Windkraft-Wahn: Deutschland braucht weitere 138 Millionen Tonnen Material

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Die Windkraft wird gerne als saubere und nahezu unerschöpfliche Stromquelle verkauft. Doch Deutschlands Windräder verschlingen bereits heute Millionen Tonnen Beton, Stahl, Kupfer und schwer verwertbare Verbundstoffe. Für den geplanten Ausbau und den Austausch alter Anlagen werden bis 2050 weitere rund 138 Millionen Tonnen Material benötigt.

Während grüne Politiker und Windkraftlobbyisten gerne von sauberer Energie und unerschöpflichem Wind sprechen, blenden sie den gewaltigen Ressourcenverbrauch der dafür notwendigen Windkraftwerke weitgehend aus. Immerhin benötigt jedes Windrad ein massives Fundament, einen Turm, einen Generator, Rotorblätter und eine Verbindung zum Stromnetz. Dazu kommen Transformatoren, Zufahrtswege, Kranflächen und kilometerlange Leitungen. Ende 2025 standen in Deutschland bereits rund 30.900 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von knapp 78 Gigawatt. Der Wind selbst mag erneuerbar sein, doch die tonnenschweren Maschinen, mit denen daraus Strom erzeugt werden soll, sind es nicht.

Wie groß der Materialbedarf bereits heute ausfällt, haben Riccarda Hieke und Christoph Helbig von der Universität Bayreuth untersucht. Ihre im Fachjournal Resources, Conservation & Recycling veröffentlichte Studie „Savings potential for material requirements through repowering in the German wind power expansion“ rekonstruiert den deutschen Windkraftausbau seit 1988 und berechnet dessen weitere Entwicklung bis 2050. Bereits Ende 2024 steckten demnach rund 39 Millionen Tonnen Material in den deutschen Windkraftanlagen. Davon entfielen etwa 24,4 Millionen Tonnen auf Beton und 12,6 Millionen Tonnen auf Stahl. Hinzu kamen größere Mengen Kupfer, Aluminium, Kunststoffe und Verbundwerkstoffe.

Doch mit dem geplanten Ausbau steigt der Rohstoffverbrauch nochmals erheblich. Addiert man die in der Studie ausgewiesenen Materialmengen für das übliche Repowering-Szenario, ergibt sich bis 2050 ein zusätzlicher Bedarf von rund 138 Millionen Tonnen. Darunter befinden sich etwa 74,7 Millionen Tonnen Beton und 53,7 Millionen Tonnen Stahl. Dazu kommen rund zwei Millionen Tonnen Kupfer, 1,3 Millionen Tonnen Aluminium, 2,6 Millionen Tonnen Polymere und 3,5 Millionen Tonnen Verbundstoffe. Fast 138 Millionen Tonnen Material innerhalb von 26 Jahren – zusätzlich zu den bereits bestehenden Windkraftanlagen.

Windkraftausbau bedeutet Neubau und ständigen Ersatz

Nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz soll die installierte Windkraftleistung an Land bis 2030 auf 115 Gigawatt steigen. Für 2035 sind bereits 157 Gigawatt vorgesehen, bis 2040 sollen es 160 Gigawatt sein. Hinzu kommen die Offshore-Anlagen, deren Leistung bis 2045 auf mindestens 70 Gigawatt wachsen soll. Die Bayreuther Studie orientiert sich an diesen politischen Ausbauzielen. Doch die einmal errichteten Windkraftwerke laufen nicht einfach über Generationen weiter. Mit jeder zusätzlichen Anlage wächst auch der künftige Bedarf an Ersatzbauten.

Für Windkraftanlagen an Land ermittelten die Forscher eine durchschnittliche Nutzungsdauer von rund 22,6 Jahren. Beim Repowering erfolgt der Austausch durchschnittlich sogar rund 4,6 Jahre früher – also nach 18 Jahren. Das bedeutet, dass ein heute errichtetes Windrad bereits in den 2040er-Jahren vor seiner nächsten Erneuerung steht. Ältere Anlagen werden dann abgebaut und durch größere, leistungsstärkere Modelle ersetzt. Die Energiewende schafft damit keine einmal errichtete Infrastruktur, sondern eine industrielle Dauerbaustelle.

Dabei bedeutet Repowering häufig nicht einfach eine technische Aufrüstung, sondern den vollständigen Abriss der bisherigen Windkraftwerke. Größere Anlagen benötigen längere Rotorblätter, stabilere Türme und neue Fundamente. Weil sich außerdem die Abstände zwischen den Windrädern verändern, lassen sich bestehende Fundamente oftmals nicht weiterverwenden. Das Umweltbundesamt empfiehlt für herkömmliche Flachgründungen sogar einen vollständigen Rückbau. Der Beton muss aufgebrochen, vom Bewehrungsstahl getrennt und anschließend abtransportiert werden.

