Nein, nicht jede Kritik an israelischer Politik ist antisemitisch, die aktuelle aber weitgehend schon. Die Kriterien dafür sind auch ziemlich einfach. Im ersten Teil dieser Analyse wird der Unterschied zwischen Israelkritik und Antisemitismus erklärt. Wir erleben einmal mehr antijüdische Doppelstandards und linke Kumpanei mit den Hamas-Mörderbanden.
Analyse von Eric Angerer
UNO und EU attackieren Israel permanent und immer stärker. Aber auch große Teile derjenigen, die kritisch gegenüber dem Corona-Regime und der antirussischen Eskalationspolitik standen, haben sich seit Herbst 2023 gegen Israel positioniert. Bei systemkritischen Rechten ist es wohl eine Mischung zwischen traditionell altrechtem Antisemitismus und einem überzogenen „Ethnopluralismus“ der Neuen Rechten.
Kritische und Systemlinke Hand in Hand
Von den wenigen systemkritischen Linken, welche die globalistische Agenda zu Klima, Corona und Russland nicht mitmachten, haben viele ihren althergebrachten, oberflächlichen „antiimperialistischen“ oder antiamerikanischen Reflex gegen Israel ausgepackt. Sie erkennen nicht, dass die global-kapitalistischen herrschenden Eliten keineswegs proisraelisch sind. Und viele dieser Linken scheinen auch insgeheim froh zu sein, in dieser Frage wieder mit ihren ehemaligen Freunden im linken Mainstream zusammenzufinden.
In der Linken insgesamt sind propalästinensische Haltungen vorherrschend. Dass die US-Eliteunis von den Free-Palestine-Aktivisten beherrscht werden, ist Ausdruck davon, wo die Systemlinke und die Globalisten stehen, denn diese Universitäten sind die Brutstätten ihrer Kader. Bei der etablierten europäischen Linken ist das Bekenntnis zum „Existenzrecht“ Israels ein standardisiertes Lippenbekenntnis, in der Praxis wurde in den letzten Jahren Israel ständig zur „Mäßigung“ aufgerufen und sein Kampf gegen die islamfaschistische Hamas behindert.
Israelkritik vs. Antisemitismus
Etablierte linke Politiker, die an Universitäten dominanten Systemlinke und auch die meisten linken alternativen Medien verstecken sich hinter der Floskel, dass Kritik auch an Israel möglich sein müsse. Das ist zwar grundsätzlich richtig, aber bei diesen politischen Strömungen meist ein Ablenkungsmanöver. Wann Israelkritik antisemitisch ist, ist in Wahrheit leicht festzumachen.
Beispiele: Wenn jemand die israelische Corona- und Impfpolitik angeprangert hat, so wie auch die anderer Staaten, dann ist nichts daran antisemitisch. Wenn jemand kritisiert, dass in Israel die religiös-orthodoxen Juden zu viel Einfluss haben, und solch religiösen Einfluss auch in Staaten wie Pakistan, Saudi-Arabien oder der Türkei bemängelt, dann ist nichts daran antisemitisch.
Antijüdische Doppelstandards
Antisemitisch ist Kritik dann, wenn an Israel ganz andere Standards angelegt werden als an andere Länder oder Völker. Wenn man sich ansieht, wie große Teile der Linken in antiisraelischem Furor hyperventilieren und sich in ihrem üblichen Moralismus in „Solidarität mit den Palästinensern“ hineinsteigern, ist das auffällig.
Waren Sensibilität, Aufregung und „Solidarität“ bei diesen Linken auch so groß, als sich zuletzt in den Bürgerkriegen in Libyen, in Syrien, im Irak, im Sudan oder beim Krieg zwischen Saudis und Huthis im Jemen, wo von 380.000 Toten die Rede war, Anhänger der „Friedensreligion“ Islam gegenseitig massakrierten? Gab es da im selben Ausmaß Straßendemos, Unibesetzungen und Interventionen ins kulturelle Leben? Oder sind Sensibilität, Empörung und Aufmerksamkeit bei den Hamas-Helfern auf den Straßen nur dann so groß, wenn man die Toten den Juden anlasten kann?
Selbiges gilt für die Bezeichnung Israels als „Apartheidstaat“, weil die Araber dort nicht gleiche Rechte hätten. Abgesehen davon, dass arabische Israelis im Fußballnationalteam spielen, ins Parlament gewählt und Universitätsprofessoren werden können, leben sie im jüdischen Staat besser und freier als in diversen arabischen Autokratien. Wer sich hier über Benachteiligungen ereifert, die angesichts fortgesetzter arabischer Vernichtungsversuche gegen Israel mehr als verständlich sind, aber nichts im gleichen Ausmaß über die Unterdrückung der Kopten in Ägypten und der Christen und Drusen in Syrien äußert, der ist ein Antisemit.
Ähnlich verhält es sich bei der Delegitimierung der Existenz Israels, weil das „zionistische Gebilde“ das Ergebnis von Kolonialismus, Einwanderung und Landnahme sei. Wer so argumentiert, ist entweder historisch ahnungslos oder verfolgt eine durchsichtige ideologische Agenda. Die Argumentation dieser Linken ist auf mehreren Ebenen unhaltbar. Viele Völker haben durch Wanderbewegungen anderswo Staaten gegründet, nicht nur Europäer in Amerika. Viele heutige Staaten gehen auf solche Gründungen zurück, beispielsweise Spanien auf die der Westgoten, England auf die der Angelsachsen. Wenn all diese Gründungen keine Existenzberechtigung haben, dann müssten sich die Araber und der Islam (auch vom vormals jüdisch-christlichen Nahen Osten) auf die arabische Halbinsel zurückziehen, dann müssten die Türken von Kleinasien nach Zentralasien remigrieren. Wird eine solche Argumentationsweise nur gegen Israel angewendet, dann ist sie antisemitisch.
Kumpanei mit der Hamas
Die Hamas-Herrschaft im Gazastreifen war eine voll entwickelte faschistische Diktatur, die sich auf eine religiös-fanatische Massenbewegung stützte, mit der ein Terrorregime errichtet und Gegner ermordet wurden. Die Hamas steht für die Ermordung und Vertreibung der Juden und bezieht sich dabei ganz offen auf die Nazi-Tradition.
Dennoch ist von der westlichen Linken dazu fast nur ohrenbetäubendes Schweigen zu vernehmen. Das „antiimperialistische“ Bündnis gegen Israel geht offenbar vor. Gegen den jüdischen Staat ist diesen Linken, die sonst sehr sensibel auf jede Diskriminierung reagieren, offenbar alles recht. Sie demonstrieren in den westlichen Städten Schulter an Schulter mit den Hamas-Anhängern und verkneifen sich Kritik an deren Islamfaschismus. Mehr noch übernehmen sie unkritisch die von der Hamas genannten Opferzahlen, in denen sich auch zehntausende Hamas-Kämpfer befinden.
Linke Schutzmauer für Hamas
Vielsagend ist auch die Tatsache, dass bezüglich der Toten in Gaza von diesen Linken nur Israel verantwortlich gemacht wird. Obwohl Israel Zivilisten (und damit auch die Hamas-Terroristen) oftmals vorwarnt, die Hamas den Krieg mit einem barbarischen Pogrom gestartet hat, sich systematisch hinter den Zivilisten versteckt und damit die Verantwortung für all die Kriegstoten trägt, richten diese Linken immer nur Forderungen an den jüdischen Staat.
Warum verlangen sie nicht, dass die Hamas die Zivilisten nicht mehr als Schutzschilde benutzt, die gelieferten Lebensmittel nicht mehr zur Beherrschung der Bevölkerung missbraucht und dass die Hamas in der militärisch ausweglosen Lage endlich kapituliert? Dann wäre der Krieg rasch zu Ende, aber das wollen diese Linken offenbar nicht. Sie unterstützen den „Widerstand“ der Islamfaschisten und nehmen dafür die zivilen Toten offensichtlich gern in Kauf. Wer aus angeblicher Sorge um Zivilisten immer nur „Mäßigung“ von Israel verlangt, aber nicht die sofortige Kapitulation von der Hamas, der ist nicht nur ein Heuchler, sondern auch ein Antisemit.
Passende Vergleiche
Aufschlussreich ist der Vergleich mit der alliierten Herangehensweise gegenüber dem Naziregime. Die USA und Großbritannien haben mit ihren Bombardements etwa 600.000 deutsche Zivilisten, überwiegend Kinder, Frauen und Alte, getötet – obwohl sich die Wehrmacht nicht systematisch hinter diesen verschanzt hatte. Den Krieg einzustellen, um zivile Opfer zu vermeiden, war für die Alliierten keine Option. Das hätte nämlich bedeutet, die Nazis an der Macht zu lassen.
Und die Alliierten wären auch nicht auf die Idee gekommen, an Nazi-Deutschland vor einer Kapitulation Lebensmittel zu liefern. Genau diese Dinge – Einstellung des Krieges gegen die Islamfaschisten und die Lieferung von Lebensmitteln über Strukturen, die von der Hamas kontrolliert werden – wurden und werden aber von großen Teilen der politischen Öffentlichkeit von Israel verlangt.
Dass das auf den Demos der muslimischen Hamas-Fans und ihrer nützlichen Idioten gefordert wird, ist nur logisch. Diese Leute wollen den islamischen Gottesstaat in Gaza, ein faschistisches Regime und eine Brutstätte von Judenhass und Terrorismus, retten. Grotesk hingegen ist der antiisraelische Eifer der Mehrheit der „antifaschistischen“ und „friedensbewegten“ Linken.
Unpassende Vergleiche
Diese Linken reproduzieren diverse verlogene und unhaltbare Hamas-Narrative: Gaza sei schon vor dem Krieg ein „Ghetto“ gewesen = die Juden wären wie die Nazis. Israel sei ein „Apartheidstaat“ – als wären nicht sämtliche arabischen Länder 1948 fast vollständig „judenrein“ gemacht worden, während in Israel 1,5 Millionen Araber leben und dort Karriere machen können. In Gaza fände ein „Genozid“ statt – erneut wird Israel in die Nähe des Holocaust gerückt; als wären dann nicht sämtliche Kriege mit relevant zivilen Opfern Genozide, als hätte sich nicht die Bevölkerung in Gaza seit 2000 verdoppelt, als würde nicht die Hamas mit ihrem kriegsverbrecherischen Verstecken hinter Zivilisten und mit ihren ständigen Angriffen auf Israel für die Toten verantwortlich sein. Selbst nach eigenen Aussagen und jenen der UN ist die Bevölkerungszahl in Gaza seit Beginn des Krieges gewachsen.
Teilweise werden in der Free-Palestine-Bewegung auch ganz alte judenfeindliche Stereotype aus der Mottenkiste geholt: „Wahllos“ liebt der Israeli aka Jude zu töten. Und immer wieder gern die Kinder. Das kennt man seit Jahrhunderten. Wo er nicht töten kann, betrügt er die Welt („hat die Hamas kreiert“). Und natürlich das Wasser! Es ist fast nicht zu glauben, dass all diese Blutlügen so massiv zurückkommen würden – noch dazu im linken Mantel, aus dem es bislang „niemals wieder“ tönte.
Unabhängig von ihren subjektiven Motiven und ideologischen Verrenkungen dieser Linken – objektiv betrachtet machen sie dem Regime der mörderischen Islamfaschisten die Mauer. Sie sind Teil der Propagandakampagne, die dazu dient, die Hamas an der Macht zu halten und den totalitären Islam vor Kritik zu bewahren. Sie sind damit mitverantwortlich.
Teil 2 benennt die Verbindungen zwischen linken Eliteunis und dem Cheerleading für Dschihadisten, diskutiert den „Postkolonialismus“ und linke „Rassentheorien“, die aus der Zeit gefallenen „Imperialismus“-Konzepte der Linken und die Rolle von UNO und EU.
