Für den ASEAN-Gipfel im militärdominierten Myanmar stellte BMW Asia einst bis zu 95 Luxusfahrzeuge bereit. In Libyen war die Marke nach Aussagen des damaligen Importeurs sogar der Herrscherfamilie und ihren Vertrauten vorbehalten. Doch beim neuen AfD-Landtagspräsidenten Tobias Rausch zieht der Münchner Autobauer plötzlich ein bereits vorliegendes Leasingangebot zurück – ausgerechnet am Tag seiner Wahl. Über die Gründe schweigt der Konzern.
Am 6. Oktober 2026 wählte der Landtag von Sachsen-Anhalt den AfD-Politiker Tobias Rausch zum neuen Parlamentspräsidenten. Nach dessen Angaben kassierte BMW nur wenige Stunden später sein bereits unterbreitetes Leasingangebot für den Dienstwagen. Eine Begründung dafür gab es nicht. Die Münchner verweisen lediglich darauf, sich grundsätzlich nicht zu einzelnen Kundenbeziehungen zu äußern. Rausch kann vorerst noch den BMW 7er seines CDU-Vorgängers Gunnar Schellenberger nutzen. Im November läuft dessen Leasingvertrag allerdings aus.
BMW sollen wirklich nur diejenigen fahren dürfen, die es nach Moralprüfung wert sind.
— SueEllenTrinktWieder (@Suellentrinkt) October 9, 2026
Gaddafi, Assad und Khameni zum Beispiel.
Der neue Landtagspräsident vermutet politische Motive. In einem offenen Brief an die Konzernführung erklärt er seine persönliche Enttäuschung und fragt: „Soll künftig die politische Überzeugung eines Menschen darüber entscheiden, ob ein deutsches Unternehmen mit ihm Geschäftsbeziehungen unterhält?“ Der Zeitpunkt der Entscheidung liefert durchaus Anlass für diesen Verdacht. BMW könnte ihn mit einer nachvollziehbaren Erklärung ausräumen. Doch in München herrscht das Schweigen.
Kein Problem mit dem Militärregime in Myanmar
Dabei hatte der bayerische Luxusautobauer früher offenbar deutlich weniger Berührungsängste gegenüber politisch fragwürdigen Regierungen. Für den ASEAN-Gipfel 2014 im südostasiatischen Myanmar stellte BMW Asia gemeinsam mit seinem offiziellen Importeur Prestige Automobiles eine Flotte von bis zu 95 Luxusfahrzeugen bereit. Darunter BMW 7er, 5er-Limousinen und X5. Die Fahrzeuge sollten Staats- und Regierungschefs sowie internationale Delegationen chauffieren. Die ersten 70 Wagen übergaben BMW-Vertreter und ihre Geschäftspartner bei einer offiziellen Zeremonie an die damalige Regierung Myanmars. Der Konzern trat als offizieller Limousinenpartner des Gipfels auf.
Und wer regierte damals Myanmar? Präsident Thein Sein, ein ehemaliger General, stand an der Spitze eines Staates, in dem das Militär weiterhin enorme Macht besaß. Ein Viertel der Parlamentssitze war den Streitkräften vorbehalten. Die Generäle kontrollierten wichtige Ministerien und konnten Verfassungsänderungen blockieren. Regierungskritiker landeten im Gefängnis, ethnische Minderheiten litten unter massiver Verfolgung. An BMWs offiziellem Sponsoring des Gipfels änderte das nichts. Schon im Dezember 2013 hatte BMW Group Asia die Ernennung von Prestige Automobiles zum autorisierten Importeur für Myanmar bekannt gegeben. Die Münchner wollten den dortigen Markt erschließen und priesen die Wachstumschancen in Südostasien. Während das Militär seine politischen Privilegien verteidigte, erschloss sich BMW einen neuen Absatzmarkt für seine Luxusfahrzeuge. Geschäft ist eben Geschäft.
Gaddafis Regime fuhr auch BMW
Auch in Libyen war BMW einst eine bevorzugte Marke der herrschenden Elite. Das bestätigten sogar Vertreter des dortigen BMW-Vertriebspartners nach dem Sturz von Diktator Muammar al-Gaddafi. Im Dezember 2013 erklärte Ali Muttawa, Geschäftsführer des örtlichen BMW-Importeurs Oasis Motors, dass das frühere Regime bestimmt habe, welche Bevölkerungsgruppen welche Automarken fahren durften. BMW sei nur einem kleinen Kreis von Regime-Insidern vorbehalten gewesen. Marketingmanagerin Teri Hani brachte es auf den Punkt: „Für die Libyer war BMW die Marke des alten Regimes.“ Dessen Angehörige und Vertraute hätten solche Fahrzeuge gefahren.
Gaddafis eigene Autosammlung umfasste unter anderem einen gepanzerten BMW 7er. Der libysche Diktator regierte sein Land von 1969 bis 2011 mit eiserner Hand, ließ politische Gegner verfolgen und unterstützte internationale Terrororganisationen. Beim automobilen Luxus setzte der Machthaber auch auf deutsche Ingenieurskunst. Die BMW-Limousine gehörte zu seinem exklusiven Fuhrpark.
Diktatoren mögen BMW
Auch Tunesiens frühere Herrscherfamilie schätzte die bayerischen Luxusautos. Nach dem Sturz von Diktator Zine el-Abidine Ben Ali im Jahr 2011 beschlagnahmten die Behörden zahlreiche Fahrzeuge aus dem Besitz seiner Familie und seines Umfelds. Neben Rolls-Royce, Bentley, Ferrari und Lamborghini fanden sich darunter auch BMW-Modelle. Während große Teile der Bevölkerung unter Korruption und wirtschaftlicher Not litten, umgab sich die Herrscherclique mit Luxuskarossen westlicher Hersteller.
Das #Eigentor der Woche schießt #BMW, meint NIUS-Kommentator @hartammann. Der Hersteller zog sein Leasingangebot für den Landtagspräsidenten von Sachsen-Anhalt zurück, nachdem AfD-Politiker Tobias Rausch in das Amt gewählt wurde.
— NIUS (@niusde_) October 10, 2026
Bei Kunden wie Gaddafi (Massenmörder und Diktator… pic.twitter.com/kTYv16sOrm
Selbst im kommunistischen Nordkorea tauchten die bayerischen Luxuslimousinen auf. Im Januar 2012 berichtete die Auto Bild über einen gepanzerten BMW 750iL aus dem staatlichen Fuhrpark des Kim-Regimes. Der Zwölfzylinder mit 299 PS war bereits 1989 auf das nordkoreanische Innenministerium zugelassen worden. Später stand das Fahrzeug für knapp 30.000 Euro bei einem Hamburger Autohändler zum Verkauf. Wie der BMW ursprünglich nach Nordkorea gelangte, blieb ungeklärt. Selbst die abgeschottete kommunistische Diktatur gönnte sich Luxus aus München.
Doch wenn es um Deutschland geht, um eine demokratisch gewählte Partei, dann tut man plötzlich so, als ob dies mit der Moral des Konzerns nicht zu vereinbaren sei? Und das, obwohl gerade die AfD im Gegensatz zu den linken Parteien im Land den Wirtschaftsstandort Deutschland retten möchte? In München scheint man wohl ganz eigene Prioritäten zu setzen.