Die Bayreuther Studie zeigt zugleich, wie stark sich der vorzeitige Austausch auf den Ressourcenverbrauch auswirkt. Von allen untersuchten Varianten verursacht gewöhnliches Repowering ohne Wiederverwendung bestehender Bauteile den höchsten Materialbedarf. Bleiben Fundamente erhalten, sinkt der Betonverbrauch dagegen um rund 14 Prozent. Die zusätzliche Nutzung bestehender Türme und Infrastruktur reduziert den Stahlbedarf um etwa zehn Prozent. Je früher ältere Windräder abgerissen und durch größere Modelle ersetzt werden, desto schneller laufen Beton, Stahl, Kupfer und andere Rohstoffe durch den industriellen Kreislauf – und alles nicht recyclebare Material landet auf Mülldeponien.

Auch die EU steuert auf eine gewaltige Materialschlacht zu

Auf europäischer Ebene fallen die Größenordnungen noch größer aus. Ende 2025 verfügte die Europäische Union über Windkraftanlagen mit einer Leistung von insgesamt 246 Gigawatt. Der Branchenverband WindEurope erwartet bis 2030 den Bau weiterer Anlagen mit zusammen 112 Gigawatt. Trotzdem soll die installierte Gesamtleistung lediglich auf 343 Gigawatt steigen. Rund 15 Gigawatt ältere Windkraftanlagen verschwinden also im selben Zeitraum wieder aus dem Bestand. Auch hier läuft der weitere Ausbau bereits parallel zu einer wachsenden Abriss- und Ersatzwelle.

Das Joint Research Centre der EU-Kommission nennt für Windkraftanlagen einschließlich ihrer Fundamente eine Materialintensität von rund 400 Tonnen Beton und 110 Tonnen Stahl pro Megawatt. Überträgt man diese Werte auf die erwarteten 112 Gigawatt neuer Anlagen, ergeben sich rund 44,8 Millionen Tonnen Beton und 12,3 Millionen Tonnen Stahl. Allein diese beiden Materialien kommen damit innerhalb von fünf Jahren auf mehr als 57 Millionen Tonnen. Kupfer, Aluminium, Kunststoffe und Verbundwerkstoffe sind dabei ebenso wenig berücksichtigt wie zusätzliche Stromleitungen, Speicher und Reservekraftwerke. Die angeblich grüne Energiewende steht damit auf einem gewaltigen Fundament aus Schwerindustrie und Rohstoffverbrauch.

Hinzu kommt ein wachsendes Entsorgungsproblem. WindEurope rechnet damit, dass die jährlich anfallende Menge ausgedienter Rotorblätter europaweit von rund 20.000 Tonnen im Jahr 2025 auf etwa 55.000 Tonnen im Jahr 2030 steigt. Die Rotoren bestehen aus Glas- oder Karbonfasern, die mit Kunstharzen verbunden sind und sich erheblich schwieriger wiederverwerten lassen als Stahl oder Kupfer. Ein Teil landet deshalb als Ersatzbrennstoff und Rohstoff in der Zementindustrie. Auch bei Beton und Stahl bedeutet Recycling keineswegs, dass der Ressourcenverbrauch verschwindet. Abriss, Transport, Aufbereitung und erneutes Einschmelzen erfordern wiederum Maschinen, Energie und zusätzliche Infrastruktur.

Mit diesen Widersprüchen beschäftigt sich auch mein jüngst erschienenes Buch „Der Windkraft-Wahn: Flatterstrom, Milliardengräber und der Preis der grünen Utopie„. Hinter dem politischen Versprechen einer sauberen und günstigen Stromversorgung stehen wetterabhängige Produktion, teurer Netzausbau, Reservekraftwerke, milliardenschwere Förderungen und ein gigantischer Materialverbrauch. Die Bayreuther Studie ergänzt diese Rechnung nun um konkrete Zahlen: Rund 39 Millionen Tonnen steckten bereits Ende 2024 in Deutschlands Windkraftanlagen. Bis 2050 kommen für Ausbau und Ersatz nochmals rund 138 Millionen Tonnen hinzu. Der Wind mag erneuerbar sein. Die gewaltigen Industrieanlagen, die ihn in Strom verwandeln sollen, sind es nicht.

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