Seit Jahren wollen uns die Klimafanatiker Schauermärchen vom bevorstehenden Golfstrom-Kollaps – und einer Eiszeit in Europa verkaufen. Dumm nur, dass amerikanische Forscher anhand von Satellitendaten eine kräftige Beschleunigung der Meeresströmung zwischen 2014 und 2023 festgestellt haben. Gleichzeitig stehen die Chancen auf einen vergleichsweise milden Winter in Europa gar nicht schlecht. Für die deutsche Bundesregierung wäre das ein Glücksfall, denn nach all den Milliarden für die Energiewende muss Berlin angesichts der mageren Gasreserven wieder einmal auf das Wetter hoffen.
In den USA reichen derzeit ein paar Wetterprognosen mit warmem Herbstwetter, um die Gaspreise auf Talfahrt zu schicken. Satte 15 Prozent verloren die amerikanischen Erdgas-Futures innerhalb einer Woche. In Europa läuft es genau andersherum. Hier kletterten die Preise auf rund 93 Euro je Megawattstunde – so hoch wie seit 2022 nicht mehr. Während die Amerikaner angesichts der milden Aussichten aufatmen können, müssen die Europäer wegen der Lieferprobleme aus dem Persischen Golf infolge des Iran-Konflikts tief in die Tasche greifen.
Temperatures in the 70s this November in the East? Seems possible 🌡️ pic.twitter.com/2iISBbKWiX
— Ben Noll (@BenNollWeather) October 24, 2026
Rettet uns ein milder Winter?
Deutschland trifft das besonders hart. Gerade einmal 61,1 Prozent betrug der Füllstand der Gasspeicher am 21. Oktober. Im Vorjahr waren es noch 75,4 Prozent. Die Bundesregierung lässt deshalb Gasreserven für knapp 245 Millionen Euro absichern. Allein 107 Millionen Euro entfallen auf zusätzliche Vorsorgemaßnahmen für Februar und März. Da wird der Winter schon mal teuer, noch bevor der erste längere Frost zuschlägt. Denn die hohen Gaspreise werden auch an die Verbraucher weitergegeben.
Doch ausgerechnet die Natur könnte der deutschen Bundesregierung dieses Mal den Hintern retten. Im Pazifik entwickelte sich ein außergewöhnlich kräftiger El Niño, der die Wettermuster auf der Nordhalbkugel durcheinanderwirbelt. Die amerikanische Wetterbehörde NOAA erwartet ein starkes bis sehr starkes Ereignis. Und auch die europäischen Saisonprognosen lassen hoffen: Copernicus rechnet für weite Teile Europas mit überdurchschnittlichen Wintertemperaturen. Jeder milde Tag spart Gas. Jeder ausgebliebene Kälteeinbruch entlastet die Speicher.
Gute Nachrichten in Sachen Golfstrom
Da passt eine weitere Nachricht aus der Klimaforschung hervorragend ins Bild. Erinnern Sie sich noch an die ständigen Warnungen vor dem angeblich bald schon zusammenbrechenden Golfstrom? Eine neue Eiszeit für Europa, verheerende Ernteausfälle, Wetterchaos und natürlich die nächste große Klimakatastrophe. Report24 hat diese Panikmache bereits mehrfach aufgegriffen und auf Studien verwiesen, die ein ganz anderes Bild der Atlantikströmungen zeichnen.
Nun haben NOAA-Forscher um Shenfu Dong die Satellitenmessungen von 1993 bis 2023 unter die Lupe genommen. Ihre im August 2026 veröffentlichte Studie „Rapid Surface Intensification of the Gulf Stream Since 2014“ dürfte den Anhängern der ewigen Golfstrom-Kollaps-Szenarien wenig Freude bereiten. Nach einer Schwächephase von 2005 bis 2014 legte der frei fließende Golfstrom kräftig an Geschwindigkeit zu. Gleichzeitig verlagerte er sich weiter nach Norden und bildete weniger große Schlenker. Verantwortlich dafür waren vor allem veränderte Windverhältnisse über dem Nordatlantik.
Ein komplexes Bild
Der Golfstrom transportiert enorme Mengen warmen Wassers nach Norden und beeinflusst damit auch das europäische Klima. Die neue Untersuchung zeigt, wie stark sich die Strömung innerhalb weniger Jahre verändern kann. Allerdings erfasst sie nur einen Teil des Golfstromsystems. Die gesamte Atlantische Umwälzzirkulation (AMOC) lässt sich daraus ebenso wenig beurteilen wie das Wetter des kommenden Winters. Doch gerade solche Unterschiede gehen bei den üblichen Schlagzeilen über den angeblich drohenden Golfstrom-Kollaps gerne verloren.
Die Frage ist ohnehin, warum ausgerechnet die düstersten Klimamodelle regelmäßig die größte mediale Aufmerksamkeit bekommen. Prognosen für das Ende des Jahrhunderts werden zu Horrormeldungen aufgeblasen, während Messungen der tatsächlichen Entwicklungen oftmals deutlich weniger Schlagzeilen produzieren. Je schlimmer die Vorhersage, desto größer offenbar der Nachrichtenwert. Dabei zeigen die Untersuchungen der vergangenen Jahre, dass es noch reichlich Forschungsbedarf gibt.
Berlin setzt auf das Prinzip Hoffnung
Für Berlin steht unterdessen eine ganz andere Frage im Raum: Wie kalt wird es diesen Winter? Nach dem Atomausstieg, der Abkehr vom russischen Pipelinegas und dem milliardenschweren Ausbau der wetterabhängigen Stromproduktion hängt die Energieversorgung weiterhin stark von importiertem Erdgas ab. Bei Dunkelflauten müssen regelbare Gaskraftwerke einspringen, während die Gaspreise bereits wieder kräftig steigen. Eine längere Frostperiode könnte Deutschlands ohnehin angeschlagene Industrie noch stärker unter Druck setzen.
Ein milder Winter würde der Bundesregierung deshalb jede Menge Ärger ersparen. Weniger Heizbedarf, geringerer Gasverbrauch und hoffentlich etwas Entspannung bei den Preisen. Doch einer Politik, die auf das Prinzip Hoffnung setzt, anstatt sich um eine stabile, zuverlässige Energieversorgung zu kümmern, bleibt nichts Anderes übrig. Denn mehr als einfach nur darauf zu hoffen, dass es schon nicht so schlimm wie befürchtet wird, ist nicht drin.