Millionen-Fiasko in Berlin: Rheinmetall-Schutzplatten für Polizei rasselten durch Schusstest

Symbolbild: KI

Mehr als 5.200 ballistische Schutzplatten von Rheinmetall mussten bei der Berliner Polizei aus dem Verkehr gezogen werden: Bei Kontrollbeschüssen kam es zu Durchschüssen. Innensenatorin Iris Spranger (SPD) spricht von einem „skandalösen“ Vorgang und verlangt Schadenersatz. Das Fiasko kostet Berlin eine Millionensumme, denn es musste rasch Ersatz her. 

Bei einer Schutzweste gibt es eine einzige Eigenschaft, bei der keine Kompromisse gemacht werden sollten: Sie sollte Geschosse aufhalten. Genau daran scheiterten aber tausende Schutzplatten der Berliner Polizei. 

Betroffen sind Keramikplatten des Modells KINS.0087 D T04 C01 von Rheinmetall aus dem Produktionsjahr 2017. Die Platten wiegen zwei bis drei Kilogramm und werden bei besonders gefährlichen Einsätzen zusätzlich in Schutzwesten eingesetzt. Gedacht sind sie für Lagen, in denen Beamte mit Beschuss aus Jagdgewehren oder militärischen Langwaffen rechnen müssen, also etwa bei Terroranschlägen, Amoklagen oder Einsätzen gegen schwer bewaffnete Kriminelle.

Bei einer Routineprüfung fiel auf, dass die versprochene Schutzwirkung teilweise nicht mehr gegeben war. Nach Medienberichten bestanden Platten die Beschusstests des Beschussamtes Mellrichstadt nicht; bei Prüfungen und Kontrollbeschüssen kam es zu Durchschüssen. Mehr als 5.200 Platten wurden daraufhin aussortiert.

Zehn Jahre versprochen, nach neun Jahren aussortiert

Unangenehm für Rheinmetall: Die 2017 beschafften Platten verfügen über eine zehnjährige Herstellergarantie. Sie hätten also noch mindestens bis 2027 zuverlässig ihren Dienst verrichten sollen.

Berlins Innensenatorin Iris Spranger spricht von einem „absolut nicht hinnehmbaren Qualitätsmangel“, einem „skandalösen Vorgang“ und einem „Versagen von Rheinmetall“. Der Konzern müsse den entstandenen Schaden unverzüglich ausgleichen. Spranger kündigte ein Treffen mit Verantwortlichen des Unternehmens an; rechtliche Schritte werden geprüft.

Das ist durchaus peinlich, denn Rheinmetall profitiert derzeit wie kaum ein anderes deutsches Unternehmen vom gewaltigen Anstieg staatlicher Rüstungsausgaben. Allein im zweiten Quartal 2026 erreichte der operative Gewinn laut aktuellen Berichten 562 Millionen Euro. Wer Milliardenaufträge für militärische und sicherheitsrelevante Ausrüstung erhält, sollte besser mit Qualität glänzen.

Noch einmal 1,2 Millionen Euro

Für Berlin wird das Problem zunächst teuer. Die Polizei hat kurzfristig 2.000 neue Schutzplatten für 1,2 Millionen Euro bestellt. Sie stammen nach Angaben der Senatsverwaltung von einem anderen Hersteller und sollen im September eintreffen. Die neuen Platten sollen auch Schutz gegen Sturmgewehrmunition bieten. Spranger betont, dass die Einsatzkräfte derzeit ausreichend geschützt seien.

Damit sind allerdings nicht einmal halb so viele neue Platten bestellt worden, wie aus dem Verkehr gezogen wurden. Der finanzielle Schaden ist auch nur die eine Seite. Noch unangenehmer ist die Frage, wie lange Berliner Polizisten darauf vertrauten, im Ernstfall durch Ausrüstung geschützt zu sein, deren tatsächliche Schutzwirkung bereits verpufft war… 

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