Die deutsche Energiewende wird zum milliardenschweren Dauerposten für die Steuerzahler. Für 2027 rechnen die Übertragungsnetzbetreiber mit einem EEG-Finanzierungsbedarf von 17,5 Milliarden Euro – gut eine Milliarde mehr, als Finanzminister Lars Klingbeil eingeplant hat. Allein auf die Solarenergie entfallen rund 9,6 Milliarden Euro an ungedeckten Förderkosten. Während der Strom bei Sonnenschein immer weniger Geld einbringt, muss der Staat die gesetzlich zugesagten Vergütungen weiter finanzieren.
SPD-Finanzminister Lars Klingbeil muss sich bei seiner Haushaltsplanung für 2027 erneut mit den Kosten der Energiewende herumschlagen. 16,5 Milliarden Euro hat er für die EEG-Förderung vorgesehen. Die vier Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW kommen in ihrer jüngsten Berechnung jedoch auf 17,524 Milliarden Euro. Das sind 1,024 Milliarden Euro mehr als im Haushaltsentwurf veranschlagt. Und dabei reden wir lediglich über die staatliche Förderung der erneuerbaren Energien. Netzausbau, Kraftwerksreserven und andere Kosten der Energiewende kommen noch hinzu.
Die am 26. Oktober veröffentlichten Zahlen zeigen, wie teuer die jahrzehntelange Subventionspolitik geworden ist. Von den insgesamt 17,5 Milliarden Euro entfallen knapp 1,6 Milliarden auf eine Liquiditätsreserve. Die eigentliche prognostizierte Deckungslücke beträgt 15,93 Milliarden Euro. Allein die Photovoltaik schlägt dabei mit 9,64 Milliarden Euro zu Buche, Biomasse mit 3,43 Milliarden Euro und Windkraft an Land und auf See mit zusammen rund 2,52 Milliarden Euro. Die vermeintlich günstige Solarenergie verursacht damit mehr als die Hälfte des gesamten EEG-Finanzierungsbedarfs.
Immer mehr Solarstrom – aber immer weniger wert
Bei den Marktwerten wird die Absurdität des deutschen Fördersystems deutlich. Für ihre Berechnungen verwenden die Netzbetreiber einen Referenzstrompreis von 106,47 Euro je Megawattstunde. Solarstrom erreicht nach ihrer Prognose für 2027 jedoch nur 41 Prozent davon. Umgerechnet sind das gerade einmal 4,37 Cent pro Kilowattstunde. Für Windkraft an Land werden immerhin 80 Prozent des Referenzpreises angesetzt.
Dahinter steckt ein Problem, das mit dem weiteren Ausbau der Photovoltaik wachsen kann. Wenn mittags Millionen Solarmodule gleichzeitig Strom produzieren, drückt das Überangebot die Börsenpreise. Teilweise rutschen diese sogar ins Minus. Abends, wenn die Menschen nach Hause kommen, kochen und ihre Elektrogeräte einschalten, liefern die Solaranlagen kaum noch etwas. Dann muss der benötigte Strom aus anderen Quellen kommen.
Trotzdem geht der Ausbau weiter. Für Ende 2027 rechnen die Netzbetreiber mit einer installierten Solarleistung von rund 145 Gigawatt. Gegenüber Ende 2026 entspricht das einem weiteren Zuwachs von fast 14 Gigawatt. Die Politik lässt also zusätzliche Anlagen errichten, deren Strom sich gerade während der ertragreichsten Stunden gegenseitig Konkurrenz macht und damit den erzielbaren Marktpreis drückt.
Der Börsenpreis fällt, der Steuerzahler springt ein
Für viele Betreiber geförderter Anlagen federn die gesetzlichen Vergütungsregeln die niedrigen Marktpreise ab. Sie erhalten je nach Anlage und Fördermodell feste Einspeisevergütungen oder Marktprämien. Liegt der Marktwert unter dem zugesagten Vergütungsniveau, muss die Differenz nach den geltenden Regeln aus dem EEG-Fördersystem bezahlt werden. So kann ausgerechnet ein niedriger Börsenpreis höhere staatliche Förderzahlungen erforderlich machen.
Das Geld dafür kommt inzwischen direkt aus dem Bundeshaushalt. Die frühere EEG-Umlage wurde abgeschafft, die milliardenschweren Verpflichtungen blieben bestehen. Seit 2023 werden sie aus staatlichen Mitteln finanziert, seit 2025 aus dem regulären Kernhaushalt. Was früher auf der Stromrechnung stand, wird heute über Steuern und gegebenenfalls neue Schulden bezahlt.
Report24 hat bereits über diesen politischen Verschiebebahnhof berichtet. Die Förderzahlungen sind schließlich nur ein Teil der Kosten. Milliarden fließen zusätzlich in den Netzausbau, die Stabilisierung des Stromsystems und die Bereitstellung gesicherter Kraftwerksleistung. Auch die Abregelung von Anlagen wegen überlasteter Netze kostet Geld. Die tatsächliche Rechnung der Energiewende geht somit weit über die EEG-Förderung hinaus.
Klingbeil muss die Milliarden aufbringen
Für die Haushaltsplanung gibt es immerhin noch eine Besonderheit: Die Netzbetreiber rechnen für 2026 mit einem Ausgleichsanspruch des Bundes in Höhe von zwei Milliarden Euro. Diese Rückzahlung aus der Abrechnung des laufenden Jahres könnte die Differenz zum Haushaltsansatz für 2027 rechnerisch ausgleichen. Die für 2027 prognostizierten Förderverpflichtungen von 17,5 Milliarden Euro bleiben davon unberührt.
Bislang hat das Bundesfinanzministerium offengelassen, ob der Haushaltsansatz angepasst werden muss. Am 12. November soll der Haushaltsausschuss den Etatentwurf abschließend beraten. Die Zahlen liegen also rechtzeitig auf dem Tisch. Klingbeil muss entscheiden, wie die Regierung mit den Förderkosten umgeht.
Die Förderversprechen kosten weiter Milliarden
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will inzwischen die Förderung neuer Anlagen begrenzen und den Ausbau stärker am Stromnetz ausrichten. Aus der Erneuerbaren-Branche kommt dagegen Widerstand. Die Unternehmen fürchten um ihre Investitionsbedingungen und damit um ein Geschäftsmodell, das über viele Jahre von staatlich festgelegten Vergütungen profitierte. Die bestehenden Förderzusagen laufen unterdessen weiter. Mit Kürzungen für neue Anlagen lassen sich alte Zahlungsverpflichtungen nicht einfach beseitigen.
Über Jahre haben wechselnde Bundesregierungen den Ausbau von Wind- und Solaranlagen mit Subventionen vorangetrieben. Jetzt wachsen die Anforderungen an Netze, Speicher und Reservekraftwerke, während die Betreiber geförderter Anlagen weiterhin Zahlungen nach den gesetzlichen Regeln beanspruchen können. Für die Stromkunden sollten Wind und Sonne eigentlich günstigere Energie bringen. Stattdessen müssen sie die Förderkosten als Steuerzahler mitfinanzieren.
Für 2027 kalkulieren die Netzbetreiber mit einem Solarstrom-Marktwert von gerade einmal 4,37 Cent je Kilowattstunde. Gleichzeitig fehlen dem EEG-System bei der Photovoltaik rund 9,6 Milliarden Euro zur Deckung der prognostizierten Vergütungszahlungen. Niedrige Börsenpreise werden politisch gerne als Erfolg der Energiewende verkauft. Im Bundeshaushalt hinterlassen sie eine Milliardenrechnung.