Düngemittel: USA kaufen Rekordmengen aus Russland – EU würgt Importe ab

(C) Report24/KI

Noch 2025 bezogen die USA und die Europäische Union jeweils rund ein Fünftel ihrer Düngemittelimporte aus Russland. 2026 gehen die Entwicklungen deutlich auseinander: Während die Vereinigten Staaten ihre Käufe russischen Düngers auf einen Rekordwert steigern, sind die Einfuhren in die EU um rund drei Viertel eingebrochen. Dabei kämpft Europas eigene Stickstoffdüngerproduktion mit hohen Gaspreisen und verlorener Wettbewerbsfähigkeit.

Ohne die ausreichende und günstige Versorgung der Landwirtschaft mit Düngemitteln leidet die Versorgungssicherheit in Sachen Lebensmittel. Doch während man in den Vereinigten Staaten offensichtlich noch ausreichend Sinn für die Realität besitzt, scheint man in der Europäischen Union lieber auf Ideologie und moralinsaure Selbstgerechtigkeit zu setzen. Wen interessiert es im auf Steuerzahlerkosten fürstlich lebenden Polit- und Beamtenapparat schon, wenn die europäischen Landwirte weniger Lebensmittel produzieren und der Kontinent so noch stärker von Importen abhängig wird.

Von Januar bis Mai 2026 importierten die USA nämlich russische Düngemittel im Wert von 1,04 Milliarden Dollar. Im Vorjahreszeitraum waren es 806,4 Millionen Dollar gewesen. Das entspricht einem Plus von 28 Prozent und dem höchsten Wert für die ersten fünf Monate eines Jahres seit Beginn der verfügbaren US-Statistik im Jahr 2003. Russland war damit nach Kanada der zweitgrößte Düngemittellieferant der Vereinigten Staaten. In der Europäischen Union lief die Entwicklung in die andere Richtung. Im ersten Halbjahr 2026 sank der Wert russischer Düngemittelimporte laut einer Auswertung von Eurostat-Daten auf 297,9 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2025 waren es noch 1,16 Milliarden Euro gewesen. Für Januar bis Mai 2026 ergeben sich rund 203,9 Millionen Euro, nachdem im Juni noch einmal russischer Dünger für 93,97 Millionen Euro eingeführt worden war.

Damit standen von Januar bis Mai amerikanische Käufe im Wert von 1,04 Milliarden Dollar europäischen Käufen von lediglich rund 204 Millionen Euro gegenüber. Selbst nach Berücksichtigung des Wechselkurses kauften die USA damit wertmäßig mehr als viermal so viel russischen Dünger wie die gesamte Europäische Union. Noch 2025 sah das Verhältnis ganz anders aus. Die USA importierten Düngemittel im Gesamtwert von 8,996 Milliarden Dollar, davon 1,798 Milliarden Dollar aus Russland. Der russische Anteil lag damit bei ziemlich genau 20 Prozent. Die EU führte im selben Jahr Düngemittel für 8,877 Milliarden Dollar aus Drittstaaten ein, davon russische Ware für 1,962 Milliarden Dollar. Russland stellte damit 22,1 Prozent der außereuropäischen Düngerimporte und war der größte Lieferant der Union.

Billiges Gas macht russischen Dünger konkurrenzfähig

Bei Stickstoffdüngern entscheidet vor allem der Erdgaspreis über die Wettbewerbsfähigkeit. Erdgas liefert sowohl die Energie für die Herstellung als auch den Wasserstoff, der für die Ammoniakproduktion benötigt wird. Aus Ammoniak entstehen wiederum Harnstoff, Ammoniumnitrat und andere wichtige Stickstoffdünger. Die EU-Kommission beziffert den Anteil des Erdgases an den Produktionskosten von Stickstoffdünger inzwischen auf 70 bis 80 Prozent. Russland verfügt über große Gasreserven und kann diesen Rohstoff im eigenen Land zu deutlich niedrigeren Kosten bereitstellen als Hersteller in der Europäischen Union.

Report24 hatte bereits 2024 auf diese Entwicklung hingewiesen. Damals warnte Yara-Chef Svein Tore Holsether davor, dass Europa nach dem Verlust günstiger russischer Gaslieferungen in eine neue Abhängigkeit von russischem Dünger geraten könnte. Im Grunde exportiert Russland damit einen Teil seines günstigen Erdgases in veredelter Form weiter. Für Europas Hersteller ist das ein massives Problem. Die EU-Kommission räumt inzwischen selbst ein, dass europäisch produziertes Ammoniak am oberen Ende der weltweiten Produktionskosten liegt. Seit 2023 wurden Anlagen mit insgesamt neun Prozent der Ammoniak-Produktionskapazität der EU dauerhaft geschlossen. Weitere Düngemittelanlagen wurden stillgelegt oder heruntergefahren.

