Aufstand gegen Asylzentrum: Piddington stimmt für Unabhängigkeit

(C) Report24/KI

Ein englisches 350-Seelen-Dorf sollte mehr als 1.250 männliche Asylforderer vor die Haustür gesetzt bekommen – und kündigte aus Protest die „Unabhängigkeit“ von Großbritannien an. Report24 berichtete bereits im August über den ungewöhnlichen Aufstand von Piddington gegen die Pläne der Regierung. Nun haben die Bewohner tatsächlich abgestimmt: Rund 91 Prozent votierten für die Loslösung vom Vereinigten Königreich.

Schon Mitte August sorgte Piddington international für Schlagzeilen. Auf einem ehemaligen Militärgelände zwischen dem Dorf und den benachbarten Ortschaften Upper und Lower Arncott will das britische Innenministerium ein riesiges Asylzentrum errichten. Damals war von rund 1.250 Plätzen die Rede – bei gerade einmal rund 350 Einwohnern in Piddington selbst. Der Frust war bereits so groß, dass die Bewohner ein symbolisches Unabhängigkeitsreferendum vorbereiteten. Report24 berichtete am 15. August ausführlich über den Widerstand des Dorfes und die ungewöhnliche Protestaktion.

Inzwischen liegen auch die offiziellen Planungsunterlagen vor. Auf dem ehemaligen Militärstandort „MoD Bicester Site A“ sollen für zunächst zehn Jahre Unterkünfte für bis zu 1.256 Asylanten entstehen. Vorgesehen sind vor allem alleinstehende erwachsene Männer. Neue Wohnmodule, Sicherheitsanlagen und eine eigene Abwasserbehandlung sollen das Gelände für den Massenbetrieb fit machen. Die Bewohner wären dort nicht inhaftiert und könnten das Gelände verlassen. Damit würde neben Piddington eine Einrichtung entstehen, deren Kapazität mehr als dreimal so groß ist wie die gesamte Bevölkerung des Dorfes.

Der Protest dagegen hatte sich schon früh zugespitzt. Am 4. Juli stimmten 96 Prozent der Teilnehmer dafür, ein Referendum über die „Unabhängigkeit“ vom Vereinigten Königreich abzuhalten. Am Dienstag gingen die Einwohner zur Wahlurne – und lieferten London ein Ergebnis, das kaum deutlicher ausfallen konnte. 312 Stimmen wurden abgegeben. 285 Bewohner stimmten für die „Unabhängigkeit“, lediglich 26 dagegen, ein Stimmzettel war ungültig. Rund 91 Prozent der abgegebenen Stimmen entfielen damit auf die Abspaltung, die Wahlbeteiligung lag demnach bei rund 90 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Rechtlich ändert das Referendum nichts am Status des Dorfes. Als Protest gegen die geplante Asylunterkunft war die Botschaft jedoch unübersehbar.

Fürstentum Piddington

Und die Einwohner beließen es nicht beim Stimmzettel. An der Dorfgrenze steht inzwischen ein Schild mit der Aufschrift „Principality of Piddington“ – „Fürstentum Piddington“. Gemeinderatschef Tim McNally sprach nach der Abstimmung von gelebter Demokratie, seine Stellvertreterin Susannah Parden erklärte selbstbewusst: „We are Piddington, the village that roars.“ – auf Deutsch in etwa „Wir sind Piddington – das Dorf, das aufbegehrt“. Sogar eigene Repräsentanten und Ausweiskarten wurden bereits als mögliche nächste Schritte der symbolischen Unabhängigkeitskampagne ins Spiel gebracht.

Hinter dem schwarzen britischen Humor stecken allerdings ernste Bedenken. 133 Frauen aus der Umgebung schrieben zuletzt sämtliche weiblichen Abgeordneten des britischen Parlaments an und warnten vor den Auswirkungen des geplanten Zentrums auf ihren Alltag und ihr Sicherheitsgefühl. Im Dorf wird inzwischen über zusätzliche Überwachungskameras und eigene Sicherheitsstreifen gesprochen. Das Innenministerium wiederum kündigt für den Standort rund um die Uhr Sicherheitsdienste sowie CCTV-Überwachung an.

Und ausgerechnet das geplante Asylzentrum selbst könnte London nun zusätzlich Kopfzerbrechen bereiten. Nach einem Bericht der Times gibt es auf dem ehemaligen Militärgelände erhebliche Probleme mit der Infrastruktur. Die Stromversorgung gilt demnach als unzuverlässig, eine geeignete Gasversorgung fehlt, die Entwässerung reicht nicht aus und auch beim Wasser gibt es Einschränkungen. Die Regierung plant deshalb unter anderem eine eigene Abwasseranlage. Der Aufbau des Zentrums könnte sich dadurch verzögern.

Eine endgültige Entscheidung über die Nutzung des Geländes ist noch nicht gefallen. Das Innenministerium bestätigt selbst, dass weitere Prüfungen sowie die notwendigen Genehmigungen ausstehen. Die Planung für bis zu 1.256 Plätze läuft dennoch weiter – ebenso der Widerstand im Dorf.

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