Falsche Aussagen im Corona-U-Ausschuss? Keine Ermittlungen gegen Ex-PEI-Chef

Symbolbild: KI

Ende Juni wurde der frühere Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), Klaus Cichutek, in einer Sitzung des thüringischen Corona-Untersuchungsausschusses befragt. Er unterlag der Wahrheitspflicht. Trotzdem tätigte er nach Ansicht eines Immunologen fachlich falsche Aussagen zur Immunität der Bevölkerung gegen SARS-CoV-2 und auch seine Einlassungen über einen angeblichen Rückgang der Intensivbettenbelegung nach den Massenimpfungen passen nicht zu den offiziellen Zahlen. Konsequenzen hat das nicht.

Der folgende Artikel ist eine Übernahme vom Multipolar-Magazin:

Erfurt. (multipolar) Die Staatsanwaltschaft Erfurt verzichtet auf Ermittlungen gegen den früheren Präsidenten des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), Klaus Cichutek. Das PEI ist die in Deutschland zuständige Bundesbehörde für die Zulassung und die Überwachung der Sicherheit von Impfstoffen. Cichutek hatte in einer Sitzung des thüringischen Corona-Untersuchungsausschusses Aussagen getätigt, die in der Berichterstattung zur Anhörung als „fachlich falsch“ und im Widerspruch zu offiziellen Daten eingeordnet wurden. Die Pressestelle der Staatsanwaltschaft Erfurt teilte nun auf Multipolar-Anfrage mit, dass ein Verfahren wegen des Verdachts einer Falschaussage nicht anhängig sei. Cichutek wurde am 30. Juni in dem Ausschuss als Zeuge befragt und unterlag der Wahrheitspflicht – ähnlich wie bei Zeugenaussagen vor Gericht.

Laut einem ausführlichen Bericht des Journalisten Bastian Barucker sagte Cichutek, die Bevölkerung habe zu Beginn der Corona-Krise keine Immunabwehr gegen den Erreger SARS-CoV-2 aufgewiesen. Der Immunologe Andreas Radbruch erklärte gegenüber Barucker, dass diese Behauptung „fachlich falsch“ sei. Tatsächlich habe bei weiten Teilen der Bevölkerung eine Immunität gegen das Virus vorgelegen. Barucker verweist in seinem Bericht auf Ergebnisse eine Studie der Berliner Charité vom Juli 2020. Demnach habe bei rund 30 Prozent der Studienteilnehmer eine „Kreuzimmunität“ vorgelegen. Das bedeutet, das Immunsystem konnte reagieren, weil SARS-CoV-2 anderen, bereits bekannten Erregern ausreichend ähnelte. Auch Cichuteks Aussage, dass es ohne Impfung nicht möglich sei, einen Krankheitsschutz zu erlangen, bezeichnete Radbruch als „falsch“. Eine durchgemachte Infektion erzeuge eine „stabile Immunität“.

Cichutek habe zudem ausgesagt, dass „die Belegung der Intensivstationen in Deutschland und in anderen Ländern deutlich zurückging nach dem die Impfung weit verbreitet” gewesen sei. Barucker weist darauf hin, dass diese Aussage von den offiziellen Zahlen nicht gestützt werde. Ein derartiger Rückgang geht aus den Statistiken des DIVI-Intensivregisters nicht hervor. Cichutek habe auch erklärt, dass es bei Pandemien zu sehr vielen Todesfällen und Überlastungen der Intensivstationen komme. Barucker merkt an, dass im Jahr 2020 in Deutschland statistisch kein außergewöhnliches Sterbegeschehen zu beobachten gewesen sei und die Intensivstationen in den Jahren 2020 und 2021 „historisch unausgelastet“ gewesen seien.

Zur Untererfassung von Impfnebenwirkungen habe Cichutek ausgesagt, dass Ärzte, Angehörige und Betroffene während des Impfgeschehens hoch sensibilisiert gewesen seien. Es sei „sehr viel“ gemeldet worden – 100 bis 1000 mal so viele Verdachtsfallmeldungen über Nebenwirkungen seien eingegangen. Er könne daher „nicht erkennen, dass hier tatsächlich irgendwo noch eine Dunkelziffer von nicht gemeldeten Verdachtsfällen sein sollte“. Bereits im vergangenen Jahr bezeichnete das PEI die Untererfassung von Impfnebenwirkungen als „Spekulation“. Der Virologe Alexander Kekulé verwies daraufhin auf mehrere Studien die eine „schlechte Meldequote von fünf bis 15 Prozent“ bescheinigten.

Laut einem Bericht der „Epoch Times“ habe Cichutek bei der Anhörung eingeräumt, dass er die Daten der kassenärztlichen Vereinigungen zu möglichen Impfnebenwirkungen nicht kenne und dass sie auch nicht in die Sicherheitsberichte des PEI zur Impfstoffsicherheit eingeflossen seien. Erst Ende 2024 seien sie dem PEI übermittelt worden. Aufgrund einer Änderung im Infektionsschutzgesetz 2020 mussten die Kassenärztlichen Vereinigungen dem PEI zur Überwachung der Impfstoffsicherheit sämtliche Falldaten zu Impfungen melden. Eine offizielle Auswertung fand bis heute nicht statt. Gemäß einer Analyse des später fristlos entlassenen Vorstands der Krankenkasse BKK ProVita, Andreas Schöfbeck, aus dem Jahr 2022 lag die Zahl der Impfnebenwirkungen mehr als zehn Mal höher als offiziell angegeben.

Barucker berichtet, Cichutek habe vor dem Ausschuss in der Befragung zur Untererfassung von Nebenwirkungen auch die „SafeVac 2.0“-App erwähnt, mit der das PEI aktiv nach möglichen Nebenwirkungen gesucht habe. Die Daten aus dieser App hält das PEI allerdings bis heute geheim. Als Cichutek nach Belegen für eine nicht vorhandene Untererfassung gefragt worden sei, habe er schließlich eingeräumt, dass er dazu keine konkreten Daten habe, es handele sich um seine persönliche Beobachtung.

Auf Multipolar-Anfrage an die Parteienvertreter des Untersuchungsausschusses zu den Widersprüchen in Cichuteks Aussagen verwiesen Thomas Gottweiss (CDU) und Cornelia Urban (SPD) in ihren Antworten jeweils auf die noch laufende Untersuchung und den künftigen Abschlussbericht, dem man nicht vorgreifen wolle. Gegenüber „Epoch Times“ sagte der BSW-Vertreter Ralph Hutschenreuther mit Blick auf die fehlende Auswertung der Krankenkassendaten, es habe die Abgeordneten „überrascht“, dass dieser Prozess „bis heute nicht abgeschlossen“ sei. Die AfD-Abgeordnete Wiebke Muhsal machte gegenüber „Epoch Times“ aufgrund dieser fehlenden Auswertung Defizite bei den vom PEI vorgenommenen Sicherheitsbewertungen aus.

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