Ein dunkelhäutiger Halbstarker mit Schnurrbart bewarb beim Discounter Lidl einen Pyjama für Kinder im Alter von 8 bis 10 Jahren: Die kuriose Bildauswahl auf der Produktverpackung und im Online-Shop sorgte für Spott und Kritik in den sozialen Netzen. Lidl hat inzwischen reagiert und das Bild gelöscht. Mit Einsicht hat die Reaktion aber nichts zu tun: Stattdessen schimpft man über die „rassistischen“ Kritiker.
Der Produktverpackung nach sollte der Kinderpyjama die Größe 134/140 haben – also für Kinder mit einer Größe von 1,34 und 1,40 Metern geeignet sein. Es handelt sich um eine typische Größe für Kinder im Grundschulalter.
So weit, so normal, wäre da nicht das auf der Packung abgebildete Model: Statt mit einem deutschen Grundschulkind die (eigentlich) größte Zielgruppe in Deutschland anzusprechen, zeigte man einen dunkelhäutigen Jugendlichen mit Oberlippenbart. Der junge Herr wirkt auf dem Bild so erwachsen, dass er glatt für 18-jährig durchgehen könnte. In der Grundschule hat er damit eher nichts verloren. Entsprechend sorgte das Bild online für Belustigung und Kritik.
LIDL verkauft Schlafanzüge für Kinder im Alter von 8-10 Jahren.
— Georg Pazderski (@Georg_Pazderski) November 1, 2026
Das Werbefoto zeigt einen jungen dunkelhäutigen Mann mit Oberlippenbart.
Vielleicht hätte man ein passenderes Bild für einen Kinderschlafanzug finden können.
😂😂😂 pic.twitter.com/FWyy5ZpDU3
Beim Discounter selbst zeigt man wenig Einsicht: Zwar hat man das missglückte Produktbild inzwischen gelöscht. Aber nicht, weil man einen Fehler eingestehen würde, sondern weil angeblich das Model geschützt werden müsse.
Die Bildauswahl erklärte ein Sprecher gegenüber der „Bild“ wie folgt: „Bei Artikeln, die wir in unterschiedlichen Größen anbieten, ist es nicht immer vorgesehen, für jede Altersgruppe ein eigenes Model abzubilden. Dieser Pyjama ist bis zu der Größe 158-164 erhältlich und somit auch für junge Teenager geeignet. Das abgebildete Model trägt auf dem Produktfoto die Größe 158-164.“
Das ändert freilich nichts an der absurden Wirkung, wenn ein Pyjama für Grundschulkinder von einem Halbstarken mit Oberlippenbart präsentiert wird. Die Model-Wahl ist angesichts stetiger Debatten um das Alter von (angeblich) minderjährigen Flüchtlingen auch so ungeschickt, dass mancher darin einen zynischen politischen Kommentar erkannte. Lidl will aber keinen Fehler bei sich erkennen, sondern wettert lieber gegen die Kritiker: „Rassistische und herabwürdigende Kommentare gegen das Model“ hätten das Unternehmen „zutiefst entsetzt“, heißt es nun.
„Zum Schutz der Persönlichkeit unseres Models und um einer diffamierenden Weiterverbreitung entgegenzuwirken, haben wir das Bild aus dem Onlineshop entfernt“, konstatierte man gegenüber „Bild“. Eine interessante Lesart, da sich die Kritik in den sozialen Netzen klar gegen Lidl richtete – dem jungen Model wollte zumindest bei unserer Sichtung der Kommentare niemand etwas Böses. Das kann ja auch nichts dafür, wie sein Foto von den Verantwortlichen verwendet wird.
Überall Rassismus zu wittern, scheint inzwischen aber Teil der Unternehmenskultur in Deutschland zu sein. Mancher Kommentator nennt das inzwischen „Rassismus-Tourette“…