen, gehören auch diese in die Berechnung hinein.
Dass die Menschheit eine künftige Vereisung durch die Nutzung fossiler Brennstoffe möglicherweise um Zehntausende Jahre verzögert, ist jedenfalls eine interessante Aussicht. Ebenso wie die Tatsache, dass der zusätzliche Kohlenstoff unter geeigneten Bedingungen das Pflanzenwachstum fördert. Nur bei der CO2-Bepreisung muss niemand auf die nächste Eiszeit warten. Die Rechnung kommt schon heute.