Auch in Deutschland zeigt sich eine ähnliche Entwicklung. SKW Piesteritz, einer der letzten großen deutschen Hersteller von Stickstoffdünger, musste seine Produktion in den vergangenen Jahren mehrfach drosseln. Geschäftsführerin Antje Bittner erklärte im März 2026, dass bei hohen Gaspreisen zeitweise nicht einmal kostendeckend produziert werden könne. 2024 war nach Angaben des Unternehmens das schlechteste Jahr seiner Geschichte. Dass Deutschland ebenfalls auf russische Lieferungen angewiesen war, zeigen auch die Daten des Statistischen Bundesamtes. 2020 kamen lediglich 3,65 Prozent der deutschen Stickstoffdüngerimporte aus Russland. 2023 waren es bereits 17,38 Prozent. Im Jahr 2024 lag der Anteil bei 9,85 Prozent, in den ersten vier Monaten 2025 wieder bei 13,35 Prozent. Bei anderen mineralischen und chemischen Düngemitteln stammten 2024 sogar 24,68 Prozent der deutschen Einfuhren aus Russland.

Brüssel verteuert russischen Dünger

Seit Juli 2025 erhebt die Europäische Union zusätzliche Zölle auf bestimmte russische Stickstoffdünger. Zum regulären Wertzoll von 6,5 Prozent kommt ein fester Aufschlag hinzu. Dieser lag zunächst bei 40 Euro je Tonne und wurde zum 1. Juli 2026 auf 60 Euro erhöht. 2027 sollen daraus 80 Euro und ab Juli 2028 schließlich 315 Euro je Tonne werden. Bei bestimmten Mischdüngern steigt der zusätzliche Zoll bis 2028 sogar auf 430 Euro pro Tonne. Die russischen Lieferungen werden damit gezielt aus dem europäischen Markt gedrängt. Der Bedarf verschwindet dadurch allerdings nicht. Die EU ist bei Stickstoffdüngern auf Importe angewiesen und kann ihre Landwirtschaft mit der eigenen (inzwischen sehr teuren) Produktionsleistung nicht vollständig versorgen. Allein 2024 importierte die Union rund zwei Millionen Tonnen Ammoniak, 5,9 Millionen Tonnen Harnstoff sowie insgesamt 6,7 Millionen Tonnen Stickstoffdünger und stickstoffhaltige Mischungen.

Im Mai 2026 setzte Brüssel deshalb die regulären Zölle auf bestimmte Ammoniak-, Harnstoff- und Stickstoffdüngerimporte aus anderen Drittstaaten für ein Jahr aus beziehungsweise öffnete entsprechende Zollkontingente. Russland und Belarus wurden davon ausdrücklich ausgeschlossen. Damit schafft sich die EU ein Problem und versucht anschließend, dessen Folgen anderweitig abzufedern. Russischer Stickstoffdünger wird durch zusätzliche Zölle verteuert, während europäische Hersteller wegen hoher Gaspreise selbst kaum konkurrenzfähig produzieren können. Den fehlenden Dünger soll die Landwirtschaft anschließend verstärkt aus anderen Ländern beziehen.

Washington geht 2026 den gegenteiligen Weg. Die Vereinigten Staaten kaufen russischen Dünger auf Rekordniveau und verschaffen ihren Landwirten damit weiterhin Zugang zu Ware aus einem Land, das bei der Herstellung von Stickstoffdünger einen erheblichen Kostenvorteil besitzt. Es fehlt nur noch, dass die Brüsseler Eurokraten nun beschließen, bei der Lieferkette von Lebensmitteln auch die Herkunft der Düngemittel einzufordern. Im bürokratischen Regulierungswahn könnten sie dann nämlich zusätzliche Dokumentationspflichten einfordern und dazu noch zusätzliche Zölle auf die betreffenden Nahrungsmittel erheben …

Wenn Sie mit dafür sorgen möchten, dass unser unabhängiger Journalismus weiterhin eine Gegenstimme zu regierungstreuen und staatlich geförderten Medien bildet, unterstützen Sie uns bitte mit einer Spende!

Informationen abseits des Mainstreams werden online mehr denn je bekämpft. Um schnell und zensursicher informiert zu bleiben, folgen Sie uns auf Telegram oder abonnieren Sie unseren Newsletter! Wenn Sie mit dafür sorgen möchten, dass unser unabhängiger Journalismus weiterhin eine Gegenstimme zu regierungstreuen und staatlich geförderten Medien bildet, freuen wir uns außerdem sehr über Ihre Unterstützung.

Unterstützen Sie Report24 via Paypal: