Ein Satz mit X: Ein aktueller Artikel auf Wired.com beleuchtet das Leid amerikanischer Auswanderer. Viele, die nach der erneuten Wahl von Donald Trump zum Präsidenten die Flucht ergriffen und nach Europa ausgewandert seien, planten demnach ihre Rückkehr in die USA. Man hatte kostenlose Gesundheitsversorgung und ein bunt-fröhliches Paradies erwartet – die Realität erwies sich als große Enttäuschung.
Mit der zweiten Amtszeit von Donald Trump sahen manche Linken die Apokalypse nahen – und nahmen die Beine in die Hand. Wie sich herausstellt, ist das Gras auf der anderen Seite aber nicht unbedingt grüner. Die paradiesischen Zustände, die amerikanische Auswanderer in Europa erwartet haben, erwiesen sich einem Wired-Artikel nach für viele als Hirngespinst.
They were promised a paradise. They got lower pay, endless bureaucracy, and health care that isn't free after all. Turns out America's grind beats Europe's brochure.
— David Pollack (@DavidPollackUSA) October 21, 2026
„Es gibt enorme Fehlvorstellungen hinsichtlich des Zugangs zu hochwertiger Gesundheitsversorgung, des Lebensstandards … die Lebensqualität ist deutlich geringer als in den USA“, erörtert etwa eine Auswanderin, die ihr Glück im Vereinigten Königreich gesucht (und nicht gefunden) hat. Sie beklagt niedrigere Löhne und, daraus resultierend, fehlendes Einkommen. „Dinge, die in Großbritannien als Luxusgüter gelten, sind in Amerika ganz alltäglich“, stellt sie fest: etwa eine Spülmaschine und ein Wäschetrockner.
Auch sei der Zugang zum Gesundheitssystem nicht kostenfrei: „Ich zahle enorme Summen an Steuern und einen Einwanderungszuschlag, um Zugang zu den Leistungen des NHS zu erhalten – also nein, die Gesundheitsversorgung ist hier nicht kostenlos.“ Sie hatte zudem fälschlicherweise günstige Zugfahrten erwartet. Auch hier wurde sie enttäuscht.
Beim Arbeiten empfindet sie die Briten ebenfalls als schwieriger. „Im Vereinigten Königreich herrscht sehr stark die Einstellung ‚Es ist, wie es ist‘, aber als Amerikaner wird uns beigebracht, uns stets zu verbessern und nach Besserem zu streben.“ Amerikaner leben aber auch in einem Land der unbegrenzten Möglichkeiten – Länder in Europa agieren innerhalb der Grenzen von „politisch nicht gewollt“ und „lohnt sich nicht“.
Das stellte auch ein eigentlich deutschlanderfahrener US-Amerikaner fest, der erneut nach Berlin gezogen ist und im Artikel zu Wort kam: „Es war so schwer, Arbeit zu finden, und die endlose Bürokratie hatte sich seit meiner Abreise noch verschlimmert“, erzählte er Wired. „Ich habe die freundlicheren Menschen, die Meinungsfreiheit und die Unkompliziertheit des Alltags“ in den USA vermisst. Außerdem beklagt er, von den Deutschen nicht akzeptiert zu werden.
Der Artikel nimmt Bezug auf Online-Debatten, in denen die rückkehrwilligen Auswanderer von linken Gesinnungsgenossen mitunter scharf attackiert werden. Wer in die USA zurückwolle, müsse „rechts“ und privilegiert sein, so die Vorwürfe. Man wirft ihnen auch vor, dass sie sich nicht genug an ihre neue Heimat angepasst hätten. Ironisch, wo es doch sonst die Linken sind, die Integration und Assimilation für die Aufgabe der Aufnahmebevölkerung halten.
Dabei stellt so mancher Trump-Flüchtling fest, dass auch in Europa links mehr und mehr vorbei ist. Ein Mann, der auch wegen des Rechtspopulismus in den USA mit seiner polnischen Frau nach Polen gegangen ist, fühlt sich nun laut eigener Aussage gefangen: Auch hier sind die Rechten auf dem Vormarsch.
Deutschland und Österreich schrecken ab
Gerade das so bunte Deutschland kommt in den einschlägigen Foren der „Expats“ auf Reddit schlecht weg. Das Land, das sich gern so weltoffen und zukunftsorientiert präsentiert, wirkt auf die, die es erleben dürfen, gänzlich anders: Die Menschen seien „miserable“ (trübselig, schroff), alles dauere ewig, Bürokratie und Regeln erstickten alles, kleine Unternehmen würden getötet, man zahle Rentenbeiträge, die man wohl nie zurückbekomme, und alle beschwerten sich.

Österreich wird von Ausländern gern mit Deutschland gleichgesetzt, aber Kritik wie „es gibt Steuern für alles“ oder das Unwohlsein beim Öffnen des Briefkastens wegen drohender Rechnungen können wohl auch Deutsche nachfühlen.

Flucht vor europäischem Sozialismus
Dass Amerikaner tendenziell anders ticken als Briten, Deutsche oder Österreicher, ist gewiss nicht neu, (und dass Linke nun feststellen müssen, dass Völker doch nicht alle gleich sind, durchaus amüsant). Die Kritikpunkte reichen aber über empfundene Charaktereigenschaften und Wesensbeschreibungen hinaus. Das sozialistische Paradies, das Linke sich ausmalen, gibt es nicht. Linke Ideale führen immer zu Ungerechtigkeit und Demotivation durch massive Umverteilung, Entwertung von Leistung und Überregulierung. Das macht Arbeit zäh, vermiest Menschen die Laune und senkt schlussendlich den Lebensstandard für alle. Was hat man denn erwartet?
„Amerikanische Liberale wollen europäische sozialistische Ideen und Welle um Welle von Einwanderern aus der Dritten Welt in die USA importieren, aber es stellt sich heraus, dass Sozialismus und Masseneinwanderung in der Realität zu Ländern führen, die ärmer, weniger produktiv und als Heimat weniger lebenswert sind“, kommentierte Theo Wold, ehemaliger stellvertretender Assistent für Innenpolitik im Weißen Haus während Trumps erster Amtszeit, dieses Phänomen. Der von Linken romantisierte europäische Sozialismus zerstöre genau das, was Amerika lebenswerter macht.
Es sind natürlich die arbeitenden Menschen, die regelkonform leben und sich etwas aufbauen wollen, die sich davon abgeschreckt fühlen. Die Klientel, die auf Regeln und Gesetze pfeift, keinen Ehrgeiz hat und Steuern und Rentenbeiträge ebenso wenig bezahlt wie Rechnungen, die aus dem Briefkasten fallen, sieht über all das weiterhin großzügig hinweg und erfreut sich an den Sozialleistungen, mit denen sie überschüttet wird. Eben jenen Leistungen, die von den zunehmend ausgepressten und übellaunigen Steuerzahlern finanziert werden. Und so geht’s in Europa eben weiter abwärts.