„Er bringt mich um!“ – junge Frau tot im Koffer, Somalier unter Mordverdacht

(C) Report24/KI

Eine junge Frau fleht per WhatsApp um Hilfe. Noch am selben Tag wird sie ermordet, doch die Amsterdamer Polizei stuft ihre Vermisstenmeldung trotz der alarmierenden Nachrichten zunächst als nicht dringend ein. Zwölf Tage später findet ein Spaziergänger ihre Leiche in einem Koffer. Unter Mordverdacht sitzt ein 23-jähriger Somalier, gegen den noch weitere schwere Gewaltvorwürfe erhoben werden.

„Help me. Now. He is killing me.“ – „Hilf mir. Jetzt. Er bringt mich um.“ Diese verzweifelten Worte verschickt die 29-jährige Hajar am 4. Oktober gegen 11.15 Uhr an einen Angehörigen. Danach bleibt ihr Telefon stumm. Die Familie zeigt die Nachrichten später der niederländischen Zeitung De Telegraaf. Die Polizei bestätigt die beunruhigenden Mitteilungen, hält sich zu deren genauem Wortlaut allerdings bedeckt. Für Hajar kommt jede Hilfe zu spät: Wie die Staatsanwaltschaft inzwischen feststellte, wird sie bereits am frühen Nachmittag getötet.

Gegen 20.15 Uhr verständigen die Angehörigen die Polizei. Sie berichten von Hajars Hilferufen und ihrer Sorge um die junge Frau. Doch die Beamten stufen den Fall zunächst als gewöhnliche, nicht dringende Vermisstensache ein. Ein Angehöriger schildert gegenüber De Telegraaf, man habe ihnen erklärt, dass sie 24 Stunden warten müssten. Dabei steht auf der Website der niederländischen Polizei ausdrücklich, dass gerade die ersten 24 bis 48 Stunden bei Vermisstenfällen entscheidend seien. Eine allgemeine Wartefrist gibt es nicht.

Die Polizei reagiert zu spät

Erst am Abend des 5. Oktober stuft die Polizei Hajars Verschwinden als dringend ein. Die Ermittler orten ihr Handy und durchsuchen in der Nacht ein Gebäude im Stadtteil Buitenveldert. Erfolglos. Später stellt sich heraus, dass Hajar in einem anderen Gebäude des Stadtteils getötet wurde. Erst am 13. Oktober veröffentlicht die Polizei ein Fahndungsfoto. Allerdings hatten die Angehörigen dessen Veröffentlichung zuvor noch nicht zugestimmt.

Die Beamten wussten bei der ersten Vermisstenmeldung, dass Hajar beunruhigende Nachrichten verschickt hatte. In ihrer Stellungnahme verweist die Polizei darauf, dass die junge Frau früher schon längere Zeit verschwunden war und diesmal mit einem Koffer ihre Wohnung verlassen haben soll. Weshalb die Vermisstenmeldung trotz der Todeswarnungen zunächst als nicht dringend eingestuft wurde, will sie aus Rücksicht auf die Privatsphäre der Angehörigen nicht erläutern. Für die Familie dürfte diese Erklärung wenig befriedigend sein.

Ein Somalier unter Verdacht

Am 16. Oktober entdeckt ein Spaziergänger an der Amsteldijk einen Koffer im Wasser. Darin liegt Hajars Leiche. Die Ermittler finden heraus, dass sie in einem Gebäude an der Straße De Klencke getötet wurde. Unter Verdacht gerät der 23-jährige Somalier Abdi A., der seit 2009 in den Niederlanden lebt und seit 2014 eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung besitzt. Einen festen Wohnsitz hat er derzeit nicht.

Überwachungskameras hatten den Mann am 4. Oktober gemeinsam mit Hajar in der Nähe des RAI-Kongresszentrums aufgezeichnet. Am Abend des 19. Oktober vernimmt ihn die Polizei zunächst als Zeugen. Am folgenden Morgen machen ihn weitere Ermittlungsergebnisse zum Verdächtigen. Noch am selben Tag nehmen Polizisten ihn nach einem Gewaltvorfall in der Gemeinde Koggenland fest. Dort wurde ein Mann verletzt und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Medienberichten zufolge handelt es sich um den früheren Pflegevater des Somaliers.

Die Staatsanwaltschaft verdächtigt Abdi A. des Mordes beziehungsweise Totschlags an Hajar und der Beseitigung ihrer Leiche. Dazu kommen versuchter Mord beziehungsweise Totschlag an einem Mann sowie die Bedrohung einer Frau. Am 23. Oktober ordnet ein Richter weitere 14 Tage Untersuchungshaft an.

Asylanten als Frauenmörder

Amsterdams linke Bürgermeisterin Femke Halsema findet nach der Festnahme lobende Worte für die Polizei – auch wenn diese viel zu spät reagierte. Die Ergreifung des Verdächtigen sei einer „eisenstarken Ermittlungsarbeit“ zu verdanken. Auch auf die Herkunft des Somaliers kommt sie zu sprechen – allerdings nur, um eine entsprechende Debatte bei der Pressekonferenz abzublocken. Die Hintergründe von Tätern könnten durchaus Gegenstand einer öffentlichen Diskussion sein, erklärt sie. Dies sei jedoch weder der richtige Ort noch der richtige Zeitpunkt.

Halsema erinnert selbst an den Mord an der 17-jährigen Lisa im August 2025. Damals geriet ein Asylant unter Verdacht, der auch mit weiteren schweren Sexualdelikten in Verbindung gebracht wurde. Report24 berichtete ausführlich darüber. Die Bürgermeisterin versichert nun, man werde die Maßnahmen für mehr Sicherheit von Frauen unbeirrt fortsetzen.

Als Hajars Angehörige am Abend des 4. Oktober die Polizei verständigten, war die junge Frau bereits tot. Die Beamten hätten ihren Mord zu diesem Zeitpunkt nicht mehr verhindern können. Doch die Angehörigen hatten von Hilferufen und Todesangst berichtet. Für die spätere Festnahme des Verdächtigen gab es Lob von höchster Stelle. Eine nachvollziehbare Antwort darauf, weshalb die Polizei diese Warnungen zunächst nicht für dringlich hielt, schuldet sie der Familie weiterhin.

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